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Komplementärmedizin 20. September 2007

Gesund wie die Chinesen

Man ist, was man isst. Dieser Spruch passt auch zu der Ernährung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Jedes Nahrungsmittel, das man zu sich nimmt, hat demnach eine bestimmte Wirkung. Bei unausgewogener Ernährung entsteht im Körper ein Ungleichgewicht.

Die Ernährung ist eine der fünf Heilansätze oder Säulen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), neben Akupunktur, Kräutern, Qigong und der Tuina-­Massage.
„Alle Heilansätze haben zum Ziel, dass das Qi im Körper frei fließen kann“, erklärt die Ernährungsberaterin Christina Szalai. „Das Qi steht z.B. für Lebensenergie, Wärme, aber auch Blut. So strebt man eine gute Versorgung des Körpers an: Wärme soll bis in die Füße oder Fingerspitzen gelangen, das Blut soll sich nicht stauen und die Zellen sollen Nährstoffe aufnehmen und Abfallprodukte wieder ausscheiden können.“ Dieser Ansatz basiert auf jahrtausendelangen Beobachtungen, wie sich der Verzehr der einzelnen Nahrungsmittel auf den Körper auswirkt. Es wird immer ein guter Qi-Fluss und ein Gleichgewicht zwischen Yin, den Körpersäften und der Substanz, und Yang, der Energie, angestrebt. Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig verursacht Krankheitssymptome, die nach der TCM-Lehre mit den entsprechenden Nahrungsmitteln gelindert werden können.

Hühnersuppe gegen Yin-Mangel

Yin-Mangel, ein Zuwenig an Körpersäften und Substanz, kann Blutarmut und poröse Knochen verursachen und dadurch zu schlechtem Schlaf, innerer Unruhe und Hitzeempfindungen führen. Diese Symptome verringern sich, wenn man Blut und Säfte aufbaut. Hierfür eignen sich besonders kräftigende Speisen wie Hühnersuppe oder eine Karpfensuppe.
Gleichzeitig sollte alles gemieden werden, was Yin reduziert. Dazu zählen austrocknende Nahrungs- und Genussmittel wie Kaffee, Schwarztee, Grüntee, Kakao, Rotwein und scharfe Gewürze. Gleichzeitig muss auch der Lebensstil mit einbezogen werden. Schlaf, vor allem der vor Mitternacht, ist ein grundlegender Faktor, der für den Yin-Aufbau besonders wichtig ist.Die wesentlichste Essensregel lautet: Alles, was ein Ungleichgewicht verstärkt, wird reduziert oder weggelassen und durch günstige Alternativen ersetzt.
„Wir haben sehr gute Erfahrungen bei Übergewicht, Kälte- und Hitzeempfindungen, Schlafproblemen, Durchfall, Erkältungsanfälligkeit und schmerzhafter Mens­truation gemacht, gerade bei Symptomen, wo die Schulmedizin oft noch nichts findet“, betont Szalai.
Das Prinzip ist einfach: Nahrungsmittel werden in kühlend und wärmend unterteilt. Zu den kühlenden Lebensmittel zählen: Jogurt, Rohkost, Südfrüchte, Mineralwasser. Zur wärmenden Kategorie gehören: Gewürze, Lamm-, Hühner- und Wildfleisch, Trockenfrüchte und Nüsse.

Organische Erkrankungen ausschließen

Wer zu Kältegefühl neigt, lässt die kühlenden Nahrungsmittel weg, Salate werden durch gedünstetes Gemüse ersetzt. Sehr beliebt sind Wok-Gerichte, wo verschiedenes Gemüse mit Fleisch, pikant gewürzt, zubereitet werden kann. Zucker ist tabu und Getreideprodukte sollten ebenfalls vermieden werden. Wenn Brot, dann nur dunkles und am besten getoastet.
Obst sollte vor allem als Kompott gegessen werden. Als Flüssigkeitszufuhr eignet sich Leitungswasser, das 15 Minuten abgekocht wird.
Die TCM-Ernährung ist für jeden geeignet, der bereit ist, ein bisschen in sich zu horchen und auch etwas Zeit fürs Kochen aufbringt. „Jeder kann sich so bei kleinen Unpässlichkeiten selbst helfen, sofern vorher abgeklärt wurde, dass keine organische Erkrankung vorliegt. Das Wohlbefinden verbessert sich durch die neue Ernährungsweise oft sehr rasch“, weiß Szalai aus der Praxis. „Allerdings müssen die typischen Essensgewohnheiten verändert werden und der Einkauf etwas mehr vorausgeplant werden.“

Ernährungsberatung

Der Klient wird ausführlich zu Essgewohnheiten und Körperempfindungen befragt, die Symptome werden Yin und Yang zugeordnet und der Berater erhält ein gutes Bild, welche Nahrungsmittel die Beschwerden fördern und welche sie lindern. Dementsprechend werden Ernährungsempfehlungen zusammengestellt, die natürlich an die hier in Österreich üblichen Essgewohnheiten und das lokale Nahrungsmittelangebot angepasst sind. Der Klient ersetzt dann die für ihn ungünstigen Lebensmittel durch wohltuende Alternativen und überlässt die Nahrungsmittelzufuhr nicht dem Zufall, wie es bei uns meistens getan wird.
„Bekömmlichkeit wird ganz groß geschrieben, denn nur eine Mahlzeit, die unser Körper restlos verdaut, hält uns gesund“, meint Szalai. „Wenn die nötigen Nährstoffe über den Blutkreislauf in die Zellen gelangen, spenden sie uns Energie und lassen uns Körpergewebe auf- oder abbauen.“

Nina Martin, Ärzte Woche 38/2007

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