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Komplementärmedizin 3. November 2005

Alles hängt mit allem zusammen

Zum dritten Mal veranstaltete die Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin ein Symposium zur „Energiemedizin”. Neue Diagnose- und Therapiesysteme wurden vorgestellt.

„Was hilft, hat Recht.” Diese ein-fache Formel, oft nur so flapsig dahingesagt, postulierte nun mit allem Ernst Prof. Dr. Augustinus Asenbaum in Wien auf dem Symposium „Energiemedizin 3”.

Medizin als Kunst verstehen

Der an der Universität Salzburg lehrende Physiker führte aus, wie er zu dieser Ansicht gekommen war: Als Fachmann hätten ihn die physikalisch-medizinischen Erklärungen, wie Magnetfeldtherapie wirken sollte, nie überzeugen können, dann habe er aber sein eigenes Knie mit pulsierenden Magnetfeldern behandeln lassen, und das habe sich als überaus segensreich erwiesen: „Vorher konnte ich kaum noch gehen, jetzt, nach der Behandlung, kann ich wieder Tennis spielen.” Eine Erfahrung, die den Wissenschaftler demütiger und in seinen Urteilen – und vor allem Verurteilungen – vorsichtiger werden ließ. Und er appellierte an die versammelten Ärzte: „Verstehen Sie die Medizin nicht als strenge Naturwissenschaft, sondern als Kunst!”. Um die Magnetfeldtherapie ging es heuer beim Symposium der Wiener Akademie für Ganzheitsmedizin, unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Wolfgang Marktl, aber nur noch am Rande, sie war längst nicht mehr das beherrschende Thema wie noch vor drei Jahren. Die Gemüter haben sich beruhigt, und die Einschätzung hat sich fundamental gewandelt: Wurde diese Therapieform noch vor einiger Zeit belächelt und als „unseriös” abgetan, traut sich heute kaum noch jemand, ihr einen Nutzen abzusprechen. Zu überzeugend sind die Studienergebnisse, wie auch Dr. Roland Brandmaier, Arzt und Diplominformatiker aus Prien am Chiemsee, in seinem Vortrag betonte.

Zusammenhänge erkennen

Bei dem Symposium im Jugendstiltheater des Wiener Otto-Wagner-Spitals wurden sowohl etablierte Methoden wie Applied Kinesiology vorgestellt wie auch ganz neue, z.B. „Inner Wise”, das von Uwe Albrecht aus Berlin entwickelt wurde. Gemeinsam ist allen vorgestellten Ansätzen, dass sie den Menschen als Ganzes sehen – „auf seiner physischen, psychischen, bioenergetischen und informativen Ebene”, wie Dr. Hendrik Treugut vom Klinikum Schwäbisch Gmünd ausführte. Eine Sichtweise weg vom detaillistischen Tunnelblick, der nur noch die Rädchen und Einzelteile sieht und darüber die Zusammenhänge und Vernetzungen ganz aus den Augen verliert.

Homöopathie für Zahnärzte

Traditionell sind Zahnheilkunde und Humanmedizin streng getrennte Welten. Hier auf dem Symposium wurden sie als Einheit reklamiert. Die Wiener Zahnärztin Dr. Eva-Maria Höller referierte über „Parodont und Organismus”. Parodontitis wird allzu oft nur als ein Hygieneproblem gesehen, doch, wie Höller ausführte, können „auch Mutationen im Interleukinstoffwechsel zu verstärkter, verlängerter und sich verselbständigender Entzündung mit fortschreitender Zerstörung führen”. Und da ihr Blick sich nicht nur auf das Gebiss richtet, sondern auf den ganzen Menschen, arbeitet sie auch gerne, wie viele Allgemeinmediziner, mit homöopathischen Mitteln. Alles ist eben mit allem verknüpft, in einem unteilbaren ganzheitlichen System von Wechselwirkungen, dessen Funktion nicht aus seinen Einzelteilen erklärt werden kann. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – doch diese Sichtweise wird noch von viel zu wenigen Ärzten beherzigt.

Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 37/2005

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