zur Navigation zum Inhalt
 
Komplementärmedizin 5. Juni 2007

Hausmittel Baldrian enthält wirksames Anästhetikum

Die einschläfernde Wirkung von Baldrian nahm ein junges Team der Universität Wien unter die Lupe. Dabei nehmen Valerensäure und GABAA-Rezeptoren die Hauptrollen ein.

Wissenschaftler der Universität Wien publizierten in der Fachzeitschrift „Neuropharmacology“ wesentliche neue Erkenntnisse des Wirkungsmechanismus von Baldrian. Schon lange schätzen Pharmaindustrie und Naturheiler die sedativen Eigenschaften von Baldrianextrakten, insbesondere bei Unruhe- und Angstzuständen werden diese daher als „pflanzliche Hypnotika“ bezeichnet.

Wirkung an GABAA-Rezeptoren

Zu Beginn der Kooperation zwischen einem Team um Prof. Dr. Steffen Hering, Leiter des Departments für Pharmakologie und Toxikologie, und Prof. Mag. Dr. Brigitte Kopp, Vorstand des Instituts für Pharmakognosie der Universität Wien, stand die Erkenntnis, dass Baldrianextrakte eine hohe Aktivität an GABAA-Rezeptoren aufweisen.
Die Dissertantin Sophia Khom wurde schließlich bei der Valerensäure, einem aus Baldrianextrakten isolierten Wirkstoff, fündig. Khom untersuchte daraufhin den molekularen Angriffspunkt der Valerensäure am GABAA-Rezeptor. Sie stellte fest, dass die Reinsubstanz nicht am Rezeptor von Valium® wirkt, sondern dort, wo auch die Injektionsanästhetika angreifen.

Immer schon von den Chirurgen geschätzt

Zwar schaltet die Valerensäure nicht die Empfindungen ab, jedoch hat sie eine stark sedierende Komponente, weshalb die Substanz in Kombination mit Schmerzmitteln vor Operationen intravenös verabreicht wird, um Patienten schnell in einen Tiefschlaf zu versetzen.
Khom prüfte die Wirkung der Valerensäure an verschiedenen GABAA-Rezeptoren-Typen. Der Baldrianbestandteil zeigte bei jenen Rezeptoren eine besondere Wirksamkeit, an denen auch die Anästhetika wirksam sind. Wurden diese Angriffspunkte mithilfe molekularbiologischer Methoden manipuliert (Aminosäuren ausgetauscht; d.h. Mutationen gesetzt), blieb die Wirkung der Anästhetika, wie z.B. Etomidat und Propofol ebenso aus wie jene der Valerensäure.

Menge im Gehirn noch unklar

Die Substanz ist laut US-amerikanischen Untersuchungen nach der Verbareichung von Baldrianextrakten im Blutplasma nachweisbar. Die Menge der Valerensäure, die auch das Zentrale Nervensystem erreicht und manipuliert, konnte allerdings noch nicht erforscht werden.
Die Universität Wien verspricht jedoch ihre Untersuchungen fortzusetzen. Immerhin konnte nun nach jahrhundertlanger Nutzung von Baldrian als schlafförderndem Mittel jene Substanz ermittelt werden, die für diese Wirkung verantwortlich ist.

Quelle: Pressemitteilung der Universität Wien

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben