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© Dr. Michaela Bijak
Aufgrund einer umfangreichen Studienlage und des breiten Einsatzgebietes bieten viele Ärzte ihren Patienten eine Lasertherapie an.
 
Komplementärmedizin 5. September 2014

Die sanfte Akupunktur

Softlasertherapie (Low Level Laser Therapie - LLLT)

Akupunktur, eine über zweitausend Jahre alte und wohl die bekannteste Heilmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), fand vor etwa 60 Jahren ihren Weg nach Österreich. 1953 gründete Johannes Bischko, ein Wiener Chirurg, die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur (ÖGA), die sich seitdem nicht nur der Therapie, sondern auch der Lehre und Erforschung der TCM widmet.

Das Wort „Akupunktur“ setzt sich ursprünglich aus den lateinischen Wörtern: „acus“ - Nadel und „pungere“ - stechen zusammen. In der chinesischen Tradition bedeutet Akupunktur aber mehr als nur Nadeln in ausgewählte Körperstellen zu stechen. Darauf nimmt der ursprüngliche chinesische Name ZHEN JIU Bezug, der als „Nadeln stechen und Moxakraut brennen“ übersetzt werden kann. Ein Akupunkturpunkt lässt sich also auf verschiedenste Art stimulieren. So lag es nahe, für Kinder und sensible Patienten, bei denen schon das Wort „Nadel“ Ablehnung oder Angst hervorruft eine „sanftere“ Methode zu finden, um einen Akupunkturpunkt wirkungsvoll zu behandeln. In der Wiener Poliklinik, damals Zentrum und Sitz der ÖGA, wurden in den 1970er Jahren mit diversen Untersuchungen zu Wirkung und Einsatzmöglichkeiten von Lasergeräten in der Akupunktur begonnen.

Vereinfachte Grundlagen

LASER steht als Akronym für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“, was als „Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung“ übersetzt wird. Ohne physikalische Vorkenntnisse erschließt sich dem Laien die Bedeutung dieses Satzes nicht auf den ersten Blick.

Licht: spontane Emission

Erinnern wir uns ein wenig an den Physikunterricht, so wissen wir, dass Licht Eigenschaften sowohl eines Teilchen als auch einer Welle aufweist. Wenn Atome mit beliebiger zusätzlicher Energie versorgt werden, entledigen sie sich des energetischen Überschusses, indem sie eine Lichtwelle aussenden. Gemäß den Gesetzen der Quantenphysik erfolgt diese Lichtabgabe zufällig, es ist völlig unbestimmt, wann und in welche Richtung das Licht abgestrahlt wird. Ein Atom mit überschüssiger Energie würde also ohne weiteres Zutun spontan Licht aussenden. Deshalb wird dieser Effekt als spontane Emission bezeichnet.

Laser: stimulierte Emission

Im Unterschied dazu erfolgt die Lichtabstrahlung bei Lasern in Form einer stimulierten Emission. Wird das Atom mit einer Lichtwelle der entsprechenden Energie versorgt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Atom auch die restlichen Eigenschaften der Welle imitiert, es strahlt Licht ab, das mit der ursprünglichen Lichtwelle im Takt schwingt und sich in dieselbe Richtung ausbreitet. Die einzelnen Quanten interferieren in einer geordneten Struktur und breiten sich streng parallel zueinander aus. Dieses Phänomen bezeichnet man als Kohärenz. Werden die Lichtwellen mit Hilfe von Spiegeln immer wieder an energiereichen Atomen vorbeigeführt, verstärkt sich der Effekt: „Lichtverstärkung durch stimulierte Emission“.

Neben der Kohärenz ist Laser noch durch Monochromasie gekennzeichnet: es wird Licht eines schmalen Farbspektrums ausgesendet. Für die Akupunktur sind Geräte mit Wellenlängen und Frequenzen im Rotbereich oder Infrarot in Verwendung, in den letzten Jahren werden auch Grün- oder Blaulichtgeräte getestet. Für die Klassifikation sind verschiedene physikalische Messgrößen maßgeblich: Leistung (Watt W), Wellenlänge (Nanometer nm), Leistungsdichte (W/cm2) und Energiedichte (Joule/cm2). Die Leistungsdichte bei den Akupunkturlasern liegt in einem sehr niedrigen Bereich (1-100 mW/cm2), weshalb man von Softlasertherapie oder Low Level Laser Therapie (LLLT) spricht. Für den optimalen Einsatz eines Therapielasers sind noch viel mehr Eigenschaften zu bestimmen: Frequenzen (Schwingungen pro Sekunde), kontinuierliche oder gepulste Strahlung, die Absorptionsfähigkeit der Haut, daraus resultierend die Eindringtiefe und noch vieles mehr wird in der komplexen biophysikalischen Grundlagenwelt der Quantentheorie bedacht [1].

