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Komplementärmedizin 28. April 2014

Phytotherapeutika und Diabetes

Großes Angebot, aber Beratung zur sinnvollen Anwendung ist essenziell.

Die unerfreuliche Nachricht: „Zugelassene Phytotherapeutika für die Therapie des Diabetes mellitus stehen nicht zur Verfügung.“ Mit diesem nüchternen Statement leitete Univ.-Prof. Dr. Sabine Glasl-Tazreiter, Department of Pharmacognosy, Universität Wien, ihre Ausführungen über „Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmittel bei Diabetes“, bei der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming ein.

„Doch die Zahl an pflanzlichen Präparaten für die Regulierung der Blutfette, des Blutzuckers und für die Gewichtsreduktion ist unüberschaubar groß“. Unter der Anpreisung „rein pflanzlich - natürlich - unbedenklich“ werden Phytopharmaka, vor allem im Internet, intensiv beworben. Auch der Markt an Nahrungsergänzungsmitteln ist unüberschaubar groß.

Keine Selbstmedikamentation ohne Arzt und Apotheker

Sicher ist das vielfältige Angebot verlockend, „aber als erste Maßnahmen sollte mit einer gesundheitsbewussten Ernährung, mehr Bewegung, einer Konsultation beim Arzt und einem Informationsgespräch mit dem Apotheker begonnen werden. Gerade er ist mit seinen pharmazeutischen Kenntnissen der kompetente Ratgeber. „Auch pflanzliche Präparate können nämlich Nebenwirkungen und toxische Reaktionen auslösen“ warnte Glasl-Tazreiter.

Ergänzende Behandlung

Für die Unterstützung einer ärztlich verordneten Therapie können Phytotherapeutika allerdings durchaus erfolgreich eingesetzt werden. So ist beispielsweise eine Flüssigkeit aus der Rinde von Hintonie latiflora, einem mexikanischen Fieberrindenbaum, ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, als Sucontral-Tropfen auch in Österreich registriert. Die Messwerte der Nüchternglucose und der Postprandialen Glucose gehen beträchtlich zurück. „Die Anwendung wird als Unterstützung von diätischen Maßnahmen empfohlen und kann eine Medikamentation hinauszögern“, erklärte Glasl-Tazreiter.

Zimtsterne - nicht immer harmlos

Der in der Küche allseits beliebte Zimt, Cinnamomum ceylanieum, vom Ceylonzimtbaum, ein Gewürz als Cassia-Chinesischer Zimt im Handel, hat noch vor zehn Jahren auf Grund seiner in der Rinde enthaltenen ätherischen Öle und des Zimt-Aldehyd große Hoffnungen für die Senkung des Blutzuckers erweckt. Derzeit wird die Anwendung von Zimtrinde allerdings in der Literatur sehr gegensätzlich diskutiert. „Abhängig von der Dosis und der Spezies können bei erhöhten Werten gesundheitliche Beeinträchtigungen und sogar toxische Reaktionen ausgelöst werden.“

Selbst in manchem Zimtgebäck konnten erhöhte Werte festgestellt werden. Die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) gibt jedenfalls keine Empfehlung für die Anwendung: Die Charakterisierung der Inhaltsstoffe, die sicherheitsrelevanten Daten seien ungenügend und die klinischen Studien erbringen divergierende Ergebnisse. Auch für die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks und Cholesterinspiegels sei die Beweislage zu dünn.

Salacia in der traditionellen Medizin

Den Wurzeln und Blättern der tropischen Kletterpflanze Salacia chinensis, als Tee verabreicht, wird in zahlreichen Untersuchungen eine positive Wirkung bei Adipositas und Diabetes zugeschrieben. Der postprandiale Glucosespiegel und der Insulinspiegel konnten gesenkt werden, die Blutfettwerte verbesserten sich und die vorläufige toxische Bewertung gilt als sicher.

Für die diätische Behandlung von Diabetes mellitus und dessen Spätfolgen wird auch der Verzehr von Früchten der asiatischen Kürbispflanze Coccinia empfohlen, die auch Vitamin D3 erhält. Das Präparat ist auch in österreichischen Apotheken erhältlich

Vaccinium - die Heidelbeere

1892 berichtete der Apotheker Knorr aus Colberg bei Breslau über die Senkung des Harnzuckers nach dem Konsum von Heidelbeerblätter-Tee. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte man große Hoffnungen in die Wirkung der Heidelbeerblätter. Jüngste Studien stellten jedoch die aktiven Wirkstoffe in Frage. Die Resultate seien unterschiedlich, der Beweis für die aktiven Wirkstoffe noch offen. Viele divergierende Ergebnisse ergeben keine endgültigen Antworten.

Zusammenfassung

„Die Evidenzlage über die Wirkung von Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln für die klinische Anwendung bei Diabetespatienten ist derzeit eher dürftig, die klinischen Befunde sind spärlich“, so Glasl-Tazreiter. Eine Konsultation des Arztes und eine Beratung seitens des Apothekers, der über das pharmazeutische Wissen verfügt, werden daher dringend empfohlen.

Quelle : Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer, 16. bis 21. Februar 2014, Schladming

G. Niebauer, Apotheker Plus 4/2014

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