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© Tourismusverband Krimml, Foto: Volkmar Zobl
Die Krimmler Wasserfälle – ihre ionisierte Umgebungsluft wurde im Zuge einer Studie als gesundheitsförderlich wirksam bestätigt.
 
Komplementärmedizin 20. Juni 2016

Integrativmedizin

Welche Beiträge können Komplementärmedizin und interdisziplinäre Gesundheitsförderung zu den Zielen mehr Gesundheit und nachhaltige Gesundheitssysteme in Zukunft leisten?

Polypharmazie, steigende Antibiotikaresistenzen und die wachsende Zahl an Non-Respondern sind zu weltweit großen Herausforderungen geworden, zugleich verbreiten sich ungesunde Lebensstile und damit verbundene Folgeerkrankungen.

Integrativmedizinische Ansätze zur Prävention und Therapie spielen in westlich geprägten Industrieländern wie in Nordamerika und Europa eine zunehmend wichtige Rolle und finden auch in der Kinder- und Jugendheilkunde Anwendung: Neben multimodalen Präventions- und Therapiemaßnahmen werden v.a. komplementärmedizinische Ansätze als Ergänzung zur konventionellen Medizin („Schulmedizin“, die universitär im Rahmen des medizinischen Regelstudiums als westliche Medizin gelehrt wird) eingesetzt und weiterentwickelt. Integrativmedizin vereint konventionelle und komplementäre Ansätze in koordinierter Weise (vgl. Webseite des NCCIH: https://nccih.nih.gov/health/integrative-health - integrative).

Komplementärmedizinische Ansätze werden v. a. im Zusammenhang mit der Suche nach nebenwirkungsarmen, effizienten und kostengünstigen Therapien, sowie nachhaltigen Präventionsstrategien zur Erzielung von mehr Gesundheit untersucht. Komplementärmedizin bedeutet, dass diese Verfahren ergänzend zur konventionellen Medizin eingesetzt werden (s.: https://nccih.nih.gov/health/integrative-health).

Europäische Forschung zu Komplementärmedizin

Forschung zu Komplementärmedizin und interdisziplinärer Gesundheitsförderung, die auf tradiertem Heilwissen, wie Europäischer Naturheilkunde oder traditionellen asiatischen Medizinsystemen aufbaut bzw. dieses auch weiterentwickelt hat, wird international unter dem Begriff CAM (Complementary and Alternative Medicine) durchgeführt.

EU-Projekt CAMbrella

Im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Forschungsförderung wurde erstmals ein Projekt zur Erfassung von Angebot und Nachfrage von CAM (auf Literaturbasis) und zur Erstellung einer Forschungs- roadmap ausgeschrieben. Das EU-Projekt „CAMbrella“ (2010 – 2012) gibt erstmals einen Einblick in die Bedeutung von CAM in Europa (s. www.cambrella.eu [1]):

• Mehr als 305.000 registrierte CAM-PraktikerInnen sind in Europa tätig, davon rd. 150.000 ÄrztInnen mit CAM-Zertifikaten. Die Verbreitung von CAM in den einzelnen europäischen Ländern ist sehr unterschiedlich und reicht von unter 10% bis weit über 50% der BürgerInnen, die CAM nutzen (CAMbrella, 2012 [2]).

• In Europa werden CAM-Methoden v. a. bei Beschwerden und Krankheiten des täglichen Lebens, wie bei Schmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Beschwerden des Bewegungsapparates und auch bei psychosomatischen Beschwerden angewendet. [1]

• Zu den in Europa am häufigsten verwendeten Methoden zählen die Akupunktur mit ca. 96.000 zertifizierten Praktikern in der EU 27+12 (bzw. 53% aller CAM-PraktikerInnen mit Zertifikat), die Homöopathie (27%), die Heilpflanzen-Medizin, Reflexzonenmassagen, Manualtherapien (wie z. B. Osteopathie, Chiropraktik) und Europäische Naturheilverfahren. [2]

