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Komplementärmedizin 15. Juni 2015

Tag der Homöopathie 2015

Akute Magen- und Darmerkrankungen homöopathisch behandeln

Der Tag der Homöopathie, der jährlich im Frühjahr von der Initiative „Homöopathie hilft“ und der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) veranstaltet wird, stand heuer im Zeichen der Magen-und Darmerkrankungen.

Neben einem Vortrag von Dr. Ilse Fleck-Vaclavik, der sich mit der homöopathischen Akuttherapie dieser Erkrankungen beschäftigte, wurde auch ausführlich zum Thema Nahrungsmittel-Intoleranz und ihre homöopathische Begleitung von Dr. Katrin Strauch informiert. Dr. Wolfgang Jezek erläuterte in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen Darm und Psyche und zeigte anhand eindrucksvoller Beispiele aus der Praxis, wie gut homöopathische Arzneien auch diesen Themenbereich abdecken können.

Komplementärmedizin boomt

Die Nachfrage der Patienten nach komplementären Heilmethoden ist stetig im Steigen. Die Homöopathie ist in Österreich eine ärztliche Methode, was für die Hilfe suchenden Patienten den Vorteil hat, auch einem gut ausgebildeten Schulmediziner gegenüber zu sitzen, der Erkrankungen, die einer dringenden Abklärung bedürfen, erkennen kann und dementsprechend handelt.

Homöopathie im Praxisalltag

Klassisch ausgebildete Homöopathen verordnen nach dem Ähnlichkeitsprinzip („Similia similibus curentur“) Einzelarzneien, weshalb es wichtig ist, die Arzneimittellehre und die darin für die jeweilige homöopathische Arznei festgehaltenen typischen Symptome zu kennen. Dann ist es auch für homöopathisch interessierte Allgemeinmediziner gut in den Praxisalltag integrierbar, akute Beschwerden des Magen-Darmtraktes auf diesem Weg zu behandeln und zu heilen.

Die hierfür notwendige Anamnese braucht nur wenig Zeit, und die Verordnung kann rasch erfolgen.

Homöopathische Einzelarzneien

- bei Bauchkrämpfen

Colocynthis (Koloquinte) gehört zur Familie der Cucurbitaceae und stammt ursprünglich aus dem tropischen Afrika. Diese Arznei ist angezeigt, wenn sich Patienten mit krampfartigen Bauchschmerzen in der Praxis vorstellen; typisch bei diesem Arzneimittelbild sind die Besserung der Beschwerden durch Wärme und Zusammenkrümmen, ebenso bessert harter Druck. Die damit manchmal verbundenen Durchfälle treten direkt nach dem Essen auf. Als Auslöser der Beschwerden kann häufig Ärger und/oder Entrüstung im Gespräch mit dem Patienten erhoben werden. Colocynthis ist jedoch nicht nur bei Magen-Darmbeschwerden hilfreich, sondern auch eine ausgezeichnete Arznei bei Menstruationsbeschwerden oder Harnwegsinfekte, die die oben genannten Symptome aufweisen.

- bei Nausea

Als wichtige Arzneien in der Behandlung der Nausea mit und ohne Erbrechen wurden im Rahmen des Vortrages Ipecacuanha (Brechwurzel) sowie Tabacum (Tabak) präsentiert. Typisch für das Zustandsbild der Patienten, die Ipecacuanha brauchen, ist eine andauernde Übelkeit, häufig verbunden mit dem Gefühl, der Magen würde schlaff herabhängen. Kennzeichnend sind weiters eine auffallend saubere, nicht belegt Zunge und Speichelfluss.

- bei starker Übelkeit

Tabacum hingegen hilft jenen Patienten, die auffallend blass sind, erzählen dass ihnen „totenübel“ ist und trotz des ausgeprägten Kältegefühls den Bauch freimachen möchte.

Fallbeispiel: Reizdarm-Syndrom

Anhand eines Fallbeispieles einer Patientin mit Reizdarm-Syndrom konnte gut dargestellt werden, dass in der Homöopathie scheinbar „akute“ Erkrankungen auch Ausdruck einer tieferliegenden chronischen Störung sein können.

