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Komplementärmedizin 10. November 2015

Zank um das Berufsbild Osteopath

Osteopathie wird in Deutschland immer beliebter, die Rolle der Osteopathen ist aber umstritten.

Alternative Medizin, und damit auch die Osteopathie, wird immer beliebter: Rund 4000 osteopathische Praxen gibt es mittlerweile laut „Konsensgruppe Osteopathie“ in Deutschland, jährlich werden nach ihren Angaben bis zu 5,6 Millionen Menschen osteopathisch behandelt. Die Rolle des Osteopathen in der medizinischen Landschaft ist dabei jedoch umstritten - auch, weil dessen Ausbildung noch nicht eindeutig geregelt ist.

Bereits im Oktober 2013 hat der Bundesverband Osteopathie gemeinsam mit anderen Osteopathieverbänden die berufspolitische Notwendigkeit eines eigenständigen Heilberufs „Osteopath“ gefordert.

„Die staatliche Anerkennung des Berufsbildes ist längst überfällig“, sagt Professor Marina Fuhrmann, Vorsitzende des Verbandes der Osteopathen Deutschland (VOD). „Da es den Beruf Osteopath hierzulande noch nicht gibt, kann sich auf Grund fehlender gesetzlicher Vorgaben nahezu jeder Osteopath nennen.“

Staatliche Ausbildung nur in Hessen möglich

Seit 1993 ist der Beruf des Osteopathen in England rechtlich anerkannt, die Schweiz zog 2013 nach. Hierzulande wurde den Anstrengungen, eine Regelung für einen eigenständigen Berufsstand des Osteopathen zu etablieren, bereits 2004 auf Bundesebene eine Absage erteilt.

Die meisten Bundesländer sahen für die Osteopathie keinen eigenen Regelungsbedarf. Hessen ist heute das einzige Bundesland, in dem die osteopathische Fortbildung staatlich geregelt ist - in der sogenannten Weiterbildungs- und Prüfungsordnung Osteopathie (WPO Osteo).

Sie gilt ausschließlich für Physiotherapeuten, medizinische Bademeister, Masseure und Heilpraktiker. Nur sie dürfen - neben Ärzten mit Approbation - eine Teilzeitausbildung zum Osteopathen absolvieren und bei erfolgreichem Abschluss den entsprechenden staatlich geschützten Titel tragen.

Seit April 2010 ist das unberechtigte Führen des Titels Osteopath in Hessen sogar unter Strafe gestellt: Wer sich zu Unrecht Osteopath nennt, kann mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro belegt werden.

Nur auf Anweisung des Arztes

In Deutschland gilt die Osteopathie als Heilkunde. Sie darf rechtlich nur von Ärzten und Heilpraktikern uneingeschränkt ausgeübt werden.

Physiotherapeuten dürfen nur auf Anweisung eines Arztes oder Heilpraktikers, und nur im Rahmen der Physiotherapie osteopathisch arbeiten. Unterdessen nutzen auch immer mehr Hausärzte die Möglichkeit, sich in dem gefragten Bereich weiterzubilden und osteopathische Elemente in ihrer Praxis anzubieten.

Dabei sollte dieses Privileg auch in der Hand der Mediziner bleiben, meint Professor Michael Nerlich, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Osteopathische Verfahren können seiner Meinung nach nur Ergänzung oder Alternative sein, keinesfalls sollte der Osteopath jedoch als eigener Berufsstand anerkannt werden.

„Die Anwendung der Manuellen Medizin/Osteopathie im Primärzugang zum Patienten muss auch weiterhin exklusiv an den Status Facharzt mit entsprechender Zusatzweiterbildung gebunden bleiben“, so Nerlich. Keine andere Berufsgruppe könne die Patientensicherheit ausreichend gewährleisten.

Quelle: Ärzte Zeitung, Juni 2015

Informationen: www.aerztezeitung.de

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