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© (2) Karl Albert Fischer
Drei Millionen Jahre Menschheitsentwicklung: Das Auge war aber seit jeher das gleiche, hoch entwickelte Organ.

 

 
Komplementärmedizin 15. Juni 2015

Licht und Beleuchtung heute

.....alles andere als selbstverständlich.

Ein Gesetz der Biologie: Entweder eine Spezies passt sich an neue Umweltbedingungen an oder sie geht unter. Beispiele aus der Tierwelt sind bekannt, Klimaveränderungen konnten oft nicht ausgeglichen werden, weil Lebensbedingungen und Reaktionsweisen genetisch festgelegt sind: Die Spezies saß in der Falle.

Menschen gelten als extrem anpassungsfähig. Dennoch erhebt sich in unserer raschlebigen Welt mit ständigen schwerwiegenden Veränderungen die Frage: An welche Neuerungen können wir uns anpassen, wo werden wir geschädigt?

Manche Themen machen seit Jahren Schlagzeilen: Schadstoffe in der Luft, naturferne Nahrungsmittel, radioaktive Belastungen. Was in der Öffentlichkeit aber noch kaum augenfällig ist, obwohl es uns doch tatsächlich und pausenlos „ins Auge fällt“, ist die Wirkung des Lichtes!

Gutes Licht

Gutes Licht ermöglicht nicht nur das Sehen, sondern wirkt tief ins Nervensystem, steuert Hormone, heilt das Auge. Schlechtes Licht hingegen erschwert die Orientierung, fördert Unfälle, macht müde und kraftlos – dass es aber auch zur Zerstörung der Netzhaut im Auge oder gar zu Krebs führen könnte, ist seit Jahren Thema auf Kongressen, hat aber das öffentliche Bewusstsein noch kaum erreicht.

Wie ist es sonst denkbar, dass immer noch Licht installiert wird, welches „dem Menschen nicht angepasst“ ist (Prof. Dr. Richard Funk) und laut wachsendem Verdacht eine neue Zivilisationskrankheit von verheerendem Ausmaß hervorrufen kann? Die Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) schreitet voran, im schlimmsten Fall mit Erblindung im Alter.

Was geschah?

Nach der größten kulturellen Erfindung des letzten Jahrtausends, dem Glühlicht aus elektrischem Strom, rationalisierte man diese verblüffend einfache (und im Spektrum sonnenidente) Lichttechnik hinweg zu Gunsten einer hochkomplizierten Gasentladungslampe (Leuchtstoff- oder Fluoreszenzlicht, heute vor allem die Energie„spar“lampe), die Giftstoffe enthält, die eigentlich fachgerecht entsorgt werden müsste, deren Erzeugung viel verdeckte Energie und Sonderkosten erfordert. Und eines sicher nicht hat: Das natürliche, lückenlose Lichtspektrum der Sonne und des Lichtes am Tage.

Dazu kommt meist eine unnatürliche Zeitverteilung der Beleuchtung, auch technische Eigenheiten wie zerhackte Lichtphasen (flickering), Blendung oder generell zu hohe Lichtwerte. Eine Lebensraumveränderung größten Ausmaßes! Hier müsste man ein anderes Auge, eine andere Netzhaut, ein anderes Seh-Nervensystem besitzen, welches diese neuen Verhältnisse verträgt. Umsonst. Unser Auge ist an einen Naturzustand angepasst – das Licht Afrikas durch 5 Millionen Jahre – und dies ist auch genetisch fixiert.

Es bleiben, wie auch allgemein in der Evolution, zwei Möglichkeiten: Anpassung - oder Wechsel der Verhältnisse.

Eine Herausforderung

Hält diese Veränderung an, so fordert man die menschliche Natur weiter heraus. Glaubt man an eine allmähliche Anpassung und an irgend eine neue Gruppe von Menschen, die vielleicht genug Resistenz entwickeln können, dann opfert man allerdings bis dorthin eine Unzahl nicht anpassungsfähiger Individuen – sprich: man lässt sie krank werden und unter Umständen auch sterben – vgl. die Ausführungen von Prof. Dr. Eva Schernhammer (Univ. Boston) zu Licht und Krebsgefahr.

Da ist es wohl besser, man ändert die Bedingungen im Lebensraum und entwickelt ein besseres Licht, das den biologischen Grundlagen des Menschen angepasst ist: Licht, das nicht nur nicht schädigen kann, sondern die Gesundheit sogar fördert.

Licht und Farbe für Gesundheit?

