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Dr. Mario Mayrhoffer Arzt für Allgemeinmedizin, Parsival- Therapeutikum, Klagenfurt
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Herzbeschwerden sind ein Warnzeichen. Es gilt, sie abzuklären und eine passende Therapie zu beginnen.

 
Komplementärmedizin 5. September 2014

Herzbeschwerden? - Eigene Ressourcen stärken!

Die Anthroposophische Medizin bietet Möglichkeiten, Selbstheilungskräfte anzuregen.

Über seine Erfahrungen mit der anthroposophischen Medizin und im Besonderen mit Cardiodoron® sprachen wir mit Dr. Mario Mayrhoffer, Parsival-Therapeutikum, Klagenfurt.

Die Anthroposophische Medizin (AM) ist in Deutschland als besondere Therapierichtung vom Gesetzgeber anerkannt. Sie wird weltweit in über 40 Ländern praktiziert. Welchen Stellenwert hat diese in Österreich?

Mayrhoffer: Die AM ist als komplementär medizinischen Therapierichtungen von der Österreichischen Ärztekammer anerkannt. Als postgraduate Ausbildung kann der/die Arzt/In das Ärztekammerdiplom für die AM erwerben. Dieses berechtigt dann zur Ausübung dieser integrativen Therapiemethode. Für die Ausbildung verantwortlich ist die Gesellschaft Anthroposophische Medizin Österreichs (GAMÖ).

Der Bekanntheitsgrad bei den Ärzten und Patienten ist bei weitem nicht vergleichbar mit der Homöopathie oder Akupunktur. Da gibt es noch großes Wachstumspotential.

Die meisten Patienten, die uns aufsuchen, wollen entweder eine Ergänzung zu einer bereits eingeschlagenen Therapie oder suchen nach einer echten Alternative, nachdem z.B. eine 4 -malige Antibiotikagabe die rezidivierende Ohrenentzündung des 10-jährigen Maximilian nicht heilen konnte.

Ist die Anthroposophische Medizin als eigenständige Medizin anwendbar, oder beschränkt sie sich auf eine ergänzende Tätigkeit im Rahmen der Schulmedizin?

Mayrhoffer: Seit der Zeit ihrer Begründung in den 20iger Jahren des 20 Jahrhunderts versteht sich die AM als eine integrative Therapiemethode. Der sinnvolle Einsatz der Schulmedizin bei der manifesten Erkrankung bildet die Basis. Die Ergänzung richtet sich meist auf die Anregung, Ordnung oder Modulation der Selbstheilungskräfte des Organismus. Ich wähle absichtlich den Begriff der Selbstheilungskräfte, weil dieser Bereich des Organismus in der AM ein sehr differenziertes Feld des Diagnostizierens, Therapierens und Forschens eröffnet. Selbst wenn dort nichts Messbares ist, bemüht sich der Anthroposophische Arzt objektiv Fassbares zu finden und so eine rationale, nachvollziehbare Therapie einzuschlagen.

Bei funktionellen Störungen, psychosomatischen Erkrankungen, latenten Erkrankungen, austherapierten Patienten oder in der Sekundärprävention kommt es oft vor, das wir nur AM anwenden. Dabei sind wir bemüht, den Patienten bei seinen Genesungs- und Heilungsschritten möglichst aktiv und selbstverantwortlich mit einzubinden.

Gibt es bestimmte Indikationen, bei welchen Sie die Anthroposophische Medizin empfehlen?

Mayrhoffer: Wenn Sie Obiges berücksichtigen, ergibt sich ein sehr großes Therapiespektrum in fast allen häufigen Indikationsbereichen über alle Lebensalter hinweg. Als spezielle Herausforderung sehen wir die Tumorkrankheit, wo wir mit einem sehr breiten patientenzentrierten Therapiekonzept die häufig nur tumorzentrierten onkologischen Therapien begleiten und in der Sekundärprophylaxe (und Primärprophylaxe) interdisziplinäre Unterstützung anbieten. So können wir den Patienten gut bis sehr gut begleiten . Bei der medikamentösen Therapien spielt die Mistel die Hauptrolle. Dazu kommen Pflege- und Massagetherapien, Kunsttherapien, Öldispersionsbäder, meditativ geführte Bewegungstherapien (Heileurythmie) und das Gespräch.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Anthroposophischen Medizin bei Herzbeschwerden?

Mayrhoffer: Eigentlich recht gute! Da wir in der AM das Herz nicht nur als mechanisch/motorisches Zirkulationsorgan sehen, sondern im auch eine zentrale Stellung in der belebend-gesundenden rhythmischen Organisation (z.B. Herzratenvariabilität) geben, versuchen wir auch dort die gesamten Ressourcen dieses Organes anzusprechen. Die Indikation reicht von der leichten Angina pectoris, passageren Herzrhythmusstörungen bis zur leichten bis mittelstarken Herzinsuffizienz oder dem „Altersherz“. Weiters setzen wir AM bei nervösen Herzbeschwerden, herzorganbezogenen seelischen Störungen wie Panikattacken, Ängsten, Depressionen oder existentiellen Krisensituationen ein. Gerne auch als Herz-Begleittherapie bei fortgeschrittenen Lungenerkrankungen.

Zusätzlich spielen die Rhythmustherapien wie rhythmische Massage, Heileurythmie und Wickel und Auflagen im Herz-Brustbereich als Externa eine Rolle.

Bitte berichten Sie uns über Ihre Erfahrungen mit dem Kombinationspräparat Cardiodoron®!

Mayrhoffer: Cardiodoron® ist ein Kombinationspräparat von Bilsenkraut, Himmelschlüssel und Eselsdistel. Also drei primär nicht herzkreislauforientierte Heilpflanzen. Aber in der Komposition und speziellen pharmazeutischen Zubereitung entwickelt das Präparat Herzkreislaufwirkung. Unsere durchgeführte randomisierte Doppelblindstudie mit Cardiodoron® zeigte eine eindeutige Wirksamkeit beim hypotonen Symptomenkomplex mit nachhaltiger Wirkung in der Nachbeobachtungszeit. Sehr interessant waren auch die Chronomedizinischen Begleitmessungen, die eine Verstärkung der ordnenden Rhythmuskraft (pattern predominance) am Puls/Atemquotienten in der mittleren Schlafperiode erkennen ließ. Dieses Heilmittel hat eine langsame, tiefgreifende Wirkung im Regulationsbereich des Herz-Kreislaufsystems, so dass eine Anwendungszeit von bis zu drei Monaten sinnvoll erscheint. Die Verträglichkeit ist sehr gut, wir setzten es auch in der Schwangerschaft und bei Kindern mit gutem Gewissen ein.

Als „Geschenk“ für das Herzkreislaufsystem (Doron = Geschenk) und der balancierenden Rhythmustätigkeit setzen wir es ein bei: Hypo- und leichter Hypertonie, Infektionskrankheiten, Asthma bronchiale, COPD, Schlafstörungen, Jetlag, Erschöpfung, bei manifesten Herzrhythmusstörungen als Begleitung, bei leichter Herzinsuffizienz und nervösem Herzleiden.

Meine Mutter nimmt es als Einschlafhilfe.

Vielen Dank für das informative Gespräch! Nur noch eine Frage: Wo können sich interessierte Kollegen über die Anthroposophische Medizin in Österreich informieren?

Mayrhoffer: Im Internet unter www.anthromed.at und www.carus-akademie.at

Das Gespräch führte Dr. Renate Höhl am 1. September 2014.

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