• Genauere Daten zur Verbreitung der Nutzung von Heilpflanzen in Europa konnten aufgrund der sehr unterschiedlichen länderspezifischen Datenbasis im CAMbrella-Projekt nicht ermittelt werden, ihre Bedeutung im medizinischen Kontext dürfte aber eher unterschätzt worden sein, da bei der Erhebung der Praktiker v. a. Personen mit eigenen CAM-Zertifikaten erfasst wurden. In Österreich beispielsweise gibt es zwar ÖÄK-Diplome für Phytotherapie, es sind aber keine eigenen Zusatzausbildungen bzw. Zertifizierungen für die ärztliche Verordnung von Heilpflanzen (z. B. in Form von Tees oder Heilsalben) erforderlich. [vgl. 2]

Deutschland, Österreich und Schweiz

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind komplementäre Methoden im europäischen Vergleich besonders beliebt: Rund 60 Prozent aller Hausärzte in Deutschland wenden komplementärmedizinische Verfahren an: Am häufigsten werden Methoden der Europäischen Naturheilkunde und Akupunktur eingesetzt.

Dies geht aus einer bundesweiten Befragung zur Versorgungssituation mit Komplementärmedizin in hausärztlichen Praxen im Rahmen eines vom deutschen Forschungs- ministerium BMBF finanziell unterstützten Forschungsprojektes der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2009 hervor (Joos et al, 2009 [3]).

Österreich gehört zu den europäischen Ländern mit einem sehr hohen Stellenwert der Komplementärmedizin: 17 Prozent aller Ärzte in Österreich praktizieren lt. Ärztekammer komplementärmedizinische Methoden.

Nahezu zwei Drittel der Bevölkerung zeigen entsprechend der repräsentativen Umfrage von Karmasin Motivforschung 2011 eine positive Haltung zur Komplementärmedizin (Karmasin.Motivforschung,2011 [4]):

• 53% der Befragten gaben an, bereits Erfahrung mit komplementärmedizinischen Behandlungen gemacht zu haben, 91% waren mit der Behandlung zufrieden oder sehr zufrieden [4].

• 70% aller Befragten nutzen auch traditionelle „Hausmittel“ (z. B. bestimmte Nahrungsmittel, Tees, Wickel, Bäder etc.), 54% zumindest gelegentlich pflanzliche Arzneimittel/Heilmittel und 44% Homöopathie.

• 61% der Österreicher können sich vorstellen, komplementärmedizinische Heilmittel zu nehmen, auch wenn die Wirkung langsamer einsetzt. [4]

Zunahme an Forschung zu CAM

In den letzten Jahren haben die Forschungen zu CAM stark zugenommen, v. a. zu asiatischen CAM-Methoden (wie z. B. zur Akupunktur), und damit auch die Publikationen, die die Wirksamkeit und Kosteneffizienz von CAM-Methoden belegen (Jacobs u. Fisher 2013; Herman et al 2012; Kooreman u. Baars 2012; Kraft u. Stange 2009 [5,6,7,8). .
Im Vergleich zu nordamerikanischen und asiatischen Forschungsförderungen ist die europäische Forschungsförderung jedoch stark unterdimensioniert (Hök et al 2012 [9]). Im Rahmen der Europäischen Forschungsförderprogramme gab es bereits im 5. und 7. Rahmenprogramm erste Projekte im Bereich CAM, z. B.:

• CAM und Krebserkrankungen („Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field“: CAM-Cancer: www.cam-cancer.org),

• das Koordinationsprojekt „Good Practice TCM“, das sich mit den Voraussetzungen für Patientensicherheit bei den in Europa verwendeten Medizin-Produkten der Traditionellen Chinesischen Medizin („TCM“) befasste (www.gp-tcm.org/the-project/) (s. auch: Reiter et al 2012 [10]).

Tradiertes Europäisches Heil- wissen und moderne Forschung

Jüngste Forschungen in Europa befassen sich mit der wissenschaft- lichen Basis zu tradiertem Heilwissen und regional vorhandenen natürlichen Heilmitteln, wie der Nutzung von Heilpflanzen oder von Wasserfällen und Wasseranwen- dungen.

