zur Navigation zum Inhalt
 
Komplementärmedizin 5. Oktober 2005

Elektrosmog – was gibt es Neues?

Für Ärzte ist es oft schwierig, sich zum Thema "Elektrosmog" eine fundierte Meinung zu bilden. Die physikalischen Grundlagen sind nicht unbedingt leicht zu verstehen, außerdem tummeln sich auf diesem Gebiet sowohl Angstmacher als auch Verharmloser. Letztere versuchen zum Beispiel beunruhigende Studienergebnisse zu relativieren, indem sie behaupten, dass diese nicht reproduziert werden konnten (auch wenn die Untersuchung gar nicht wiederholt wurde).

Seit vielen Jahren werden Hochspannungsleitungen mit einem erhöhten Krebsrisiko für Kinder in Verbindung gebracht. Metaanalysen zeigen, dass es in bezug auf Leukämie Hinweise auf eine Risikoerhöhung gibt. Laut einer Umfrage sind übrigens rund 24 Prozent der österreichischen Bevölkerung der Ansicht, dass das Wohnen unter oder in der Nähe von Hochspannungsleitungen eine große Bedeutung für die Krebsentstehung hat.

Untersuchungen des Instituts für Medizinische Statistik und Dokumentation der Universität Mainz ergaben, dass Kinder, die während der Nacht einem Magnetfeld von größer/gleich 0,2 Mikrotesla ausgesetzt sind, ein dreifach erhöhtes Leukämierisiko haben. Quellen für Felder größer/gleich 0,2 Mikrotesla waren Hausanschlüsse für 380 V-Versorgungsleitungen, veraltete Elektroinstallationen, Steigleitungen, Hochspannungsleitungen und Straßenbeleuchtungen. Der offizielle Grenzwert liegt bei 100(!) Mikrotesla.

In der letzten Zeit wurde der Begriff "Elektrosmog" vor allem im Zusammenhang mit Mobilfunksendern und Handys verwendet. Die Strahlung von Mobilfunk-Basisstationen kann dabei (aufgrund von Vektoraddition) durch Rundfunksender deutlich verstärkt werden, wie Dr. Bill P. Curry, EMSciTek Consulting, Illinois, auf der Internationalen Konferenz zur Situierung von Mobilfunksendern Anfang Juni 2000 in Salzburg berichtete. 

Die etwa von der WHO empfohlenen Mobilfunk-Grenzwerte sind hoch. Sie beziehen sich lediglich auf die thermische Wirkung der Wellen. Mittlerweile gibt es aber etliche Studien, die auch im Niedrigdosis-Bereich Effekte auf Schlaf, Blutdruck, kognitive Funktionen, Krebsentstehung etc. beschreiben. Ein Übersichtsartikel über diese "nicht-thermischen Effekte" erschien Ende letzten Jahres im "Lancet" (Hyland, G.H.: Vol. 356, 25. November 2000, 1833-1836). 

Dr. Gerd Oberfeld, Umweltmedizin-Referent der Österreichischen Ärztekammer: "Die Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission ICNIRP und der WHO schützen nur vor einer übermäßigen Erwärmung des Körpers, aber nicht vor Chromosomenbrüchen, Krebs, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Blutdruckänderungen, Verminderung der Blut-Hirnschranke, Vergesslichkeit oder Denkstörungen."

Im Rahmen der Salzburger Mobilfunk-Konferenz wurde daher eine Resolution beschlossen, in der unter anderem deutlich niedrigere Grenzwerte gefordert wurden. Dass es sehr wohl schon bei niedrigen Feldintensitäten Effekte auf biologische Funktionen gibt, betont auch die Umweltkommission der Deutschen Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. "Bisher wurde nicht gezeigt, dass diese Effekte krank machen", so die Akademie-Experten. Es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden.

"Kinder und Jugendliche brauchen nur in sehr seltenen Ausnahmesituationen Mobiltelefone", so die Akademie weiters. Sie rät von einer unnötigen, häufigen und langen Benutzung dringend ab. Ähnliche Empfehlungen formulierten auch das deutsche Umweltministerium und eine britische Expertengruppe. Werbung für Kinderhandys sei daher äußerst problematisch, betonen die "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt". 

Im Unterschied zur Nutzung eines Handys stellt die Belastung durch Sendemasten ein unfreiwillig eingegangenes Risiko dar. "Im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes ist daher unbedingt eine möglichst geringe Exposition der Anrainer anzustreben", heißt es in der Stellungnahme der Deutschen Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Sehr wichtig sei auch die frühzeitige Einbindung der Anrainer bei Genehmigung und Installation von Basisstationen. Darüber hinaus wird davon abgeraten, Sender in der Nachbarschaft von Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern zu errichten.

Quellen: Kinderleukämie-Studie der Univ. Mainz: http://info.imsd.uni-mainz.de/presse2001.html

Dr. Peter Wallner, 1/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben