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© Manuela Horny, Kaumberg; www.picts.at
Dr. Ilse Fleck-Vaclavik, Ärztin für Allgemeinmedizin
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Komplementärmedizin 15. März 2016

Mehr Lebensqualität bei Krebs

Die Misteltherapie ist aus der Behandlung nach Anthroposophischer Medizin nicht wegzudenken.

Rudolf Steiner, der Begründer der anthroposophischen Geisteswissenschaften, erwähnt die Misteltherapie bei Tumorerkrankungen erstmals 1916. Seine grundlegenden Überlegungen führte die Ärztin Dr. Ita Wegman weiter. Ergänzend und erweiternd sieht die Anthroposophische Medizin – wie andere komplementäre Methoden auch – den Menschen in Gesundheit und seinen Erkrankungen in seiner Gesamtheit.

Das Menschenbild der Anthroposophischen Medizin gliedert den Menschen in eine Viergliedrigkeit – einen physischen Körper (physischer Leib) mit seinen mineralstofflichen Anteilen, einen diesen durchziehenden Lebensleib (Ätherleib), weiters die erlebende und fühlende Seele, die nach Steiner „Astralleib“ genannt wird, und eine alle diese drei durchdringende Organisation, die dem Menschen seine Individualität verleiht – die „Ich-Organisation“.

Bei dieser Medizin wird auch in der Krebsbehandlung ein pluralistischer Ansatz beschritten. Hierbei geht es nicht nur um die Vernichtung des Tumors, sondern auch um die Integration der anderen Wesensglieder in das Behandlungskonzept. Dies geschieht z.B. unter anderem durch den Einsatz verschiedener künstlerischer Therapien, mittels Malens, Plastizierens, Musiktherapie, u.v.m.

Die Misteltherapie

Ein nicht aus der Behandlung wegzudenkender Baustein ist hierbei die Misteltherapie. Rudolf Steiner erkannte Parallelen in den Lebensprozessen der Mistelpflanze (Viscum album L.) und denen der Menschen.

Die Pflanze verfügt über zahlreiche Besonderheiten, an Inhaltsstoffen sind in der Therapie vor allem die Mistellektine und die Viscotoxine von Bedeutung. Die Konzentration der Mistellektine ist während der Wintermonate am höchsten, jene der Viscotoxine erreichen ihr Maximum zur Zeit der Sommersonnenwende. Darüber hinaus erhält die Mistel auch eine Prägung durch ihren Wirtsbaum, was in der Praxis von Bedeutung ist, um das optimal geeignete Präparat für den betreffenden Patienten auszuwählen. So wird z.B. die Mistel von der Eiche vornehmlich bei Tumoren des Kopf-Halsbereiches sowie des Verdauungstraktes eingesetzt.

Injektionskur

Die Injektionskur zielt einerseits darauf ab, das Tumorwachstum direkt zu hemmen, was sowohl auf die Mistellektine als auch auf die Viscotoxine zurückzuführen ist; darüber hinaus induzieren die Mistellektine auch die Apoptose der Zellen. Neben diesen direkten Effekten kommt es auch zu einer Hebung der Lebensqualität und zur Schmerzreduktion, wie an folgendem Beispiel deutlich wird.

Patientin mit Bronchuskarzinom

Die 1940 geborene Patientin wurde im November 2009 in meiner Ordination vorstellig. Bei ihr war zuvor ein inoperables Bronchuscarcinom diagnostiziert worden; Tumorgröße zum Zeitpunkt der Diagnosestellung 7x 6x 5cm; weiters laut CT mehrere befallene Lymphknoten sowohl mediastinal als auch paraaortal.

Die vorgeschlagene Chemotherapie hatte die Patientin nach mehreren Aufklärungsgesprächen durch die behandelnden Onkologen aufgrund negativer Vorerfahrungen abgelehnt. Die Kollegen traten daraufhin mit der Bitte um unterstützende Therapie an mich heran. Auch ich konnte die Patientin nicht umstimmen, weshalb eine Misteltherapie etabliert wurde.

