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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Trend zu Naturheilmitteln hält ungebrochen an

Bonn. Pflanzliche Arzneimittel finden in der Medizin immer noch viel zu wenig Beachtung. Das kritisierte Professor Elisabeth Noelle-Neumann, Leiterin des Allensbach-Institutes, bei der Vorstellung der Studie "Naturheilmittel 2002" in Bonn.

"Bislang gibt es nur in Berlin einen Lehrstuhl, der sich mit Phytopharmaka beschäftigt, es müsste aber mindestens zehn geben, um die zukünftigen Ärzte auch erreichen zu können." Denn in der Bevölkerung sei der Trend zum Naturheilmittel ungebrochen, meint Noelle-Neumann: 73 Prozent benutzten Phytopharmaka, im Vergleich zu 52 Prozent im Jahr 1970. Vor allem die Angst vor schädlichen Nebenwirkungen bei chemischen Arzneimitteln veranlasse viele Menschen, zu Naturheilmitteln zu greifen, heißt es in der Studie. Auch bei der Prävention komme den Phytopharmaka eine große Bedeutung zu: Von allen Erwachsenen, die Medikamente zur Vorbeugung nehmen, verwenden 38 Prozent ausschließlich und weitere 41 Prozent unter anderem auch Naturheilmittel.

Eingesetzt werden die pflanzlichen Arzneimittel vor allem bei Erkältungskrankheiten, aber auch bei Schlaflosigkeit oder Verdauungsbeschwerden. Der größte Teil der Bevölkerung kauft sich die Medikamente selbst (60 Prozent). Dagegen ist die ärztliche Verordnung pflanzlicher Arzneimittel in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Ursache für den Rückgang der Verordnungen seien die gesundheitspolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre, "bei denen Phytopharmaka immer überdurchschnittlich gelitten hätten", meint Bernd Eberwein, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller, der die Studie in Auftrag gegeben hat.

Aktuelles Problem für den Pharmaverband ist die Positivliste, die von einer Arzneimittelkommission im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums überarbeitet und in Kürze vorgelegt werden soll. "Die Liste ist aufgeteilt in Hauptteil und Anhang. Leider finden sich die pflanzlichen Arzneimittel größtenteils im Anhang, wohingegen im Hauptteil nur sehr wenige auftauchen", so Eberwein. 

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