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Komplementärmedizin 25. Jänner 2006

Aromatherapie in der Onkologie

Rund ein Drittel aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem bösartigen Tumor. Sowohl das Karzinom selbst als auch die Behandlungsmethoden in Form von Operation, Strahlen- und Chemotherapie verursachen schwere Leiden, wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Depressionen, Strahlenschäden und Lymphödem. Die Aromatherapie kann diese Leiden deutlich bessern.

Seit vielen Jahrhunderten versucht die Menschheit bösartige Erkrankungen mit Hilfe von Pflanzen zu heilen. Dabei tauchen weltweit zu unterschiedlichen Zeiten und in den unterschiedlichsten Kulturen immer wieder dieselben Pflanzennamen auf. So verwendete Dr. Fell Mitte des 19. Jahrhunderts die Kanadische Blutwurzel (Sanguinaria canadensis), die viele Indianerstämme schon seit Jahrhunderten für die Behandlung von Karzinomen eingesetzt hatten. Aber auch in Russland besitzt Sanguinaria eine lange Tradition. Einige Bestandteile von ätherischen Ölen zeigen eine antitumorale Aktivität. Sclareol, ein Diterpenol des Muskatellersalbei (Salvia sclarea), zeigt eine gute Aktivität gegen Leukämie-Zellen. Seine inhibitorische Konzentration liegt unter 20 µg/ml (Dimas et al. 1999). Delora und Mitarbeiter konnten 1994 an Mäusen einen antikarzinogenen Effekt von Myrrhe beobachten. Bergamottin, ein Furanocoumarin in Bergamotte (5%) und Zitrone (0,2%), hemmt in vitro Stoffe, die das Tumorwachstum fördern (Miyake et al. 1999). Limonen wird im Körper zu Perillyl­-Alkohol metabolisiert. Dieses Monoterpenol kann in Lavendel, Pfefferminze und Krause Minze gefunden werden. Perillyl-Alkohol zeigt in Tierversuchen eine Wachstumshemmung bei Tumoren der Brust, des Kolons, der Haut, der Lunge, des Pankreas und der Leber (Haag & Gould 1992; Belanger 1998). Die Tumorzellen werden dabei auch zu einer höheren Differenzierung angeregt.

Therapie von onkologischen Nebenwirkungen

Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie sind Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Depression, Erschöpfung, stechende Schmerzen, „ein Gefühl, als ob die Knochen brechen“, Lymphödem, Strahlenschäden, Haarausfall und Schlaf-losigkeit. Der Einsatz von ätherischen Ölen kann bei richtiger Auswahl, Dosierung, Mischung und Anwendungsform bei allen therapiebedingten Nebenwirkungen eine nachhaltige Erleichterung bringen. Zytostatika weisen vor allem zwei unerwünschte Nebenwirkungen auf: Nausea und Immunsuppression. Mehr als ein Drittel der Krebspatienten machen die leidvolle Erfahrung, dass sie während und einige Tage nach der Chemotherapie an Übelkeit und Erbrechen leiden.

Antiemetische Essenzen

24 bis 75 Prozent der Chemotherapie-Patienten klagen aufgrund ihrer Vorahnungen und Erinnerungen schon Tage vor Beginn eines neuen Therapiezyklus über diese Beschwerden. Zusätzlich kommt es zu Appetitlosigkeit und Veränderung der Geschmacksempfindung. In den vergangenen Jahren konnten von der Pharmaindustrie zwar wirksame Antiemetika entwickelt werden, doch auch ätherische Öle (siehe Kasten) besitzen starke antiemetische Eigenschaften, die sowohl allein als auch komplementär genützt werden können. Patienten, die sich einer Strahlentherapie unterziehen müssen, profitieren sowohl vor als auch nach der Behandlung vom Einsatz ätherischer Öle. Bevor die zu bestrahlende Fläche auf der Haut markiert wird, kann diese mit unverdünntem Niaouli (Melaleuca viridiflora) vorbehandelt werden. Diese Abhärtung der Haut verringert die Häufigkeit und den Schweregrad von Strahlenschäden signifikant (Roulier 1990). Für die unmittelbare Nachbehandlung wird das Besprühen der Haut (siehe Kasten) mit Immortelle (Helichrysum italicum) und „Blue Tansy“ (Tanacetum annum) empfohlen. Das dunkelblaue „Blue Tansy“ wirkt stark entzündungshemmend. Nach Beendigung der Strahlentherapie kann die belastete Haut mit entzündungshemmenden Kompressen behandelt werden. Dafür werden ausgewählte ätherische Öle wie Deutsche Kamille, Weihrauch oder Rose mit Aloe-vera-Gel oder Tamanu (Calophyllum inophyllum; Tamanu-Baum der „1000 Tugenden“) gemischt. Auch die lokale Anwendung des Asiatischen Wassernabels (Centella asiatica) oder des Gemeinen Beinwell (Symphytum officinale) verschafft Linderung und fördert die Heilung von Strahlenschäden.

Haarwuchs fördern

Hay und Mitarbeiter konnten 1998 in einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studie an 86 Patienten unter Chemotherapie zeigen, dass die topische Anwendung von ätherischen Ölen bei Alopezie Erfolg versprechend eingesetzt werden kann. Die Therapiegruppe massierte ihre Kopfhaut einmal täglich mit einer Mischung auf der Basis von Jojoba und Traubenkernöl und mit den ätherischen Ölen Thymian, Rosmarin, Lavendel und Zeder. Die Kontrollgruppe verwendete nur die beiden Basisöle. Die Ergebnisse wurden mittels Fotodokumentation und Computerprogramm ausgewertet. In der Therapiegruppe zeigte sich bei 44 Prozent der Patienten eine signifikante Verbesserung des Haarwuchses, in der Kontrollgruppe hingegen nur bei 15 Prozent (p = 0,008).

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