Dies war die zentrale Frage der gleichnamigen Konferenz im LKH Univ. Klinikum Graz, im November 2013. 16 Vortragende berichteten aus Forschung und Baupraxis. Sie zeigten, dass man gegenwärtig bei Neubau oder Revitalisierung noch kaum von den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgeht: Geplant und gebaut wird wie eh und je, Warnungen werden ignoriert, die Baukosten sind wichtiger als die Lebensqualität. Krankenhäuser, Arztpraxen, Kindergärten, Schulen, Betriebsstätten weisen auf weite Strecken noch immer eine Beleuchtung auf, die heute als gefährlich eingestuft wird: Unphysiologisch kalte Lichtfarben mit unkomplettem Lichtspektrum und hohen Blaulichtwerten, dazu „klinisches Weiß“ und gar noch Grau und Schwarz im Raumbild statt einer gepflegten lebensfördernden Atmosphäre.

Chronobiologie statt Montonie

Moderne Augenmedizin und Zellbiologie zeigen, dass die Zusammensetzung des Lichtspektrums höchste Bedeutung hat:

Bei Planungen sollte man daher die Leuchtmittel kritisch auswählen und nach der Installation die spektralen Lichtwerte in den Räumen nochmals messen. In einem Wiener Krankenhaus wurde diese Maßnahme Ende 2013 genau befolgt.

Chronobiologie statt Monotonie: Starre Lichtwerte über den ganzen Tag blockieren biologische Rhythmen. Richtig ist es daher, eine „Tageslichtanpassung“ zu planen, bei welcher die Beleuchtungsstärken und Lichtfarben sich ändern.

Licht am Arbeitsplatz

Auch unter dem Aspekt der Arbeitssicherheit und des Arbeitnehmerinnenschutzes muss Licht betrachtet werden. Licht kann ebenso zur psychischen Belastung werden wie es anderseits auch Entspannung und Glückgefühle hervorrufen kann – warum also nicht dem Arbeitsplatz einen Touch jener paradiesischen Vollkommenheit verleihen, den uns das Sonnenlicht immer schon geschenkt hat?

Dass dies technisch bereits möglich ist, zeigen Fachleute der Lichttechnik und Festkörperphysik: die neuen LEDs sind tatsächlich im Stande, ein gesünderes Licht hervorzubringen, wenn Ihr Spektrum entsprechend verbessert wird: freundliches warmfarbiges Licht mit ungefährlichem Blauanteil und dennoch 94% Farbrichtigkeit! Und auch das belastende Flickern ist bei guter Planung beherrschbar.

Erkenntnisse über Licht führen noch weiter

Bereits 1903 erhielt Niels Ryberg Finsen den medizinischen Nobelpreis für seine Lichttherapie. Während die Wirkung des Lichtes durch den gezielten Einsatz als Licht- und Chromotherapie noch wesentlich gesteigert werden kann, hat auch jedes „normale“ Licht, wo immer wir es empfangen, eine latente therapeutische Wirkung. Klar geht daraus hervor, dass ein Billiglicht wie für Magazine und untergeordnete Verbindungszonen (dafür hatte man das Entladungslicht ja seiner Zeit geschaffen) keineswegs geeignet ist für Krankenzimmer, einen Untersuchungs- und Behandlungsräume oder eine Intensivstation. Heute liegen neue gesundheitsorientierte Lichtplanungsprinzipien vor – man braucht sie nur durchzuführen. Und es gibt bereits verblüffende Erfolgsbeispiele bei neuesten Bauausführungen, auch in Kombination mit psychisch, ergonomisch und therapeutisch optimierten Farbkonzepten.

Im Krankenbereich: höchste Verantwortung

Lichtplanung im Krankenbereich bedeutet höchste Verantwortung. Besonders hier kann nicht unkritisch einer Praxis gefolgt werden, die bei Bauvorhaben auf finanzielle Einsparung mehr bedacht ist als auf die Gesundheit von Patienten, Ärzten und Pflegepersonal.

Vor 80 bis 100 Jahren war die Lichtindustrie noch stark und nachhaltig auf Lichtgesundheit ausgerichtet. Wo stehen wir heute?

Fazit für die Praxis

Nur eine breite öffentliche Aufklärung über die gesundheitliche Wichtigkeit von Licht – wie auch über moderne Lichtgefahren – kann ein Umdenken im Planungsgeschehen hervorrufen. An erster Stelle steht der Mensch.

Korrespondenz:

Karl Albert FISCHER

Leiter des Österreichischen Instituts für Licht und Farbe

ehm. Univ.Lekt. Prof. Mag.art., Member of AHC

Beratung Forschung Design Event Schulungen

Cumberlandstraße 6/18

A-1140 Wien

Tel.: (+43) 664 / 20 11 895

Internet: www.lichtundfarbe.at

Karl Albert Fischer, komplementärmedizin 2/2015

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