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Komplementärmedizin 5. Oktober 2005

Applied Kinesiology

Die Fortschritte bei der Erforschung aller biochemischen Zusammenhänge im menschlichen Körper, über das Zusammenspiel unserer Organe, aber auch über die Auswirkungen unterschiedlicher Noxen und Toxine auf die verschiedenen Bereiche in menschlichen Funktionskreisen, verlangen heute eine Diagnostik, die häufig über schulmedizinische Untersuchungen hinausgeht. Die Aussagen der Quantenphysik, dass alles mit allem in Verbindung steht und sich gegenseitig beeinflusst, die Feststellung, dass Materie Welle sein kann und umgekehrt, erklären, dass neben allen wichtigen und notwendigen Diagnosemitteln, wie Inspektion, Palpation, Röntgen, Laboruntersuchungen etc., auch immer mehr bioenergetische Untersuchungen eingesetzt werden.

Die technische Medizin kann sowohl Krankheiten als auch deren Ursachen - soweit es sich um monokausale oder akute Vorgänge handelt - im Detail aufspüren. Ein Großteil der Patienten leidet heute jedoch an chronischen Krankheits- und Schmerzzuständen mit verwaschenen Bildern, die sich in die schulmedizinischen Vorgaben häufig nicht einordnen lassen. Diese entstehen multifaktoriell aus einer Kombination von Faktoren, die das System der bindegewebigen Grundregulation stören.

Für viele der bioenergetischen Methoden bedarf es auch elektronischer Messapparaturen. Die Applied Kinesiology bietet die Möglichkeit, den Grundzustand und Reaktionen des Körpers auf die unterschiedlichsten Reize ohne Geräteeinsatz zu untersuchen.

Was ist Applied Kinesiology?

Applied Kinesiology ist eine primär diagnostische Methode, die in ihrer Anwendung - zusammen mit allen zusätzlich erhobenen schulmedizinischen Befunden - die Diagnose absichern und verfeinern, aber auch das daraus resultierende Therapiespektrum erweitern kann. In die Medizin wurde die Applied Kinesiology durch den amerikanischen Chiropraktiker Dr. George J. Goodheart im Jahre 1964 eingeführt. Er beobachtete, dass Muskeln, die er mit standardisierten Muskelverfahren nach Kendall und Kendall überprüfte, in Sekundenschnelle ihre Stärke änderten, wenn Reize verschiedenster Art, sowohl lokal im Testmuskelbereich als auch peripher am Körper, gesetzt wurden. Dabei veränderte sich der Testmuskel reproduzierbar je nach gesetztem Reiz von schwach nach stark als auch umgekehrt.


 

Goodheart verband in seiner Genialität sein umfangreiches Wissen aus Diätetik, Phytotherapie, Akupunktur und Konstitutionstherapie mit seiner langen chiropraktischen Erfahrung und den aus den Muskeltests gewonnenen Ergebnissen zur Applied Kinesiology (AK). Dies ergab für ihn die Verpflichtung, jedes gesundheitliche Problem unter ganzheitlichen Gesichtspunkten, die nichts ausschließen, zu sehen: die Sicht des "Triad of Health" (Abb. 1). Hier sind die Struktur des Körpers, biochemisches Milieu und die Psyche zu einem dynamischen System verbunden, und bei jeder Erkrankung ergeben sich unter Berücksichtigung aller drei Seiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, je nach Testergebnis, sinnvolle Therapieansätze. Dabei steht der Einsatz der AK immer auf der Grundlage aller notwendigen medizinischen Untersuchungen wie Inspektion, Palpation, bildgebende Verfahren oder Laboruntersuchungen.

Kinesiologievarianten

Wie bei allen guten Innovationen, entwickelten sich neben der Applied Kinesiology alle möglichen kinesiologischen Abwandlungen. Zu erwähnen seien hier die "Touch for Health"-Bewegung, "Behavioral Kinesiology", Neuralkinesiologie oder die Edukinestetik und viele mehr. Viele dieser Methoden führen notwendige schulmedizinische Voruntersuchungen gar nicht oder nur sehr oberflächlich durch. Auf saubere standardisierte Muskeltestungen wird dabei häufig kein Wert gelegt. Die Applied Kinesiology nach Dr. Goodheart grenzt sich klar von diesen Laienbewegungen ab.