Europäischer und alpiner Heilpflanzenschatz

Seit Jahrtausenden werden in Europa Heilpflanzen zur Prävention, Therapie und Begleitung bei Erkrankungen von Kindern und Erwachsenen eingesetzt. Das tradierte Heilpflanzenwissen wurde in zahlreichen Feldstudien österreichischer Universitäten erfasst. So dokumentierte z. B. die Ernährungswissenschafterin Dr. Karin Buchart das tradierte Heilkräuterwissen ländlicher ExpertInnen im alpinen Raum des Landes Salzburg (Saalachtal) und verglich dieses mündlich weitergegebene Heilkräuterwissen mit den Monographien der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy: http://escop.com; Buchart 2010 [11]). Das auf den übereinstimmenden Ergebnissen aufbauende Bildungskonzept vermittelt bewährte Anwendungen für Alltagsbeschwerden und zur familiären Gesundheitsförderung für Kinder und Erwachsene.

Photodynamische Inaktivierung von Mikroorganismen

Die antimikrobielle Resistenz stellt auch nach der Einschätzung der WHO ein wesentliches Bedrohungselement der menschlichen Gesundheit dar (WHO, Fact sheet N°194, 2015 [12]). Aufbauend auf tradiertem Naturstoff- und Heilpflanzenwissen baute Doz. Dr. Kristjan Plätzer an der Universität Salzburg das neue Forschungsfeld „Photodynamische Inaktivierung“ („PDI“) von Mikroorganismen auf Basis von Naturstoffen auf. Die durchgeführten Experimente zeigten, dass z. B. durch den Einsatz des lichtaktiven Hyperizins, welches hochrein aus Johanniskraut gewonnen wird, Staphylococcus aureus-Bakterien nach kurzer Photoaktivierung mit Rotlicht zu 99,9999% abgetötet werden (Engelhardt, Krammer, Plaetzer 2010 [13]). Vergleichbare Resultate konnten die ForscherInnen unter Verwendung von Kurkumin (aus der Gelbwurz) in Verbindung mit Blaulicht erzielen. Kurkumin ist nach Einschätzung von Doz. Plätzer wegen seiner ausgezeichneten Biokompatibilität auch für eine künftige Anwendung in der Kinder- und Jugendheilkunde interessant. Durch den unspezifischen Wirkmechanismus der PDI - der lichtinduzierten Bildung von reaktiven Sauerstoffformen - konnte in der Literatur der Beweis geführt werden, dass sich multiresistente Keime mit der selben Effizienz wie der jeweilige Wildtyp eliminieren lassen. Somit zeichnet sich die Entwicklung einer vielversprechenden innovativen Strategie zur Bekämpfung von Mikroorganismen mit lichtsensitiven Substanzen aus Naturstoffen ab – mit zahlreichen möglichen Ansatzpunkten, wie z. B. bei Problemen der Wundheilung oder im HNO-Bereich.

Wasserfall-Klimatherapien bei allergischem Asthma

Europa hat eine sehr lange Tradition von Wasseranwendungen in den verschiedensten Varianten (z. B.: Thermalbäder, Trinkkuren mit Mineralwässern, Kneipp-Kuren).

Asthma ist lt. WHO eine der häufigsten Erkrankungen weltweit: rund 235 Mio Menschen sind davon betroffen (WHO, Fact sheet N°307, 2013 [14]). In Österreich sind etwa 11% der Jugendlichen betroffen (Hartl 2010 [15]). Eine seit langem im alpinen Raum gelebte Tradition ist die Nutzung der Umgebungsluft von Wasserfällen bei Lungenerkrankungen. Diese wurde nun genauer untersucht:

Dabei ergaben die Grundlagenforschungen zu den fünf größten inneralpinen Wasserfällen der internationalen Forschungsgruppe unter Leitung der „Paracelsus Medizinische Universität“ Salzburg („PMU“), dass im Sprühnebel der Umgebungsluft von Wasserfällen negativ geladene Wassertröpfchen vorhanden sind (Kolarz et al 2012 [16]).

Die klinische Studie der PMU (Forschungsteam unter Leitung von Doz. Dr. Arnulf Hartl) und Partner zu „Wasserfall-Klimatherapien“ für Kinder und Jugendliche mit allergischem Asthma zeigte die Gesundheitswirksamkeit der ionisierten Umgebungsluft der Krimmler Wasserfälle auf (Hartl 2010; Gaisberger et al 2012 [15,17]).

