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Komplementärmedizin 17. Jänner 2006

Aromatherapie für Gastroenterologen

Zahlreiche ätherische Öle zeigen als Karminativa oder Stimulanzien eine ausgeprägte Wirkung auf Magen, Darm, Leber und Gallenblase. Sie regen zum Beispiel die sekretorische Aktivität von Magen und Gallenblase an oder verfügen über antiseptische und spasmolytische Eigenschaften. Geeignete Anwendungsformen sind Einreibungen, sanfte Massagen, Dunstwickel und Kompressen.

Die Aromatherapie ist ein Teilgebiet der Phytotherapie. Ihr Wirkungs- und Anwendungsspektrum orientiert sich sowohl an Krankheitssymptom und -bild als auch an der Persönlichkeit eines Menschen in ihrem komplexen Zusammenspiel physiologischer, emotionaler, psychischer, mentaler, biographischer und sozialer Faktoren.

Vier Ebenen der Wirkung

Die vier Ebenen der Wirkungen ätherischer Öle erstrecken sich auf die Funktion von Organsystemen, den Kräftehaushalt des Organismus, psychosomatische Muster und auf die Entwicklungsfähigkeit des Menschen. Die symptomorientierte Anwendung macht man sich vor allem in der akuten Notfallhilfe zunutze, die energetische kommt im regenerativen Bereich zum Einsatz. Chronische Probleme können oft durch eine psychisch orientierte Anwendung gelöst werden. Biographisch orientierte Anwendungen unterstützen die Entwicklungsfähigkeit eines Menschen. Aromatische Pflanzen finden seit Jahrtausenden in allen Teilen der Welt in zahllosen Kulturen Verwendung. Ätherische Öle, die ein Verbund aus oft über 100 natürlichen aromatischen Molekülen sind, besitzen eine Vielzahl physiologischer und pharmakologischer Eigenschaften. Dadurch können sie in fast allen Bereichen der kurativen und prophylaktischen Medizin Anwendung finden. Dem Fortschritt der analytischen Chemie ist zu verdanken, dass wir das außerordentliche Laboratorium im Inneren der aromatischen Pflanzenzellen immer besser zu durchleuchten vermögen. Die erstaunliche Komplexität dieser biochemischen Fabrik ermöglicht harmonische und kraftvolle Ergebnisse. Es ist wichtig, als Ganzes belassene ätherische Öle von einer einzigen mit ihrer botanischen Bezeichnung versehenen Pflanze, also „genuin und authentisch“, zu verwenden. Behandlungserfolge sind nur mit qualitativ hochwertigen Produkten sicher und zuverlässig zu erzielen. Ein Therapeut, der über die ent-sprechenden Fachkenntnisse verfügt, eine gute Ausbildung erworben hat und weder standardisierte noch auf irgendeine Art und Weise verfälschte aromatische Extrakte verwendet, kann mittels Aromatherapie und Aromapflege vielen Patienten eine wertvolle komplementärmedizinische Methode anbieten.

Bekannte Eigenschaften

Ätherische Öle mit besonderer Affinität zum Verdauungstrakt sind Anis (Pimpinella anisum), Fenchel (Foeniculum vulgare var. dulce), Koriander (Coriandrum sativum), Kümmel (Carum carvi), Pfefferminze (Mentha x piperita), Basilikum (Ocimum basilicum) und die verschiedenen Arten der Kamille. Zitrusöle zeichnen sich durch appetitanregende und verdauungsfördernde Eigenschaften aus. Die Bitterorange (Citrus aurantium var. amara [per.]) regt die Darmperistaltik und den Gallefluss an. Zusätzlich hilft dieses ätherische Öl bei Dyspepsie, Blähungen und Magenkrämpfen. Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) stimuliert die Leber- und Gallentätigkeit und wird als Karminativum und Cholagogum eingesetzt. Die mit Erbrechen verbundene Übelkeit lässt sich oft durch eine sanfte Massage des Magens oder eine warme Kompresse auf dem Oberbauch eindämmen. Die dazu geeigneten Öle sind deutsche Kamille, Lavendel, Zitrone und Pfefferminze. Wenn das Erbrechen mit Kälteschauern verbunden ist, sollte man ein Wärme erzeugendes Öl wie Schwarzen Pfeffer oder Majoran verwenden. Hängt das Unwohlsein mit emotionaler Aufregung zusammen, können insbesondere Kamille oder Lavendel empfohlen werden.

Öle für die Leber

Bei Hepatitis und Leberinsuffizienz unterschiedlicher Ursachen zeigen die „hepatischen Öle“ ihre Vorzüge, die vorwiegend als warme Kompresse oder Dunstwickel zur Anwendung kommen. „Hepatische Öle“ wirken kräftigend und wohltuend auf die Leber und stärken ihre Funktionen. Zu diesen ätherischen Ölen zählen Rosmarin, Kamille, Pfefferminze, Zypresse, Immortelle, Fenchel, Zitrone, Thymian, Karottensamen und Wacholder.

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