Patientin M., 23 Jahre alt, kommt wegen seit einigen Monaten bestehender Bauchschmerzen in die Ordination. Nach unauffälliger Durchuntersuchung beim Facharzt wurde die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt; die dafür verordneten Medikamente haben die Beschwerden jedoch nicht gebessert.

Die 23-jährige Patientin berichtet, dass die Bauchschmerzen ca. 2 Stunden nach dem Essen auftreten, es ist jedoch nicht erhebbar, welche Speisen verschlechtern, die Verträglichkeit diverser Speisen ist sehr unterschiedlich. Manchmal kommt Durchfall dazu, der Stuhl ist dann auch von Schleim bedeckt. Die Schmerzen werden als zwickend, kneifend und sich über das gesamte Abdomen erstreckend beschrieben. Wärme bessert die Beschwerden. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass die ersten Symptome aufgetreten sind, als sich die Patientin zwei Jahre zuvor für eine Aufnahmeprüfung auf die Universität vorbereitet hat. Die Beschwerden kommen vor allem in der prüfungsintensiven Zeit gehäuft vor, in den Ferien geht es deutlich besser. Die Patientin wird auch von den Angehörigen als sehr ehrgeizig beschrieben, sie macht sich selbst sehr viel Druck. In den Phasen der Prüfungsvorbereitung trinkt sie viel Kaffee, schläft wenig.

Die Repertorisation der hochwertigen, auffallenden Symptome nach §153 des Organon ergibt „Nux vomica“. Die Patientin erhält als Therapie 5 Globuli Nux vomica C200.

Die Symptome bessern sich rasch, die Patientin ist nach wenigen Tagen beschwerdefrei.

In der folgenden Zeit treten die Bauchschmerzen und Durchfälle nur noch vor großen Prüfungen oder Belastungssituationen auf; die wiederholte Gabe von Nux vomica bringt jedes Mal die prompte Besserung.

Behandlung der zugrunde- liegenden chronischen Störung

Das Fallbeispiel zeigt anschaulich, dass die akuten Symptome Ausdruck einer chronischen zugrunde liegenden Störung sind. Die Arznei Nux vomica ist meist nur als „Katerarznei“ bekannt, die zum Einsatz kommt, wenn Menschen von allem „zuviel“ konsumieren (Nikotin, Essen, Kaffee, Alkohol), was häufig auch bei Managern der Fall ist. Weniger offensichtlich ist die pflichtbewusste Seite des Nux vomica Patienten, der sich im Einsatz für die Arbeit mit Genussmitteln stimuliert, um trotz zunehmender Erschöpfung leistungsfähig zu bleiben.

Die Patientin konnte mithilfe der richtig gewählten homöopathischen Arznei dauerhaft und nebenwirkungsfrei bei ihren Beschwerden geholfen werden. Darüber hinaus liegt der Vorteil der homöopathischen Behandlung auch auf der ökonomischen Seite, was in Zeiten der immer mehr explodierenden Kosten im Gesundheitssektor ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist.

Fazit für die Praxis

Im Rahmen des Tages der Homöopathie, der heuer dem Thema „Magen- und Darmerkrankungen“ gewidmet war, konnten interessierte Kollegen und Laien erfahren, wie akute Beschwerden mit homöopathischen Arzneien rasch und gründlich behoben werden können. Mithilfe guter Kenntnisse der Arzneimittelbilder lassen sich homöopathische Verordnungen gut in den Praxisalltag integrieren.

Korrespondenz:

Dr. med. Ilse Fleck-Vaclavik

Ärztin für Allgemeinmedizin

ÖÄK Diplom für Akupunktur

ÖÄK Diplom für Homöopathie

ÖÄK Diplom für Orthomolekulare Medizin

Fortbildungsdiplom der Österr.

Ärztekammer

Ordination: Donauwörtherstraße 20

A-2380 Perchtoldsdorf

Tel: 01/ 867 24 20

E-Mail:

 

Literatur:

Phatak: Arzneimittel-Lehre

Boericke: Handbuch der homöopathischen Arzneimittel-Lehre

Radar Opus- Repertorisations- Programm für Computer

Ilse Fleck-Vaclavik, komplementärmedizin 2/2015

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