zur Navigation zum Inhalt
 
Komplementärmedizin 8. Februar 2006

Altes Wissen neu: Schröpfen belebt die Sinne

„Eines der bedeutendsten regulativen Heilverfahren.“ Mit diesen Worten bezeichnen Experten die über 3.000 Jahre alte Schröpftherapie. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Schröpfen zu den Standardtherapien.

Prof. Dr. Edzard Ernst, Departement für Komplementärmedizin der Universität Exeter, stellt fest: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirkung des Schröpfens. Aber es gibt auf jeden Fall seit rund 3.000 Jahren dokumentierte Fälle von zufriedenen Patienten.“

In allen Kulturen nachzuweisen

Die älteste schriftliche Erwähnung des Schröpfens stammt aus dem 4. Jahrhundert vor Christus aus China und ist im „Reich der Mitte“ immer noch ein gebräuch-liches Heilverfahren. Schröpfen ist aber aus allen antiken Hochkul-turen dokumentiert. Geschröpft wurde in China, in Indien, dem Zwei­stromland und im Alten Ägypten. Dieses ausleitende Verfahren, wie man heute sagen würde, hat eine erstaunlich lange Tradition. Im Mittelalter war der Schröpfkopf Zunftzeichen der Bader. Und im alten Griechenland war das Schröpfen so geschätzt, dass der Schröpfkopf zum Emblem des Arztes wurde. Bis zur ersten Hälfte des 19. und auch noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde Schröpfen als durchaus gebräuchliche Standardtherapie angewendet. Fachleute bezeichnen die Schröpftherapie als eine der bedeutendsten „biologischen, entgiftenden und regulativen Heilverfahren“ mit Erfahrungen aus mehr als 3.000 Jahren und fügen hinzu: „Schröpfen ist der leichteste Zugang zum gestörten Gleichgewicht des Organismus.“

„Hintergrund“ ist bekannt

Die Ärztin für Allgemeinmedizin und Leiterin des Naturheilzen­trums Alserstraße in Wien, Dr. Petra Maria Orina Zizenbacher, setzt die Methode in ihrer Praxis ein: „Durch die Erkenntnisse der modernen kybernetischen Regulationsmedizin kennt man heute die neurologischen, humoralen und pathophysiologischen Mechanismen, die bei dieser Therapieform ablaufen, recht gut.“ Die bei der Schröpftherapie verwendeten Glasglocken fördern die Durchblutung und lösen Verspannungen. Zizenbacher: „Ziel des Schröpfens ist es, die Selbstheilungskräfte des Organismus zu stärken oder in Gang zu bringen, wenn diese von sich aus nicht dazu imstande sind. Diese Therapie wird bei vielen Beschwerden zur Linderung von Schmerzen eingesetzt, zum Beispiel bei Rückenproblemen, aber auch Regel- und Kopfschmerzen.“ Schröpfen wird auch als Entgiftungshilfe, z.B. der Leber, beim Schulter-Arm-Syn-drom und Nackenschmerzen eingesetzt sowie zur Vorbeugung, damit Verspannungen erst gar nicht entstehen können.

Stärkere Durchblutung

Und so wird dabei vorgegangen: Mehrere glockenförmige Kuppeln, in denen ein Vakuum erzeugt wird, werden auf den Rücken des Patienten aufgesetzt und für zirka 20 Minuten dort belassen. Die Hautstellen, an denen die Saugglocken haften, werden stärker durchblutet. Mit dem Schröpfen lassen sich über die Haut (Head`sch Zonen) innere Organe beeinflussen. Die zwei Anwendungsformen des Schröpfens sind das trockene und das blutige Schröpfen. Beim so genannten trockenen Schröpfen wird durch den Unterdruck an der behandelten Stelle das darunter liegende Binde- und Muskelgewebe entlastet und daher besser durchblutet. Dies wirkt aktivierend, stärkend, anregend und Energie anreichernd. Das Trockenschröpfen wird bei geschwächten Organen eingesetzt, um sie zu aktivieren und zu kräftigen. Müde, schwache Personen und Rekonvaleszente nach längeren Krankheiten empfinden diese Therapie als kräftigend. Beim so genannten blutigen Schröpfen werden durch mehrere Stiche, die mit einer sterilen Nadel gesetzt werden (oder auch Ritzungen mit dem Messer), und anschließendem Anbringen des Saugkopfes vorhandene Stagnationen behoben und dadurch das darunter liegende Gewebe entlastet. Dieses Verfahren löst Stauungen der Körperenergie auf, wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd, aktiviert den Lymphfluss und reguliert Organfunktionen. Dadurch wird laut Zizenbacher z.B. der Heilungsprozess bei Geschwüren und Schleimhautschäden beschleunigt.

Für jedes Alter geeignet

„Richtig angewendet“, so Zizenbacher, „ist diese althergebrachte Methode unschädlich und löst auch keinerlei ungünstige Nebenwirkungen aus. Sie ist für Menschen jeden Alters geeignet. Die Erfolge sind beeindruckend und kommen rasch zustande, denn der Körper reagiert auf das Schröpfen am richtigen Ort innerhalb kurzer Zeit.“ Als Folge der Behandlung können kleine Blutergüsse auftreten, die aber von selbst vergehen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben