zur Navigation zum Inhalt
 
Komplementärmedizin 8. Juli 2015

Severe cyanide poisoning from an alternative medicine treatment with amygdalin and apricot kernels in a 4-year-old child

Background: The use of complementary and alternative medicine (CAM) is widespread in children with cancer and is poorly regulated.

Patients and methods: Case report.

Results: We describe a case of severe cyanide poisoning arising from CAM use. A severely agitated, encephalopathic, unresponsive 4-year-old boy (initial Glasgow Coma Scale of 3) with a history of metastatic ependymoma was brought to our emergency department by ambulance services. Initial blood gas analysis demonstrated severe metabolic/lactic acidosis. On detailed questioning of the parents, the use of CAM including intravenous and oral “vitamin B 17” (amygdalin) and oral apricot kernel was reported. After administering sodium thiosulfate, rapid improvement in his medical condition with complete recovery without need for further intensive care treatment was seen. Serum cyanide level was markedly elevated.

Conclusions: Cyanide poisoning can be the cause of severe encephalopathy in children receiving CAM treatment with substances containing cyanogenic glycosides.

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Verwendung von Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) findet bei pädiatrischen Patienten mit bösartigen Erkrankungen nicht selten statt.

Patienten und Methodik: Fallbericht.

Ergebnisse: Hier berichten wir über einen 4-jährigen Jungen mit einem metastasierten Ependymom, bei welchem es im Rahmen einer CAM-Behandlung zu einer schweren iatrogenen Zyanidvergiftung gekommen war. Klinisch imponierte ein enzephalopathisches Krankheitsbild mit Agitation und einer schweren initialen Bewusstseinsstörung (GCS: 3). Die bei Aufnahme durchgeführte Blutgasanalyse zeigte eine schwere metabolische Azidose mit ausgeprägter Laktaterhöhung. Nach intensiver Befragung der Eltern berichteten diese über die Inanspruchnahme von CAM-Therapien. Hierbei wurden über einen Zeitraum von rund einer Woche tägliche Infusionstherapien sowie orale Gaben mit sogenanntem „Vitamin B17“ durchgeführt. Nach Gabe von Natriumthiosulphat kam es zu einer raschen Besserung der klinischen Symptomatik ohne Auftreten von Residuen. Die toxikologische Bestimmung der Serumzyanidkonzentration ergab einen hochpathologischen Befund.

Schlussfolgerung: Bei Kindern, bei denen es zum Auftreten eines akuten enzephalopatischen Krankheitsbildes kommt, sollte differenzialdiagnostisch an eine iatrogene Zyanidintoxikation gedacht werden. Diese kann im Rahmen einer CAM-Therapie mit Amydalin und Aprikosenkernen auftreten.

Harald Sauer, Caroline Wollny, Isabel Oster, Erol Tutdibi, Prof. Dr. Ludwig Gortner, Prof. Dr. Sven Gottschling, Prof. Dr. Sascha Meyer, Wiener Medizinische Wochenschrift 9/10/2015

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben