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Komplementärmedizin 11. September 2008

Endlich auf den Punkt kommen

Es gibt immer wieder Patienten, deren Beschwerden trotz guter interdisziplinärer Zusammenarbeit kaum besser werden. Vielfach wird eine psychosomatische Komponente für die Persistenz der Symptomatik verantwortlich gemacht und schließlich eine Ausschlussdiagnose gestellt, die dem Krankheitsbild halbwegs gerecht wird, aber zugleich den mangelnden Therapieerfolg bemänteln soll. Die myofasziale Triggerpunkttherapie kann aber bei therapeutisch schwierigen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates helfen.

Im Folgenden sollen einige Diagnosen aus der Sicht der myofaszialen Triggerpunkttherapie (TrTP) beleuchtet werden, die in vielen Fällen eine erfolgversprechende Behandlungsoption darstellt.
Das Einbeziehen der potenziell muskulären Pathogenese solcher Beschwerdebilder ermöglicht die gezielte, systematische Behandlung der Muskulatur mit manuellen Techniken oder Akupunkturnadeln.
Als erstes Beispiel wäre die Achillodynie zu nennen. Bei sportlich aktiven Menschen treten häufig Schmerzen im Bereich des Achillessehnenansatzes auf. Die bildgebende Diagnostik zeigt oft unauffällige Verhältnisse, bestenfalls einen Reizzustand der Sehne. Manchmal imponiert die Sehne verdickt, sonografisch zeigen sich Kalkeinlagerungen. Besonders Patienten mit unauffälligen Befunden weisen Triggerpunkte im M. gastrocnemius/soleus und im M. tibialis posterior auf. Mithilfe der Triggerpunkttherapie und des Dry Needling kann oft Beschwerdefreiheit erzielt werden. Selbstverständlich muss zusätzlich auf eine Anpassung des Schuhwerkes bzw. der Sporttechnik geachtet werden.

Jumper’s knee, runner’s knee

Andere Sportler werden mit Kniebeschwerden vorstellig, die nach weiterführender Abklärung als Patellaspitzensyndrom („jumper’s knee“) oder als Tractus iliotibialis Syndrom („runner’s knee“) klassifiziert werden. Hier können entsprechende muskuläre Auslöser im Bereich der Quadricepsmuskulatur und der Adduktoren liegen. In diesem Zusammenhang zu erwähnen sind Jugendliche mit Morbus Osgood Schlatter, die ebenfalls Triggerpunkte im Bereich der Oberschenkelmuskulatur aufweisen. Die Behandlung derselben bewirkt häufig eine Schmerzreduktion, da alleine die Detonisierung im Oberschenkelbereich zu einem verminderten Zugreiz der Patellarsehne an der empfindlichen Tuberositas tibiae führt. Hier ist die TrPT als symptomatische Behandlung zu sehen.
Ein weiteres Beispiel sind Patienten mit Giving Way Attacken bei nachgewiesener Ruptur des vorderen Kreuzbandes. Nicht alle Kreuzbandverletzten haben dieses Phänomen. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass es sich nicht um ein rein mechanisches Problem infolge der fehlenden Kreuzbandfunktion handelt, sondern vielmehr eine komplexe Störung des propriozeptiven Systems im Kniebereich vorliegen dürfte, die vornehmlich zu einem Verlust von koordinativen Fähigkeiten führt. Mittels TrTP des M. vastus medialis lässt sich diese Störung vielfach beheben.
Triggerpunkte spielen auch bei Patienten mit plantarem Fersensporn eine große Rolle. Hier verspricht die Behandlung der Wadenmuskulatur zusätzlich zur Stoßwellentherapie eine Erhöhung der Therapieerfolgsrate.
Abschließend wären noch Thoraxbeschwerden mit ebenfalls negativer apparativer Diagnostik zu erwähnen. Oft als stenokardiforme Schmerzen oder Interkostalneuralgien bezeichnet, finden sich hier Triggerpunkte im Bereich der Brustmuskulatur oder des M. serratus anterior.

Dr. Roman Kleissner, Ärzte Woche 37/2008

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