Der Muskeltest in der Applied Kinesiology

Das allerwichtigste in der Applied Kinesiology ist, wie bereits oben erwähnt, ein sauberer Muskeltest (Abb. 2). Dabei wird der Muskel in die standardisierte Testposition gebracht. Man erklärt dem Patienten den Testvorgang, der darin besteht, dass der Muskel mit maximaler Kontraktion gegen einen breiten Handkontakt des Behandlers ohne Schmerz gedrückt wird. Dieser Test erfolgt isometrisch. Wenn der Patient sein Kraftmaximum erreicht hat, erhöht der Behandler seinen Gegendruck gering für circa zwei bis drei Sekunden. Wichtig dabei ist, dass der Patient nicht durch die Geschwindigkeit des Gegendrucks durch den Behandler überrascht wird. Alle Kraftvorteile sollten während des Testes beim Patienten liegen.


 

Bei einem ordnungsgemäß durchgeführten Test ergeben sich drei mögliche Muskelreaktionen:

1. Der Muskel ist schwach, das heißt, der Patient kann den Testmuskel nicht genügend kontrahieren, um dem Gegendruck des Behandlers standzuhalten.

2. Der Muskel kann dem ansteigenden Testdruck des Untersuchers ausreichend Widerstand leisten. Auf sedierende, das heißt schwächende Maßnahmen wie die Annäherung der Spindelzellen im Muskelbauch, durch die Auflage eines starken Magneten auf den Muskel oder die Stimulierung des Sedierungspunktes des Meridians, dem der Muskel zugeordnet ist, reagiert der Muskel vorübergehend mit einer Schwächung. Diesen Muskel bezeichnet man als normoton.

3. Der Muskel ist im Test stark, reagiert aber auf die unter 2. beschriebenen sedierenden Maßnahmen nicht und bleibt stark. Dies bezeichnet man in der Applied Kinesiology als Hypertonus. 

Diese drei Muskelreaktionen sind vergleichbar mit den von Hans Selye definierten Stressstadien Alarmreaktion, Adaption und Erschöpfung. Zu Beginn eines Stresses (Alarmreaktion) fällt kurz die körperliche Leistungsbereitschaft ab, um dann durch Cortison- und Adrenalinausschüttung wieder anzusteigen. Bei Weiterbestehen des Stresses - durchaus über Monate und Jahre - kommt es zur Adaption (= Stadium der Resistenz) auf deutlich erhöhtem Niveau. Dies ist eine sinnvolle Reaktion, da der Organismus so sehr leistungsfähig ist und auch über längere Zeit so bleiben kann.

 

Wirkt der Stress aber zu lange ein, so kommt es zum Stadium der Erschöpfung (S.E.), aus dem eine Rückführung ins Stadium der Resistenz nur schwer möglich ist; auf jeden Fall bedarf es einer längeren Ruhephase und möglichst umfassender therapeutischer Anstrengungen samt einer Änderung der Lebensführung des Patienten ("Life-Style Modifikation").

Viele Patienten klagen heute über typische stressassoziierte Symptome, die Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem sind heute nicht mehr strittig. Nach der Erstuntersuchung, die dem Therapeuten Hinweise über den Kraftzustand des Testmuskels gibt, wird je nach Fragestellung der Patient einem strukturellen, chemischen oder mentalen Testreiz ausgesetzt (Triad of Health).

Die Applied Kinesiology bezeichnet diese Provokation als Challenge. Es wird dabei - bezugnehmend auf das Stresskonzept nach Selye - geprüft, welche Auswirkungen dieser Reiz auf den getesteten Muskel und damit auf den gesamten Patienten hat. Die einfache Berührung einer zu überprüfenden Körperstelle, zum Beispiel Narbe, beherdeter Zahn, Gelenk, Wirbel, bezeichnet man als Therapielokalisation (TL). Dies stellt eine Sonderform des Challenge (Lokalisationschallenge) dar.

Jede Veränderung des normotonen Muskels hin zu Schwäche oder Hypertonus signalisiert dem Behandler, dass die getestete Substanz, das berührte Areal, die strukturelle Veränderung oder auch der gedachte psychische Stress eine Belastung für den Testmuskel darstellt. Die neuen Erkenntnisse der Neurophysiologie, insbesondere aber der Quantenphysik und der Chaostheorie geben heute die Möglichkeit, wissenschaftliche Grundlagen und Erklärungsmodelle über das Funktionieren dieser Form der Diagnosefindung durch Muskeltestung darzulegen. Besonders ausführlich sind wissenschaftliche Grundlagen in dem Buch "Grundlagen der Applied Kinesiology" von Dr. R. Frost beschrieben.

Meierhöfer, 1/2001

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