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Komplementärmedizin 22. Dezember 2015

Phytopharmaka für Senioren

Manche Vorteile gegenüber synthetischen Medikamenten

Bei geriatrischen Patienten bieten Phytopharmaka eine Reihe von Vorteilen gegenüber synthetischen Medikamenten. Im Vergleich zu Synthetika bieten Phytopharmaka bei geriatrischen Patienten vor allem bezüglich der Resorption, dem Metabolismus und der Elimination Vorteile.

Mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl multimorbider Patienten mit Polypharmakotherapie“, erklärt Prof. André-Michael Beer, Klinik für Naturheilkunde, Hattingen: „Damit erhöhen sich die Risiken von Interaktionen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Dies gilt nicht nur für die Verordnung mehrerer Arzneimittel, sondern auch für die alleinige Gabe bestimmter Substanzen, die als potenziell inadäquate Medizin (PIM) eingestuft werden. Hier zeigen sich Phytopharmaka als echte Alternative mit weniger wirkungsmechanistisch bedingten Nebenwirkungen.“

Bei älteren Patienten besteht z. B. oft eine eingeschränkte Nierenfunktion. Da im Gegensatz zu vielen Synthetika bei pflanzlichen Extrakten keine glomerulo-, tubulotoxischen und interstitiellen Schädigungen und keine Kumulation bei eingeschränkter Nierenfunktion bekannt sind, sind Phytopharmaka auch bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion anwendbar. Eine Ausnahme stellt Wacholderöl mit größeren Mengen an alpha- und beta-Pinen und Senfölen dar, die eine Albuminurie verursachen können.

Auch eine Hypalbuminämie ist im höheren Alter häufig. Dies erhöht die Gefahr einer Medikamenten-Überdosierung. Die bei pflanzlichen Arzneimitteln mit 60 bis 80 Prozent mäßige bis geringe Proteinbindung, schließt bei Hypalbuminämie die Gefahr einer Überdosierung und der Verdrängung eines anderen Arzneimittels aus der Proteinbindung weitgehend aus. Auch bezüglich des Risikos von Interaktionen beurteilt Beer Phytopharmaka als vorteilhaft: „Nach derzeitigem Wissensstand ist nur bei Johanniskraut-Extrakt auf Interaktionen mit CYP3A4, 2C9, 2C19 und P-GP zu achten.“ Hier kann es zur Abschwächung der Wirkung von Antikoagulantien, Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Indinavir, Protease-Hemmstoffen in der HIV-Therapie, Irinotecan, Zytostatika, Amitriptylin, Nortriptylin, Midazolam, Theophyllin und zur Verstärkung von Antidepressiva, z. B. Nefazodon, Paroxetin, Sertralin kommen. Aufgrund der geringeren Nebenwirkungen bei gleicher Wirksamkeit erhöhen Phytopharmaka auch die Compliance.

Als bewährte Anwendungsgebiete von Phytopharmaka in der Geria-trie nennt Beer leichte bis mittelschwere Beschwerden bei chronischen Erkrankungen: „Besonders oft beklagen geriatrische Patienten Schmerzen im Bewegungsapparat. Als Alternative zur konservativen Schmerztherapie bieten sich hier Teufelskralle und Weidenrinde an. Die Wirkung der Teufelskralle tritt nach ca. zwei bis drei Wochen ein, die der Weidenrinde bereits nach sieben Tagen. Im Vergleich zu synthetischen Salicylsäurepräparaten bestehen bei der Weidenrinde keine Prostaglandin-inhibierenden Nebenwirkungen, die für die Thrombozytenaggregationshemmung verantwortlich sind.“

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Bei einem häufigen Krankheitsbild im höheren Alter, den Merkfähigkeitsstörungen, finden Ginkgoblätter Anwendung, wobei, so Beer, eine Tagesdosis von 240 mg Trockenextrakt empfohlen wird. Die Wirkung von Ginkgo beruht auf einer Neuroprotektion durch Verbesserung des zerebralen Energiestoffwechsels.

Weitere Anwendungsgebiete für Phytopharmaka in der Geriatrie sind beispielsweise Depressionen und Schlafstörungen. Hier kommen Baldrianwurzel, Passionsblumenkraut und Lavendelöl zum Einsatz. Bei Inappetenz können Ingwerwurzelstock oder Bitterstoffe (Tausendgüldenkraut, Wermut u. a.) hilfreich sein.

Springer Medizin

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