Kurze Geschichte

Albert Einstein legte ca. 1917 mit seinen Versuchen zu stimulierter Emission von Licht auch den Grundstein für die Entwicklung des Lasers. Allerdings vergingen noch einige Jahrzehnte, bis der erste funktionsfähige Laser entwickelt wurde. Aufbauend auf den Arbeiten von Charles Townes, der in den 1950er Jahren zeigte, dass mit Hilfe der stimulierten Emission eine besondere Lichtquelle gebaut werden kann und für seine Arbeit auch den Nobelpreis erhielt, stellte der Amerikaner Ted Maiman 1960 den ersten funktionierenden Laserstrahl vor. Er regte einen Rubinstab mit einem Impulsblitz an und beobachtete zum ersten Mal eine im sichtbaren Spektrum emittierende kohärente Strahlungsquelle [2]. Noch im selben Jahr folgte die Fertigstellung eines Helium-Neon-Lasers, mit dem dann auch die ersten Akupunkturforschungen durchgeführt wurden. Seit 1978 haben sich Diodenlaser in der Verwendung als Softlaser durchgesetzt. Sie sind billiger in der Herstellung, kommen mit viel weniger technischem Zusatzequipment aus, können mit Akkus oder Batterien betrieben werden, sind dadurch wesentlich kleiner und einfacher in der Handhabung.

Bischko und sein Team experimentierten mit einem Helium - Neon Laser von 632nm Wellenlänge und einer Ausgangsleistung von 2mW/cm2. Sie konnten nachweisen, dass an bestimmten Akupunkturpunkten durch Bestrahlung für 15 Sekunden ähnliche biophysikalische Veränderungen stattfanden, wie sie auch nach dem Stechen einer Nadel messbar waren. Versuche zu Risiken bzw. zur gefahrlosen Anwendung des Lasers fanden statt. Schweinehaut, die ähnlich wie die menschliche Haut aufgebaut ist, wurde tagelang bestrahlt, ohne dass es zu sichtbaren Schädigungen der Haut gekommen war. Lediglich über Gehirnarealen, die nicht von Knochen bedeckt sind, etwa bei Kindern im Bereich der Fontanellen oder bei Patienten nach Schädeloperationen sollte nicht bestrahlt werden [3] (siehe Tabelle 1: Kontraindikationen).

Die Entwicklung des Lasers ist noch lange nicht abgeschlossen. In einer Kooperation des Biochemikers und Mediziners Michael Weber mit dem Laserphysiker Detlef Schikora wurde 1996 die Laserneedle entwickelt, die eine gleichzeitige Bestrahlung von mehreren Akupunkturpunkten ermöglicht [4].

Indikationen

Unzählige wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile den Effekt der Low Level Laser Therapie. Neben der punktförmigen Bestrahlung von Akupunkturpunkten bei Kindern findet der Laser noch durch seine vielfältigen Wirkungen ein breites Indikationsfeld. Er wirkt antiinflammatorisch, analgetisch, regulativ auf die Durchblutung, photodynamisch, zellproliferativ und immunologisch. Bewährte Indikationen sind unter anderem Wundheilungsstörungen (z. B. beim Diabetiker, Ulcus cruris …), Narben, Sinusitiden, Herpes simplex, Herpes zoster (möglichst frühzeitige Bestrahlung der Effloreszenzen), Akne, Neurodermitis, Achillodynie, Fersensporn [5-10]. Patienten mit Indikationen aus Orthopädie, physikalischer Therapie, Dermatologie, Zahnheilkunde profitieren schon seit vielen Jahren von der Wirkung der LLLT.

Unter Beachtung der Schutzvorschriften (Tab. 1) sind keinerlei Nebenwirkungen zu erwarten.

Fazit:

Nicht nur unter den Patienten findet die schmerzfreie ganzheitsmedizinisch orientierte Low Level Laser Therapie zahlreiche Anhänger. Aufgrund einer umfangreichen Studienlage und des breiten Einsatzgebietes bieten viele Ärzte ihren Patienten eine Lasertherapie an. Der einzige Nachteil: die vielen Vorteile haben auch ihren Preis.

Publikationen

1. Romberg H. Physikalische Grundlagen der Lasertherapie. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur (DZA) 2005;48:33-41

2. Maiman T. The first experimental LASER - Stimulated optical emission in Ruby. Nature 1960;187:493-494

3. Bischko J. Sonderformen der Akupunktur. Haug Verlag, 1981

4. Weber M. Nadeln aus Licht - Vorstellung einer neuen Therapiemethode. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur (DZA) 2005;24-30

5. Raith W, Schmölzer GM, Resch B, Seewann M, Müller W, Urlesberger B. Laserakupunktur als Therapie bei ausgeprägter Unruhe bei einem ehemaligen Frühgeborenen der 28. Schwangerschaftswoche. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur (DZA) 2008;51:33-36

6. Raith W. Resch B, Urlesberger B. Laserakupunktur als unterstützende Therapie beim Neugeborenen mit Entzugssyndrom aufgrund mütterlicher Substitutionstherapie. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur (DZA) 2014;57:12-17

7. Hausmann B. Veränderungen der Herzratenvariabilität (HRV) während Low Level Lasernadelakupunktur - Placebokontrollierte Studie an 19 herzgesunden Probanden. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur (DZA) 2008;51:17-23

8. Bijak M. Patient mit Fersensporn. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur (DZA)2010; 53:43-45

9. Schindl A, Neumann R. Low-intensity laser therapy is an effective treatment for recurrent herpes simplex infection. Results from a randomized double-blind placebo-controlled study. J Invest Dermatol. 1999;113(2):221-3

10. Enwemeka CS, Parker JC, Dowdy DS, Harkness EE, Harkness LE, Woodruff LD. The Efficacy of Low-Power Lasers in Tissue Repair and Pain Control: A Meta-Analysis Study. Photomedicine and Laser Surgery. 2004,22(4):323-3

Korrespondenz:

Dr. Michaela Bijak,

FA für Allgemeinmedizin

Akupunkturambulanz des KH Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Riedelgasse 5,

A-1130 Wien

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