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Komplementärmedizin 5. Oktober 2005

Leistungsabfall durch Schweißverlust?

Der menschliche Organismus besteht zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Dieses verteilt sich auf zwei wesentliche Flüssigkeitsräume: den intrazellulären Raum (innerhalb der Zelle) und den extrazellulären Raum (außerhalb der Zelle), die in einem ständigen Austausch miteinander stehen. Bei einem 70 Kilo schweren Menschen sind im extrazellulären Raum 14 Liter Flüssigkeit (etwa 20 Prozent des Körpergewichtes) enthalten. Auf den intrazellulären Raum entfallen 28 Liter Wasser (etwa 40 Prozent des Körpergewichtes).

Im Wasser sind Elektrolyte enthalten, die wiederum für den Ablauf vieler lebenswichtiger, physiologischer Vorgänge enorm wichtig sind. Wasser- und Elektrolythaushalt sind funktionell eng miteinander verknüpft (Beispiel einer Flüssigkeitsbilanz).

Bei sportlicher Belastung wird diese Flüssigkeitsbilanz stark verändert. Die Schweißverluste, die normalerweise 600 Mililiter pro Tag ausmachen, können auf mehr als vier Liter, zum Beispiel Marathonlauf, ansteigen. 

Der Schweiß ist eine hypotone Lösung (= Lösung mit niedrigerem, osmotischen Druck als der des Blutes; siehe Kasten "Was ist Osmose"). Schweiß enthält Elektrolyte in verschiedenen Konzentrationen; ein größerer Schweißverlust führt daher zu einer Dehydratation und zum Verlust wichtiger Elektrolyte.

Das Wasser dient nicht nur als Lösungs- und Transportmittel, es steuert auch zusammen mit den Elektrolyten die Gewebsspannung. Bei körperlicher Anstrengung schützt es den Organismus vor Überhitzung. Die Muskulatur besteht zu 77 Prozent aus Wasser. Gemeinsam mit den Elektrolyten spielt es aber auch eine entscheidende Rolle bei den Reaktionen, die zur Muskelkontraktion führen. Daher sollte gerade beim Sportler das Gleichgewicht des Wasser- und Elektrolythaushaltes aufrecht erhalten werden. Bei lang andauernder Belastung, zum Beispiel Marathonlauf, sollte man sich nicht scheuen, auch während der Leistungsausübung regelmäßig und viel zu trinken. Astrand fand Leistungseinbußen bereits bei einem Gewichtsverlust von ein Prozent (etwa 0,7 Liter Schweißverlust). Bei einem Gewichtsverlust von vier Prozent wurde von Nocker eine erhebliche Leistungsminderung festgestellt.

Ab einem bestimmten Grad der Wärmebildung wird die überschüssige Wärme über den Schweiß abgegeben. Bei seiner Verdunstung wird eine Abkühlung erzielt. So können bei maximaler Anstrengung pro Stunde bis zu drei Liter Schweiß sezerniert werden. Um der Gefahr vorzubeugen, dass der Organismus schlechter durchblutet und die weitere Temperaturregelung ineffizient wird, ist es also zwingend erforderlich, die beim Sport verlorene Flüssigkeit zu ersetzen.

Falsch ist es, das Flüssigkeits- und Elektrolytdefizit mit kohlensäurehältigen Getränken aufzufüllen. Die Kohlensäure bewirkt eine Volumenerweiterung des Magens. Dadurch wird der Magen gegen das Zwerchfell gehoben und stört so die Atmung. Dies führt wiederum zu einer Leistungsminderung. Alle wichtigen Elektrolyte wie Natriumchlorid (Kochsalz), Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphate etc. sind in den einschlägigen, auf dem Markt angebotenen Elektrolytgetränken enthalten.

Anmerkung der Redaktion:
Beachten Sie bitte, dass bei regelmäßiger sportlicher Betätigung (sowohl als Hobby- als auch als Leistungssportler) regelmäßige sportärztliche Untersuchungen durchgeführt werden sollten. Diese inkludieren auch eine adäquate Ernährungs- und Trinkberatung.

Zum Autor: Manfred Simmke ist Physiotherapeut aus Albersdorf, Deutschland

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