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Foto: photos.com
Gesunde Erwachsene legen sich spontan gerade ins Bett. Wenn jemand sich anders hinlegt, ist somit ist ein Anhaltspunkt für weitere Tests gegeben.
 
Neurologie 9. März 2010

Schiefe Optik im Bett

Studie: Wenn Patienten sich schräg hinlegen, sollte an eine kognitive Störung gedacht werden.

Je schiefer sich jemand ins Bett legt, desto stärker ist auch seine kognitive Leistungsfähigkeit gestört, fanden deutsche Neurologen heraus. Die Fähigkeit, den eigenen Körper in einem äußeren gegebenen Rahmen zu positionieren, ist offenbar auch schon in Vorstadien einer Demenz eingeschränkt.

 

Wissenschaftler der Universität Leipzig und der Universität Würzburg entdeckten ein neues klinisches Zeichen für Demenz: Je schiefer sich jemand ins Bett legt, desto schwerer könnte der Grad seiner kognitiven Beeinträchtigung sein. Man kann also bereits vor der Anwendung aufwändiger Testverfahren aus der bloßen Beobachtung des spontanen Verhaltens eines Patienten einen Hinweis darauf erhalten, dass die kognitive Leistungsfähigkeit eines Patienten beeinträchtigt sein könnte.

Prof. Dr. Joseph Claßen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, und sein Team führen die Schräglage auf eine räumliche Orientierungsstörung zurück, die es den Betroffenen unmöglich macht, sich selbst in einem umgrenzten Raum zu positionieren.

Für die Erhebung wurden die Patienten der Neurologie gebeten, sich aus dem Sitzen heraus in ihr Bett zu legen. Die Positionierung des Patienten wurde dann mit einer Überkopfkamera festgehalten. Patienten, die sich wegen anderer Störungen nicht ausreichend bewegen konnten, wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Der Grad der kognitiven Störung wurde mit folgenden Tests ermittelt: Mini-Mental-Screeningtest, DemTect-Test und Uhrzeichentest.

Das Resultat war für alle Testverfahren eindeutig: Der Grad der Schieflage und die Schwere der Beeinträchtigung standen miteinander in enger Beziehung.

Messen nicht notwendig

Allen beteiligten Neurologen wurden Bilder einer verschieden schräg liegenden Person gezeigt, um zu ermitteln, welche Position als „schräg“ empfunden wird. Eine Abweichung von 7 Grad und mehr von der Längsachse des Bettes wurde von 90 Prozent aller mitwirkenden Neurologen mit dem bloßen Auge als deutlich schief erkannt. Der Winkel muss also nicht nachgemessen werden, sondern Ärzte können sich auf ihre eigene Einschätzung verlassen und bei Schräglage des Patienten im Hinterkopf behalten, dass eine kognitive Beeinträchtigung vorliegen könnte.

„Eine Schräglage stellt ein Indiz für den behandelnden Arzt dar, denn gesunde Erwachsene legen sich spontan gerade ins Bett. Der Arzt kann nun früher seine Aufmerksamkeit auf eine mögliche kognitive Beeinträchtigung richten und weitere Untersuchungen gezielter vornehmen. Wir hoffen, dass auf diese Weise die frühe Erkennung einer Demenzerkrankung begünstigt wird“, erklärt Claßen. Andere klinische Zeichen, wie etwa ein Suchreflex beim Streicheln der Wange eines Patienten oder ein ausgeprägter Greifreflex beim Händeschütteln, deuten auf eine bereits fortgeschrittene Demenz hin.

 

 

Quelle: Kraft, P. et al.: British Medical Journal 2009; 339: b5273; doi: 10.1136/bmj.b5273

Universität Leipzig/PH, Ärzte Woche 10 /2010

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