zur Navigation zum Inhalt
 
Komplementärmedizin 14. März 2006

Sinnvolle Nährstofftherapie mit Ziel

Das Therapieprinzip der Orthomolekularen Medizin beruht auf der Erkenntnis, dass der menschliche Körper für ein gesundes und reibungsloses Funktionieren aller Organe bestimmte Mengen verschiedener Substanzen wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und essentielle Fettsäuren benötigt. Ein Mangel an diesen Substanzen kann die Entstehung von Krankheiten begünstigen.

Die Orthomolekulare Medizin beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Ausgleich von Defiziten, sondern wirkt durch die Zufuhr von Vitaminen oder Mineralstoffen in hohen Dosen selbst therapeutisch, betont der Obmann der Österreichischen Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin, Dr. Rainer Schroth aus Obervellach in Kärnten, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE.

Muss man auch in Österreich mit Defiziten von Vitaminen oder Spurenelementen rechnen?
Schroth: Ja! Einer der Gründe dafür ist, dass unsere Nahrungsmittel immer weniger Inhaltsstoffe besitzen. Unser Obst und Gemüse wird zwar immer größer und schöner und ein Apfel oder Paprika gleicht dem anderen, doch Untersuchungen zeigen, dass dies auf einen höheren Anteil an Wasser und pflanzlichem Eiweiß bei gleich-zeitig immer geringerem Gehalt an Nährstoffen zurückgeht. Andere Gründe sind zum Beispiel Resorptionsstörungen bei Intoleranz gegenüber verschiedenen Nahrungsbestandteilen. Gerade bei Patienten, die über Blähungen klagen, liegt oft eine Intoleranz vor und zwar vor allem von Fruktose oder Laktose. Die daraus resultierenden Symptome treten oft nicht als akute Krankheit auf, sondern schwächen über Jahre hinweg. Auch Nebenwirkungen von Medikamenten können eine Rolle spielen, beispielsweise bei Statinen. Diese an sich sehr wichtigen Medikamente hemmen häufig die Produktion von Coenzym Q10, das eine Schlüsselrolle für die Zellatmung und die ATP-Synthese einnimmt. Man sollte daher nach einigen Wochen Statintherapie den Spiegel von Coenzym Q10 bestimmen und, wenn notwendig, zuführen.

Wie stellen Sie die Notwendigkeit einer Ergänzungstherapie fest?
Schroth: Besteht aufgrund einer klinischen Untersuchung ein entsprechender Verdacht, so wird eine Blutanalyse veranlasst. Dafür ist ein gutes Labor notwendig. So sind für einige Substanzen, wie Zink oder Selen nur Bestimmungen im Vollblut aussagekräftig, da sich diese Stoffe überwiegend in den Zellen befinden. Viele billigere Untersuchungen, wie etwa die von Krankenkassen honorierten, messen aber den Serumspiegel. Dieser erfasst bei diesen Stoffen jedoch nur etwa drei bis vier Prozent des Gesamtkörpergehaltes, was natürlich nicht repräsentativ ist. Auch Folsäure sollte im Vollblut gemessen werden, da der Serumspiegel nur über die in den vergangenen vier Stunden aufgenommene Substanzmenge informiert.

Was tun, wenn sich aus der Blutanalyse ein zusätzlicher Bedarf an Vitaminen oder Spurenelementen ergibt?
Schroth: Zuerst wird versucht, das Problem durch Änderung des persönlichen Lebensstils zu lösen, wozu vor allem die Bereiche Ernährung, Bewegung oder Rauchverhalten zählen. Stellt sich kein ausreichender Erfolg ein, muss substituiert werden.

Kann man sich nicht Nahrungsergänzungsmittel vorbeugend als Mischpräparat aus der Drogerie oder Apotheke besorgen?
Schroth: Die ungezielte Verabreichung als Schrotschuss-Therapie ist völliger Unsinn. Um richtig zu substituieren, muss ich zuerst wissen, was in welcher Menge benötigt wird. Erst dann kann eine gezielte Zufuhr in hoher Qualität erfolgen.

Birgt eine unkontrollierte Substitution auch gesundheitliche Gefahren?
Schroth: Bei manchen Substanzen kann eine unnötige Zufuhr gefährlich sein, etwa bei Vitamin A, das vom Körper lange gespeichert wird. Andere Präparate enthalten Konzentrationen, mit denen der notwendige Bedarf gar nicht gedeckt wird oder in nicht adäquater Kombination. Über die Resorptionsverhältnisse ist oft gar nichts bekannt. Speziell Vitamine und Spuren-elemente sollte man aus Qualitätsgründen nur in Kapselform zuführen. Da man in dieser Form allerdings nur begrenzte Mengen unterbringen kann, ist eine mehrmals tägliche Einnahme notwendig. Für viele Stoffe, wie etwa Vitamin C oder Kalzium, ist generell – auch als Brausetablette – wegen der begrenzten menschlichen Resorptionsfähigkeit die Verteilung des Tagesbedarfs auf mehrere Einzel-dosen notwendig.

Orthomolekulare Medizin: Konzept und Ausbildung für Ärzte

Die Orthomolekulare Medizin versucht Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu bessern oder zu heilen, indem sie die molekularen Konzentrationen jener Stoffe, die normalerweise im Körper vorhanden sind, variiert.

Vitamine, Mineralstoffe, Spuren-elemente, Aminosäuren und Fettsäuren sind für Stoffwechselvorgänge in unserem Körper unentbehrliche Substanzen. Beim Einsatz von orthomolekularen Ergänzungsstoffen geht es einerseits um die Vorbeugung und Kompensation von relativen und absoluten Mangelzuständen und andererseits um die Anwendung hoher Dosen im pharmakologischen Sinn zur Behandlung von Krankheiten bzw. die positive Beeinflussung von gesundheitlichen Störungen. Ob und welche Stoffe ergänzt werden müssen, wird mittels Blutanalyse im Anschluss an eine klinische Untersuchung festgestellt, betont der Obmann der Österreichischen Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin, Dr. Rainer Schroth aus Obervellach in Kärnten. Dazu müsse man allerdings wissen, was man wie untersucht. Wird ein Zusatzbedarf festgestellt und auf natürlichem Weg (Lebensstiländerungen) nicht ausgeglichen, so erfolgt die gezielte Substitution. Aber auch dafür sind spezielle Kenntnisse notwendig, um zu gewährleisten, dass die richtige Menge in adäquater Zubereitung zugeführt und ausreichend resorbiert wird.

Therapie und Prävention

Schroth: „Es geht uns nicht allein um die Behebung von Mangelzuständen, sondern auch darum, Nahrungsergänzungsstoffe therapeutisch als Arzneimittel einzusetzen und chronischen Problemen vorzubeugen.“ Für eine effektive Substitution sind allerdings Wissen von Wirkmechanismen, Effekten und Wechselwirkungen unentbehrlich. Die der Ärzteschaft angebotene Ausbildung für Orthomolekulare Medizin umfasst sechs Seminare zu je eineinhalb Tagen. Der nächste Ausbildungszyklus beginnt am 24. und 25. März 2006 in Salzburg. Die Anerkennung als Diplom der Österreichischen Ärztekammer wurde bereits beantragt.

Nähere Informationen unter
www.oegom.at oder persönlich bei
Dr. Rainer Schroth ( ).

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 11/2006

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben