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Neurologie 23. Juni 2009

Symptome durch Koffeinentzug

Studie weist Änderungen in der zerebralen Blutflussgeschwindigkeit und im EEG nach.

Viele Kaffeetrinker klagen über Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme, wenn sie auf ihr geliebtes Heißgetränk verzichten müssen. Amerikanische Wissenschaftler nahmen das zum Anlass, um sich auf die Suche nach den neurobiologischen Mechanismen des Koffeinentzugs zu machen.

 

Um die neurobiologischen Hintergründe des Koffeinentzugs und der damit einhergehenden Symptome zu entschlüsseln, führten US-amerikanische Neurologen eine doppelblinde Cross-over-Studie mit 16 Teilnehmern durch, die regelmäßig Koffein konsumierten. Sie erhielten über einen Zeitraum von drei Wochen entweder Koffeintabletten (Tagesdosis 400 mg) oder Placebo. Nach 14 und 21 Tagen wurde jeweils anhand von drei Methoden quantifiziert, wie die Probanden auf Koffeinverabreichung beziehungsweise -entzug reagierten: Die Hirnaktivität wurde mittels Elektroenzephalogramm (EEG) und die zerebrale Blutflussgeschwindigkeit mittels Doppler-Sonografie gemessen, zudem füllten alle Studienteilnehmer den POMS-Fragebogen („Profile of Moods States“) aus, um subjektive Stimmungsschwankungen zu dokumentieren. Nach Ablauf der drei Wochen wechselten die Patienten der Koffein- in die Placebogruppe und umgekehrt.

Müde, erschöpft und lustlos

Um vom Koffein abzulenken, wurde den Probanden nur allgemein gesagt, Studienziel sei, den Einfluss von Lebensmittelinhaltsstoffen auf die Stimmung zu untersuchen; Lebensmittel wie Schokolade, Krustentiere, Mohn, Kokosprodukte und Alkohol wurden verboten, es wurde gestattet, Milch, Fruchtsäfte und Wasser zu trinken. Um die Compliance zu gewährleisten, mussten die Probanden bei jedem Untersuchungstermin eine Urinprobe abgeben.

Das Forscherteam konnte zeigen, dass die plötzlich eingestellte Koffeinzufuhr Änderungen in der zerebralen Blutflussgeschwindigkeit und im EEG nach sich zieht, die wahrscheinlich zu den klassischen Entzugssymptomen wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und nachlassender Aufmerksamkeit führen. So waren beim Koffeinentzug die diastolischen, systolischen und durchschnittlichen Blutflussgeschwindigkeiten der Arteriae cerebri anterior und media sowie die Frequenz der Theta-Wellen nach Wechsel von Koffein zu Placebo signifikant erhöht im Vergleich zu den der anderen drei Studiengruppen (weiterhin Koffein, weiterhin Placebo, Wechsel von Placebo zu Koffein). In Übereinstimmung dazu waren die Ergebnisse, die sich anhand des subjektiven Fragebogens ergaben: In der Entzugsgruppe waren die Werte für „müde“, „erschöpft“ und „lustlos“ am höchsten, für „energiegeladen“ am geringsten.

Die Wissenschaftler fanden zudem ein weiteres und für Kaffeetrinker ernüchterndes Ergebnis: Die Zufuhr von Koffein hat gegenüber Placebo keinerlei Benefit – zumindest nicht hinsichtlich der getesteten Parameter. smitter

 

Quelle: Sigmon SC et al. Psychopharmacology 2009;

doi: 10.1007/s00213-009-1489-4

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