54 Kinder und Jugendliche mit allergischem Asthma haben im Rahmen einer randomisierten kontrollierten klinischen Studie einen 3-wöchigen Gesundheitsaufenthalt am inneralpinen Reinluftort Krimml (im Bundesland Salzburg) verbracht:

• Dabei hat sich eine Gruppe der Kinder täglich eine Stunde in unmittelbarer Nähe der Krimmler Wasserfälle aufgehalten. Diese Kinder haben signifikant höhere and länger anhaltende Gesundheitseffekte erzielt als die Kontrollgruppe, die ihren Aufenthalt in größerem Abstand (in 6 km Entfernung) zum Wasserfall Krimml verbrachte.

• Beide Gruppen waren in Unterkünften mit allergikergerechter Innenraumgestaltung untergebracht und erhielten allergikergerechte Ernährung [15,17].

Wie faszinierend die Krimmler Wasserfälle sind, wie sie therapeutisch eingesetzt werden und Ein- blicke in die Salzburger Studie zeigt ein Youtube-Video Clip* von Hohe Tauern Health.

Bei den internationalen Grundlagenforschungen zu Wasserfällen haben die Forscher auch ein neues Modell zur Entstehung der negativ geladenen Wassertröpfchen bei Wasserfällen entwickelt [16]. Die Krimmler Wasserfälle sind inzwischen aufgrund ihrer gesundheitswirksamen Umgebungsluft auch vom Land Salzburg als „natürliche Heilvorkommen“ für allergisches Asthma und allergische Rhinopathien („Heuschnupfen“) anerkannt: „Durch den heftigen Aufprall am Fels“ werden die Wassermoleküle „ionisch (negativ) aufgeladen und in winzige Fragmente zerschmettert, die 200 mal kleiner als in einem Asthmaspray sind. Dadurch gelangen sie beim Einatmen besonders tief in die Atemwege,“ erläutert die Salzburger Landeskorrespondenz vom 9. Juni 2015 [18] und: „Die Krimmler Wasserfälle wirken in ihrem mittleren Ionenbereich und ihrer spezifischen Nanoaerosolgröße auf die genannten Indikatoren ICD-10 J45 und die assoziierten Erkrankungen der oberen Atemwege ICD-10 J30.1-4“.

Impulse für Integrativmedizin- und CAM-Forschung

In Österreich hat das Wissenschaftsministerium 2009 eine erste Erhebung zu CAM-Forschung beauftragt, die das Team von ESIHR unter Leitung der Autorin durchführte. Die befragten ForscherInnen sprachen sich bei der Frage nach Forschungsprioritäten v. a. für Forschung zu „Biologische Therapien und Traditionelle Europäische Medizin“, sowie zu „Tradierte Asiatische Medizinsysteme“ aus. Weiters sprachen sie sich auch für Forschung zu „Mind- Body-Medizin“, manipulative körperbezogene Therapien, Musik- therapie und Grundlagenforschung v. a. in den Bereichen Phytotherapie, Regulationsbiologie und -medizin aus (Sützl-Klein 2009; Sützl-Klein et al 2009 [19,20]).

Besonderer Forschungsbedarf bei Heilpflanzen: Heilpflanzen werden traditionell auch zur Begleitung bei Kindern eingesetzt, z.B. als Tees, Salben, für Wickel und Düfte, Sirups, Säfte, Bonbons, aber z. T. auch als Gewürze und Nahrungsmittel. Heilpflanzen sind natürliche Vielstoffgemische, die erfahrungsgemäß auch komplexere Wirkungsweisen aufweisen können (z. B. wenn Wirkstoffe in Gegenwart anderer Wirkstoffe anders wirken können, als wenn sie alleine gegeben werden; oder nicht-lineare Dosis-Wirkungsrelationen vorhanden sind). Hier wird auch ein besonderer öffentlicher Forschungsbedarf gesehen, sowohl zu einzelnen Heilpflanzen als auch zu Pflanzenmischungen. Dabei ist sowohl die Erforschung der Wirkstoffe von Heilpflanzen ein wichtiges Thema, ihrer Wirkungen und Wechselwirkungen, als auch ihre unterschiedliche Verwertung durch die Menschen.

