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Komplementärmedizin 14. Juni 2007

Komplementärmedizin – ein Plus für Krebskranke

Komplementärmethoden werden oft bei schweren Erkrankungen angewendet. In vielen Fällen ist die Evidenz allerdings kaum bis gar nicht vorhanden. Neue Studien wollen Abhilfe schaffen.

Auf der US-Krebstagung ASCO wurden erste ermutigende Ergebnisse zu Ginseng-Extrakt und Leinsamen vorgestellt
Beim Jahreskongress der US-amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO in Chicago wurden in diesem Jahr auch Studien aus dem Bereich der Komplementärmedizin vorgestellt. Erste ermutigende Ergebnisse brachten zum Beispiel Untersuchungen, in denen es um die Wirksamkeit von Ginseng-Extrakt bei Fatigue sowie um den Effekt von Leinsamen auf das Wachstum von Prostata-Krebs geht.
In die vierarmige Ginseng-Studie an der Mayo-Klinik in Rochester im US-Staat Minnesota wurden 282 Krebspatienten mit tumor- oder therapiebedingter Fatigue aufgenommen. Sie wurden für acht Wochen mit einem standardisierten Extrakt aus amerikanischem Ginseng in Dosierungen von 750, 1.000 oder 2.000 Milligramm pro Tag behandelt oder erhielten ein Scheinpräparat.

Ginseng gegen Fatigue

In den Gruppen mit den beiden höheren Ginseng-Tagesdosen wurden die Fatigue-Beschwerden bei 25 und 27 Prozent der Befragten mäßig bis stark bis deutlich gelindert. Die 750 Milligramm Dosierung von Ginseng sowie Placebo waren nur bei jeweils zehn Prozent der Patienten Fatigue-lindernd.

Es gibt Qualitätsunterschiede

„Der Stellenwert von Ginseng bei Zeichen von Erschöpfung und Abgeschlagenheit sollte nun genauer untersucht werden“, sagte Dr. Debra Barton von der Mayo-Klinik. „Derzeit können wir allerdings die Einnahme von Ginseng bei Fatigue nicht generell empfehlen, zumal es die Ginseng-Präparate von unterschiedlicher Qualität gibt.“
Ebenfalls ermutigende Ergebnisse brachte die Leinsamen-Studie bei Männern mit Prostata-Karzinomen. In die Studie wurden 161 noch nicht operierte Krebspatienten aufgenommen und in vier Gruppen aufgeteilt. Patienten der Gruppe 1 nahmen täglich 30 Gramm Leinsamen ein, Gruppe 2 reduzierte die tägliche Kalorienaufnahme um 20 Prozent, Gruppe 3 wendete beide Strategien an und Gruppe 4 diente als Kontrolle. Primärer Endpunkt der Studie war das Tumorzellwachstum in den resezierten Prostatadrüsen. Die Operation erfolgte durchschnittlich nach 30 Tagen.

Leinensamen plus Diät

Patienten beider Leinsamen-Gruppen hatten ein um etwa 40 Prozent verringertes Tumorzellwachstum im Vergleich zu Männern, die Placebo erhielten oder mit alleiniger kalorienreduzierter Diät. Die Kombination aus Leinsamen plus Diät war offenbar am wirksamsten.
Das Studienteam von der Duke University in Durham im US-Staat North Carolina will nun prüfen, ob Leinsamen mit oder ohne Diät das Rezidivrisiko von Männern mit operiertem Prostata-Karzinom verringern kann. Leinsamen ist reich an Omega-3-Fettsäuren und hat antioxidative und proliferationshemmende Effekte.

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