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© Margit Gietler / panthermedia.net

Bild 1: Klinisch relevante Lebenszeitverlängerung (Subgruppen)Mit freundlicher Genehmigung von Weleda

 
Komplementärmedizin 16. Juni 2014

Neue Erkenntnisse der Misteltherapie

Immer mehr Tumorpatienten wünschen eine komplementäre Therapiebegleitung.

Die Mistel ist wohl eine der bekanntesten und am längsten erprobten Methoden der komplementären Krebstherapie. Verwendung findet die weißbeerige Mistel, deren immunmodulierenden und antitumoralen Wirkungen wissenschaftlich belegt sind. Als entscheidende Inhaltsstoffe gelten die Viscotoxine und Mistellektine, die je nach Wirtsbaum unterschiedlich sind und daher je nach Tumorlokalisation und Tumorart zur Wahl des passenden Präparates führen. Gestaffelte Wirkstoffkonzentration ermöglichen eine individuelle Dosisfindung je nach Reaktionslage des Patienten.

Seit beinahe 100 Jahren wird sie in der Tumortherapie erfolgreich eingesetzt, vermindert die Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie, verbessert die Lebensqualität der Patienten und hebt die Stimmungslage.

Misteltherapie bei Pankreaskarzinom

Eine vor kurzem veröffentlichte Studie zeigt jetzt eindrucksvoll nicht nur eine Verbesserung der Lebensqualität beim Pankreaskarzinom, sondern auch eine signifikante Verlängerung der Überlebenszeit.

Pankreaskarzinome sind zwar nur für weniger als 5% der bösartigen Tumore verantwortlich, rangieren in der Statistik für Krebstodesursachen jedoch an 4. Stelle.

Die vor kurzem veröffentlichte Studien von Galun et. al. und Tröger et. al. schloss Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Adenokarzinom des Pankreas ein.

In der prospektiven, offenen, randomisierten Phase III Studie wurde den Patienten entweder dreimal wöchentlich Iscador® Qu subcutan injiziert. Zusätzlich erhielten die Patienten BSC (Best supportive Care), während die andere Gruppe BSC ohne antineoplastische Therapie erhielt.

Beide Studienarme wurden hinsichtlich Gesamtüberleben und Lebensqualität verglichen.

Es zeigte sich ein medianes Gesamtüberleben der Mistelgruppe von 4,8 Monaten gegenüber 2,7 in der Kontrollgruppe (p<0,0001) bei einer deutlich verbesserten Lebensqualität der Mistelgruppe. Nach 12 Monaten waren noch 17 von 110 Patienten der Iscador®-Gruppe und 2 von 110 Patienten der Kontroll-Gruppe am Leben.

Fazit: Die mit Misteltherapie behandelten Patienten lebten nicht nur länger, sondern das auch bei besserer Lebensqualität, was dazu führte, dass die Studie auf Anraten der Gutachter vorzeitig beendet wurde.

Keine Interaktion mit Chemotherapie

Arbeiten aus den USA zeigen u.a. auch, dass die Wirkung der Chemotherapie durch die gleichzeitige Gabe von Helixor® nicht negativ beeinflusst wurde. Das Thema der additiven Gabe eines Mistelpräparates zur Chemotherapie wird seit Jahren teilweise heftig diskutiert. Kritiker befürchten bei gleichzeitiger Verabreichung eine Interaktion des Mistelextraktes mit dem Chemotherapeutikum und dadurch in weiterer Folge eine verringerte Wirksamkeit der konventionellen Therapie.

Die Arbeit von Mansky et. al. im Journal of Clinical Oncology testete in einer Phase I Studie die Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Kombination von Gemcitabin und Mistelextrakt.

Es wurden Patienten mit fortgeschrittenem Karzinom der Mamma (12), des Pankreas (10), sowie Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchuskarzinom (5) sowie ein Patient mit colo-rektalem Karzinom in die Studie aufgenommen. Bei allen Erkrankungen (außer colo-rektales Karzinom) ist Gemcitabin als Monotherapie im fortgeschrittenen Stadium zugelassen.

Bei der in zwei Phasen geteilten Studie wurde in der ersten Phase eine konstante Gemcitabin-Dosis verabreicht und die Misteldosis bis zur MTD (maximal tolerable Dosis) von 250mg gesteigert. Es traten keinerlei dosislimitierende Toxizitäten auf.

Im zweiten Abschnitt der Studie wurde bei einer konstanten Misteldosis von 250mg die Gemcitabin-Dosis von 900mg/m² bis max. 2.246mg/m² bzw. MTD gesteigert. Hierbei zeigte sich einerseits, dass Gemcitabin durch Zugabe von Helixor A in seiner Wirkung nicht beeinträchtigt wurde.

Darüber hinaus konnten bei guter Verträglichkeit um 30% höhere Dosen des Chemotherapeutikums als üblich gegeben werden, was für die Möglichkeit einer erhöhten Effektivität der Chemotherapie durch Zugabe von Helixor spricht.

Bemerkenswert war auch die Verbesserung der Verträglichkeit von Gemcitabin, vor allem in Hinblick auf Neutropenie. Dieses seltenere Auftreten von Neutropenien konnte auch bei anderen Studien, z.B. beim Mammakarzinom gezeigt werden.

Weitere Forschung erwünscht

Da immer mehr Tumorpatienten komplementäre Therapiebegleitung wünschen, sind weitere Forschungen in dieser Richtung wünschenswert, um die teilweise bestehenden Bedenken der Schulmedizin fachlich fundiert zu widerlegen und durch weitere Wirksamkeitsnachweise eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Onkologen, Strahlentherapeuten und Komplementärmedizinern zu ermöglichen.

LITERATUR:

1. Galun D et al.: mistletoe extract therapy versus no antineoplastic therapy in patients with locally advanced or metastatic pancreatic cancer; Annals of Oncology 2012, vol. 23 suppl. 9: 712P

2. Tröger W. et al.: Viscum album extract therapy in patients with locally advanced or metastatic pancreatic cancer: a randomized clinical trial on overall survival; European Journal of Cancer, 49; 3788-3797 (2013)

3. Mansky P.J. et al: NCCAM/NCI phase I study of mistletoe extract and gemcitabine in patients with advanced solid tumors. J. Clin. Oncol. 28: 15S, 2010 (suppl abstr. 2559)

4. Cochrane Database Syst Rev. 2008 Apr 16;(2):CD003297. doi: 10.1002/14651858.CD003297.pub2. Mistletoe therapy in oncology.

Horneber MA1, Bueschel G, Huber R, Linde K, Rostock M.

Fazit für die Praxis:

Neue Studienergebnisse belegen nicht nur eine verbesserte Lebensqualität der Patienten unter Misteltherapie, sondern auch eine verlängerte Gesamtüberlebenszeit.

Weitere Daten zeigen, dass die additive Gabe von Mistelextrakten die Wirksamkeit der konventionellen Therapie nicht negativ zu beeinflussen scheint, sondern darüber hinaus auch einen Schutz gegen Neutro- penien darstellen kann.

Autorin und Korrespondenz:

Dr. med. univ. I. Fleck-Václavik

Ärztin für Allgemeinmedizin

ÖÄK Diplom für Akupunktur

ÖÄK Diplom für Homöopathie

ÖÄK Diplom für orthomolekulare Medizin

Fortbildungsdiplom der Ärztekammer

E-Mail:

Ilse Fleck-Václavik, komplementärmedizin 2/2014

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