Die Patientin erhielt Iscador Qu in rhythmischen Dosierungen bis zur Serie I; gegen Ende der Serie traten jeweils die gewünschten Lokalreaktionen bis zu ca. 1cm Größe auf, die sich innerhalb weniger Stunden wieder zurückbildeten. Die Patientin injizierte sich Iscador selbst 3x wöchentlich über einen Zeitraum von vier Wochen, danach wurde eine Pause von 14 Tagen vereinbart. Im Verlauf der Behandlung mit Iscador® zeigt sich bereits nach wenigen Behandlungszyklen eine deutliche Besserung in der Lebensqualität der Patientin, was sich u. a. dahingehend äußerte, dass sie wieder in der Lage war, ihren Haushalt selbstständig zu erledigen und auch wieder am sozialen Leben teilnehmen konnte. Ebenso zeigte sich eine so deutliche Reduktion der Schmerzen, sodass die bereits etablierte Schmerztherapie nach drei Monaten ganz ausgesetzt werden konnte.

Regelmäßige Kontrollen bei den behandelnden Onkologen zeigten in den CT-Aufnahmen laufend zwar eine Größenzunahme des Tumors, die Patientin blieb klinisch jedoch stabil. Auffallend im Verlauf der Behandlung war auch die völlige Infektfreiheit im Winter, die die Patientin davor so nicht gekannt hatte. Diese Infekte waren laut ihren Schilderungen über Jahrzehnte ein dauerhaftes gesundheitliches Problem gewesen.

Die Misteltherapie wurde laufend an die Gegebenheiten angepasst. Blutkontrollen zeigten einen stabilen Verlauf.

Insgesamt durfte ich die Patientin bis zum Jänner 2013 - mehr als drei Jahre - begleiten, dann verstarb sie.

Ein Plus an Lebensqualität

Positiv für mich und das behandelnde Team war, dass sie Patientin ihrem Wunsch gemäß bis nur wenige Tage vor ihrem Tod völlig selbständig ohne Unterstützung alleine leben und ihren Haushalt erledigen konnte. Sie war bis zum November 2012 mobil und in der Lage, alles zu unternehmen, was ihr wichtig war. Ebenso wurde es bis zu ihrem Tod nicht mehr nötig, eine Schmerztherapie zu verabreichen, da sie nur selten, und dann nie mehr als Grad 2-3 auf der VAS-Skala an Beschwerden angab.

Rezente Studien bestätigen diese Wirkungen

Dieses eindrucksvolle Beispiel bestätigt, was in den letzten Jahren auch das Ergebnis mehrerer Studien war: Die Misteltherapie bessert nicht nur die Lebensqualität und wirkt schmerzlindernd und damit medikamentenreduzierend, sondern steigert in bestimmten Fällen auch die Gesamtüberlebensdauer bei sehr guter Lebensqualität.

So gelang es z.B. Tröger W, Galun D et al. bei einer vor kurzem veröffentlichten Arbeit, einer Phase III Studie beim fortgeschrittenen Adenocarcinom des Pankreas, zu zeigen, dass sich nicht nur die Lebensqualität der mit Misteltherapie subcutan (Iscador Qu) behandelten Patienten statistisch signifikant steigern ließ, sondern auch, dass das mediane Überleben (4,8 Monate in der Mistelgruppe vs. 2,7 Monate in der unbehandelten Gruppe) deutlich länger war.

Ähnliche Ergebnisse brachte auch eine Arbeit von Grossarth- Maticek 2006, der bei seinen Untersuchungen an Patientinnen mit Mammacarcinom zum Schluss kam, dass sowohl das mediane Überleben als auch die Rezidivhäufigkeit durch die Gabe eines Mistelpräparates positiv beeinflusst werden können.

Fazit für die Praxis

Obwohl längeres Überleben und längeres rezidivfreies Intervall nur in einzelnen klinischen Studien zur Misteltherapie dokumentiert werden konnte, zeigt sich in Bezug auf die Lebensqualität eine signifikante Verbesserung unter Misteltherapie.

Literatur bei der Verfasserin

Korrespondenz:

Dr. med. univ. Ilse Fleck-Vaclavik

Ärztin für Allgemeinmedizin

ÖÄK Diplom für Akupunktur

ÖÄK Diplom für Homöopathie

ÖÄK Diplom für Orthomolekulare Medizin

Fortbildungsdiplom der Österreichischen Ärztekammer

Ordination:

Donauwörtherstraße 20

A-2380 Perchtoldsdorf

E-Mail:

Ilse Fleck-Vaclavik, komplementärmedizin 1/2016

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