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Komplementärmedizin 1. Februar 2006

Aromatherapie in der Psychiatrie

Aromatherapie ist die Kunst vom Leben in Balance und Harmonie mit sich selbst und seiner Umgebung. Patienten, die Psychopharmaka einnehmen müssen, kann die zusätzliche Anwendung von ätherischen Ölen psychische Entlastung bringen.

Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen mit ätherischen Ölen wurden 1966 von Moncrieff mit Hilfe von Elektroenzephalogrammen durchgeführt. 1977 konnte er beobachten, dass Basilikum, Schwarzer Pfeffer, Kardamom und Rosmarin vorwiegend Beta-Wellen induzieren, während Jasmin, Ne-roli und Rose hauptsächlich ein Delta-Wellen-Muster erzeugen. Beta-Wellen mit ihrer Frequenz von 30 bis 40 pro Sekunde stehen für Aufmerksamkeit und Wachheit, die langsamen Delta-Wellen hin-gegen für Euphorie und Ruhe. Die Einführung starker Psychopharmaka für Patienten mit schweren psychotischen Symptomen ist für die Patienten selbst wie auch für deren Betreuer ein wahrer Segen, auch wenn es eine Kunst ist, nützliche Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen in ein lebenswertes Verhältnis zu bringen. Für diese Patienten kann die zusätzliche Anwendung von ätherischen Ölen eine psy-chische Entlastung bedeuten. Die Tagesdosis von nebenwirkungsträchtigen Psychopharmaka kann bei vielen Patienten „kontrolliert“ herabgesetzt werden.

Bipolare Störungen

Patienten mit bipolaren Störungen dürfen auf keinen Fall ihre vom Spezialisten empfohlenen Medikamente absetzen und ihre fachärztlichen Kontrollen vernachlässigen. Bislang gibt es über den Einsatz der Aromatherapie bei bipolaren Störungen wenig Literatur. Aufgrund der besonderen Eigenschaften von ätherischen Ölen (siehe Kasten unten) kann sich jedoch eine komplementäre Ver-abreichung ausgewählter Öle als hilfreich erweisen, um das Krankheitsbild in seiner Stabilität zu fördern und eventuell auch eine vorsichtige und kontrollierte Reduktion der Basistherapie zu ermöglichen. Damit könnten auch die Nebenwirkungen von Psychopharmaka vermindert werden.

Hilfe bei Lernschwierigkeiten

Lernschwierigkeiten zählen zu den am schwierigsten zugänglichen Therapiebereichen. Ätherische Öle in Verbindung mit Massage können dabei jedoch beachtliche Erfolge erzielen, z.B. durch Aufbau einer Vertrauensbasis, Abbau von Spannungen und Aggressionen, Stärkung des Selbstwertgefühles und Verbesserung des Allgemeinbefindens. Menschen mit Lernschwierigkeiten kommunizieren bei gleichzeitig unauffälliger werdenden problematischen Verhaltensweisen intensiver mit ihrer Umgebung. Aromatherapeutisch von Interesse sind Lemongrass (Cymbopogon citratus) zum „Lösen aus einer mentalen Lethargie“ und Rosmarin (Rosmarinus officinalis Verbenon) zur „Unterstützung bei gestörter Leibes-Selbstwahrnehmung und Koordination“. Die richtige Auswahl geeigneter ätherischer Öle ist von größter Bedeutung. Essenzen mit einem hohen Gehalt an Aldehyden, Ketonen, Oxiden, Phenolen oder Phenylethern sollten vermieden werden. Weitere bei Lernschwierigkeiten geeignete ätherische Öle sind Weihrauch, Zeder, Neroli, Lavendel, Sandelholz, Mandarine, Geranium und Römische Kamille.

Angst lösende Substanzen

Bei Angstzuständen bietet die Aromatherapie eine echte Alter-native zu den vielen Psychopharmaka und Entspannungsmitteln. Beruhigende und Angst lösende ätherische Öle sind z.B. Benzoe, Bergamotte, Geranie, Jasmin, Kamille, Lavendel, Majoran, Melisse, Muskatellersalbei, Neroli, Patchouli, Rose, Sandelholz, Verbene, Wacholder, Weihrauch, Ylang Ylang, Ysop, Zeder und Zypresse. Bei der Wahl sollte sich der Therapeut von der Persönlichkeit des Patienten leiten lassen – seiner Lebensart, seiner Vergangenheit, der Ursache seiner Angst und natürlich von seiner Vorliebe für bestimmte Düfte. Oft ist die vom Patienten getroffene Wahl sehr aufschlussreich, denn meist sucht er sich instinktiv jene Öle aus, die seiner aktuellen Befindlichkeit am ehesten entsprechen. Die aromatherapeutische Behandlung lässt sich mit Entspannungsübungen wie Autogenem Training, Yoga, Meditation oder einfachen Lockerungsübungen verbinden. Die Auswahl der ätherischen Öle sollte gezielt nach den ganzheitsmedizinisch erhobenen Symptomen erfolgen, wobei in der Regel eine Mischung aus drei bis vier ätherischen Ölen verwendet wird (siehe Tabelle).

 Tabelle Stress-Symptome - Ätherische Öle

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