Das CAMbrella-Konsortium, dem universitäre VertreterInnen aus 12 Ländern angehörten, erarbeitete im Auftrag der Europäischen Kommission einen Fahrplan für die Europäische CAM-Forschung [1]. Es ist zu hoffen, dass nun auch Arbeitsprogramme und Ausschreibungen so gestaltet werden, dass zukunftsrelevante integrativmedizinische und CAM-Forschungsthemen mitberücksichtigt werden, um so forschungsbasiert das Wissen, sowohl zu Einzel-Methoden als auch zu angewandten Kombinationen und zu ihrer Kombinierbarkeit, im Interesse von Praktizierenden und PatientInnen sowie deren Angehörigen zu erhöhen.

In der europäischen Forschung, z. B. im aktuellen Förderprogramm „Horizon 2020“, hat die „personalisierte Medizin“ eine zentrale Rolle. Multimodale und integrative Ansätze finden z. B. bei Forschungsthemen zur Optimierung der Patienten- versorgung, zur Gesundheitsförderung und Prävention Eingang. Die Arbeitsprogramme orientieren sich an Herausforderungen („Challenges“) und die Ansätze von Horizon 2020 sind vergleichsweise breit: „Dies ermöglicht es den Antragstellern in weiten Teilen die zu erforschende Krankheit und den therapeutischen Ansatz oder die eingesetzte Technologie für ihre Forschung selbst zu bestimmen. Gegebenenfalls zählen dazu auch Ansätze der Integrativen Medizin, einschließlich der Kombination herkömmlicher Medizin mit ergänzenden und alternativen Methoden, wo dies angebracht ist.“ (Kommunikation der Europäischen Kommission, 2014 [21]).

Ausblick

In Europa nehmen integrativ-medizinische Angebote – v. a. auch an Unikliniken und damit auch begleitende Forschung - zu.

Die sich zumindest in einzelnen Teilbereichen weltweit bei Forschungen abzeichnende zunehmende Evidenz legt nahe, dass komplementäre Methoden und Integrativmedizin geeignet sein können, wertvolle Beiträge zur Optimierung der Patientenversorgung zur Verfügung zu stellen. Es ist zu vermuten, dass sie auch wesentlich zur Sicherung einer nachhaltigeren Entwicklung des Gesundheitswesens beitragen können: Zumindest bei einigen klinischen Krankheitsbildern zeichnete sich eine zunehmende Evidenz für Kosteneffizienz - und auch für potentielle Kostenersparnis ab (s. Witt et al 2012 [6]) – wobei eine jüngste Publikation wieder ein gegenteiliges Ergebnis brachte (Ostermann, Reinhold, Witt 2015 [22]). Um die möglichen Beiträge von Integrativ- und Komplementärmedizin zu mehr Gesundheit, insbesondere zur Prävention und Therapie von chronischen Erkrankungen (dem Stärkebereich von Komplementärmedizin) und zu den aktuellen und künftigen Herausforderungen für die Gesundheitssysteme besser abschätzen zu können, ist noch sehr viel mehr, insbesondere öffentliche, Forschung erforderlich.

Persönlicher Dank

Ich danke insbesondere Herrn Prof. Dr. Michael Frass, Medizinische Universität Wien, für die Ermöglichung von nationalen und internationalen Horizon 2020-Vernetzungstreffen für Integrativ- und Komplementärmedizinforschung an der Medizinischen Universität Wien und für die überaus fruchtbare Zusammenarbeit. Seit 2014 haben wir gemeinsam internationale Forschungsvernetzungstreffen in Wien organisiert, aus denen auch erste Vorschläge für europäische Forschungsprojekte und neue Forschungskooperationen der Teilnehmer hervorgegangen sind.

