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Die Mistel: Das „Irrsinnigwerden“ ihrer Wachstumsphänomene stellt ein Heilmittel für diesen Vorgang dar.
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Tausende Tumorzellen entstehen in jedem intakten Organismus und werden durch komplexe Vorgänge seines Immunsystems an einer Ausbreitung und Vermehrung gehindert.

 
Komplementärmedizin 15. März 2016

Vom Irrsinn der Krebserkrankung

Die Misteltherapie ist die vierte Säule der Krebstherapie.

Die konventionelle Therapie einer manifesten Krebserkrankung besteht bekanntermaßen in den unterschiedlichen Strategien einer Tumorzellreduktion. Neben der Chirurgie sind dies heute vorwiegend Strahlen- und Chemotherapie (inklusive ihrer modernen „zielgerichteten“ Abwandlungen und der Hormontherapie) – die drei Säulen der Tumortherapie.

Zelle versus Organismus

Tausende Tumorzellen entstehen täglich in jedem intakten Organismus und werden normalerweise durch komplexe Vorgänge seines Immunsystems an einer Ausbreitung und Vermehrung gehindert (Bild oben). Die manifeste Krebserkrankung stellt daher eine massive Störung dieses Regulations-Vermögens dar. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist somit schon die lokal begrenzte Tumorerkrankung immer eine systemische, den ganzen Organismus umfassende, Erkrankung.

Eine zytoreduktive Krebstherapie versucht, mit der Verkleinerung der Tumorlast den Organismus indirekt in seinem Regulations-Bestreben zu unterstützen. Direkte Therapien dieser „Regulationsschwäche Krebsbildung“ (etwa eine immunmodulierende) sind in der konventionellen Onkologie, bis auf sporadische Ansätze (z. B. Imiquimod), bislang nicht erfolgreich entwickelt.

Die Misteltherapie der Anthroposophischen Medizin (1) ist eine solche erfolgreiche (2), direkte Therapie der Krebserkrankung. Gerade in letzter Zeit konnte die Wirksamkeit dieser anthroposophischen Krebstherapie eindrucksvoll auch in einer randomisierten Studie bewiesen werden (3).

Der Irrsinn der Krebserkrankung

Am 2. April 1920 spricht Rudolf Steiner zu Ärzten über das Verhältnis der Mistel (Foto) zur Krebserkrankung: „Das aber hängt zusammen eben weniger mit ihrem (der Mistel, Anm.) Schmarotzertum, als damit, dass sie auch sich - wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, namentlich die Wiener werden mich verstehen - „eine Extrawurst braten lässt“ von der ganzen Natur. Sie lässt sich insofern „eine Extrawurst braten“, als sie eben nicht gedeihen will im gewöhnlichen Jahreslauf, nach dem Frühling hin blühen und dann Früchte tragen, sondern dass sie zu einer anderen Zeit, eben zu einer Extra-Zeit, während der Winterszeit, diese Dinge entwickelt. Damit konserviert sie diejenigen Kräfte, welche eben entgegenwirken dem gewöhnlichen Gang der Ereignisse.

Würde man nicht zu stark Anstoß erregen damit, so könnte man sagen, wenn man hinschaut auf die Mistelbildungen und die wirksame Natur in Betracht zieht: Diese wirksame Natur ist dabei irrsinnig geworden, sie macht alles zur Unzeit in Bezug auf die Mistel. Das ist aber gerade dasjenige, was man eben wiederum benützen muss, wenn auf der anderen Seite der menschliche Organismus physisch irrsinnig wird, und das wird er ja zum Beispiel gerade in der Karzinombildung. Da handelt es sich dann darum, gerade für solche Zusammenhänge ein Verständnis zu entwickeln.“ (4)

Die Mistel als Krebsheilmittel

Kann man drastischere Worte finden? Der menschliche Organismus ist physisch irrsinnig geworden, entzieht sich den normalen Regulationsmechanismen seines Immunsystems und lässt ein Karzinomwachstum zu. Die Mistel wiederum repräsentiert einen Naturprozess, der in dem „Irrsinnigwerden“ seiner Wachstumsphänomene ein Heilmittel für diesen Vorgang darstellt. „Die Natur ist der auseinander gelegte Mensch“, wusste schon Goethe – in Gesundheit und Krankheit, möchte man noch ergänzen. Über die Wachstumsphänomene (5) der Mistel und die Gewinnung eines Krebsheilmittels aus dieser Pflanze gibt es mittlerweile eine umfangreiche Literatur (6).

Fehlt einer rein zytoreduktiven Therapie dieser umfassend-systemische Gesichtspunkt, im menschlichen Organismus wieder gesundende Kompetenz in der Regulation seiner Wachstumsphänomene zu veranlagen, so kann doch sofort intuitiv erfasst werden, dass in einer gemeinsamen therapeutischen Strategie (Zytoreduktion und systemische Regulations-Kompetenz) eine wohl begründete Synergie liegt. Die Misteltherapie kann - oder besser gesagt soll - deswegen gemeinsam und gleichzeitig mit den zytoreduktiven Verfahren durchgeführt werden.

Die vierte Säule der Krebstherapie

Die qualifizierte Handhabung der Misteltherapie ist relativ einfach erlernbar und alle anthroposophischen Hersteller (7) bieten entsprechenden Support bzw. Information an. Die Misteltherapie ist im Prinzip bei allen Krebsarten anwendbar. Sie ist keine Alternative zur herkömmlichen Tumortherapie – sie ist die unverzichtbare therapeutische Vervollständigung! Die Misteltherapie ist die vierte Säule der Krebs- therapie (8).

Korrespondenzadresse:

Dr. Christian Kellner

Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie

Vorsitzender der Gesellschaft für Anthroposophische Medizin in Österreich

Ordination: Taglieberstr. 55-57, A-1230 Wien

E-Mail:

Literatur:

1 Information und Ausbildungsangebot: GAMÖ – Gesellschaft für Anthroposophische Medizin in Österreich, www.anthromed.at

2 G. S. Kienle, H. Kiene: Die Mistel in der Onkologie. Fakten und konzeptionelle Grundlagen. Schattauer, 2003

G. S. Kienle, H. Kiene, H. Albonico: Anthroposophische Medizin in der klinischen Forschung. Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit. Schattauer, Stuttgart 2006,

3 Tröger W, Galun D, Reif M, Schumann A, Stanković N, Milićević M: Quality of life of patients with advanced pancreatic cancer during treatment with mistletoe—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 493–502. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0493

4 Geisteswissenschaft und Medizin, Rudolf Steiner Verlag

5 „Nichts an dieser Pflanze ist normal“ schrieb der Botaniker Karl von Tubeuf schon im Jahr 1907. Seine „Monographie der Mistel“ (1923) ist heute noch ein gültiges Nachschlagewerk.

6 z. B. A. Bopp: Die Mistel - Heilpflanze in der Krebstherapie, Zürich, Rüffer und Rub, 2006

7 www.iscador.com - www.helixor.de - www.abnoba.de (AbnobaViscum) - www.walaarzneimittel.de (Iscucin)

8 Weitere Informationen: www.mistel-therapie.de (Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland)

Christian Kellner, komplementärmedizin 1/2016

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