Weiters danke ich Herrn Doz. Dr. Kristjan Plätzer und Dr. Pierre Madl von der Universität Salzburg für ihre aktive Beteiligung an unseren Horizon 2020-Vernetzungstreffen und für ihre Beiträge zu ihren zukunftsweisenden Forschungsgebieten.

Korrespondenz:

DDr. Hedda Sützl-Klein, Europäische Gesellschaft für Integrative Gesundheitsforschung (ESIHR), Wien, Email:

Die gesammelten Literaturhinweise zu diesem Artikel finden Sie auf www.springermedizin.at

*[1] Hohe Tauern Health: Splash Camp Krimml: Produktion von Trattner TV, A-5760 Saalfelden, Österreich | Hochgeladen am 21.06.2010 | 8:11: https://www.you- tube.com/watch?v= Y2YEczvrNlo, abgerufen am 12.2.2016, 19:02

Literatur:

1) CAMbrella: European Policy Brief: The Roadmap for Future European CAM Research. September 2012: http://www.cambrella.eu/press/policy-09 HR.pdf, abgerufen am 14.2.2016, 20:57. Die Forschungsarbeiten, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, wurden gemäß der Finanzhilfevereinbarung Nr. 241951 im Zuge des Siebten Rahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaft RP7/2007-2013 gefördert. Projektwebseite: www.cambrella.eu. Präsentation der Ergebnisse des FP 7 Projektes CAMbrella (2010–2012), detaillierter, s.: Forsch Komplementmed, Vol.19, Suppl. 2, Nov. 2012, Insights into the Current Situation of CAM in Europe, Vol 2, Supplement 2, November 2012, Hg.: Harald Walach, Wolfgang Weidenhammer. © 2012 Verlag S. Karger GmbH, Nürnberg.

2) von Ammon K, et al: Complementary and Alternative Medicine Provision in Europe – First Results Approaching Reality in an Unclear Field of Practices, Forsch Komplementmed 2012;19(suppl 2):37–43,DOI:10.1159/000343129.

3) UniversitätsKlinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung: Versorgungsforschung Aktuell, Newsletter Ausgabe 1/2009: „Großer Stellenwert von Akupunktur, Globuli & Co in der Hausarztpraxis“: http://www.versorgungsforschung-aktuell.de/downloads/newsletter/Ausgabe01-2009.pdf, Kurzdarstellung: abgerufen am 14.2.2016, 19:19. Originalliteratur: Joos S, Musselmann B, Szecsenyi J (2009): Integration of complementary and alternative medicine into family practices in Germany: results of a national survey. Evid Based Complement Alternat Med 2009; Mar 17.

4) „Komplementärmedizin“: Eine Studie von Karmasin.Motivforschung, im Auftrag von Sanova Pharma GesmbH, Juli/August 2011. Powerpointpräsentation, veröffentlicht auf: http://www.ganzheitsmed.at/index.Dateien/Studie-Karmasin-Motivforschung-KM_Praesentation.pdf, abgerufen am 29.10.2015, 23:57

5) Jacobs J, Fisher P: Polypharmacy, multimorbidity and the value of integrative
medicine in public health: European Journal of Integrative Medicine 5 (2013) 4-7

6) Herman PM, Poindexter BL, Witt CM, et al. Are complementary therapies and
integrative care cost-effective? A systematic review of economic evaluations. BMJ Open 2012;2:e001046. doi:10.1136/bmjopen-2012- 001046

7) Kooreman P, Baars EW (2012). Patients whose GP knows complementary medicine tend to have lower costs and live longer. European Journal of Health Economics, 13 (6): 769-776.

8) Lehrbuch Naturheilverfahren: Kraft K, Stange R (Hrsg), Hippokrates Verlag, Stuttgart: 2009

9) Hök J, Lewith G, Weidenhammer W, Santos-Rey K, Fonnebo V, Wiesener S, Falkenberg T: International Development of Traditional Medicine / Complementary and Alternative Medicine Research – What Can Europe Learn? Forsch Komplementmed 2012;19(suppl 2):44-50, DOI: 10.1159/000342724

10) Reiter B, Baumhöfener F, Dlaboha M, Madsen JO, Regenfelder S, Weidenhammer W: Building a Sustainable Complementary and Alternative Medicine Research Network in Europe: Forsch Komplementmed 2012;19(suppl 2):61-68, DOI: 10.1159/000342723

11) Buchart K: Traditional biogenic medicine im Pinzgau. Diss. Focus Area BioScience and Health, University of Salzburg (2010).

12) WHO: Antimicrobial resistance: Fact sheet N°194, Updated April 2015: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs194/en/, abgerufen am 14.2.2016, 20:00

13) Engelhardt V, Krammer B, Plaetzer K (2010): Antibacterial Photodynamic Therapy using water soluble formulations of hypericin or mTHPC is effective in inactivation of Staphylococcus aureus. In: Photochemical & Photobiological Sciences, Vol. 9(3): 365-369

14) WHO: Asthma: Fact sheet N°307, Updated November 2013: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs307/en/, abgerufen am 14.2.2016, 20:02

15) Krimmler Wasserfälle 2010: Therapie von Asthma bronchiale. Projektbericht von Univ.-Doz. Mag. Dr. Arnulf Hartl, Paracelsus Medizinische Universität Salzburg: http://www.hohe-tauern-health.at/uploads/media/Studie_Krimmler_Wasserfälle.pdf, abgerufen am 14.2.2016, 20:04

16) Kolarž P, Gaisberger M, Madl P, Hofmann W, Ritter M, Hartl A (2012). Characterization of ions at Alpine waterfalls. Atmos. Chem. Phys., Vol.12: 3687-3697. http://www.atmos-chem-phys.net/12/3687/2012/acp-12-3687-2012.html, abgerufen am 14.2.2016, 20:10

17) Gaisberger M, Šanović R, Dobias H, Kolarž P, Moder A, Thalhamer J, Selimović A, Huttegger I, Ritter M, Hartl A (2012). Effects of Ionized Waterfall Aerosol on Pediatric Allergic Asthma. Journal of Asthma, Vol. 49(8): 830-808.

18) Salzburger Landeskorrespondenz vom 9. Juni 2015: http://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=54786, Pressetext: http://www.hohe-tauern-health.at/fileadmin/user_storage/docs/PressetextAnerkennungNatürlichesHeilvorkommen_offiziell.pdf, abgerufen am 13.3.2016, 12:00

19) Sützl-Klein H, Fragebogenerhebung im Bereich CAM-Forschung in Österreich 2009, im Auftrag des BMWF, Projekt-Abschlussbericht, Hg. BMWF, Wien: 2009 (gefördert aus Mitteln des BMWF); Sützl-Klein H, Mladen S, Kaplaner M, Bruckner U, Wesp F, Tritta I, Ried-Keita M, Stumptner E, Mosgöller W: „CAM-Research in Austria – an inventory survey“: Posterpräsentation beim ICCMR 2010 im Mai 2010 in Oslo zu den Ergebnissen der Fragebogenerhebung im Bereich CAM-Forschung in Österreich 2009 (vom BMWF geförderte Studie): http://www.gesundheitsforschung.at/sites/default/files/CAM-Research_National_Survey_Austria_ESIHR.pdf, abgerufen am 8.12.2015, 21:41

20) Sützl-Klein H, Bergsmann R, Bruckner U, Mosgöller W, Überall F, Workshop „CAM-Forschung 09: Status quo und Perspektiven für Komplementärmedizin und Integrative Gesundheitsförderung“ im Auftrag des BMWF und BMG, Organisation: ESIHR, Endbericht. Hg: BMWF, Wien 2009 (gefördert aus Mitteln des BMWF und BMG)

21) Antwortschreiben des Kabinetts der Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn vom 15.1.2014, Ares (2013) 4017809 zum Email von DDr. Hedda Sützl-Klein, ESIHR, betr. explizite Verankerung von IM-(einschließlich CAM-)Forschung in Horizon 2020.

22) Ostermann JK, Reinhold T, Witt CW: Can Additional Homeopathic Treatment Save Costs? A Retrospective Cost-Analysis Based on 44500 Insured Persons. Published: July 31, 2015http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0134657

Hedda Sützl-Klein, komplementärmedizin 2/2016

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