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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Metaanalysen sollen Wirkung naturheilkundlicher Methoden belegen

Bad Ems. Naturheilkundliche Verfahren beruhen überwiegend auf Erfahrungswissen. Das führt immer wieder dazu, dass sie weniger ernstgenommen oder manchmal sogar als Scharlatanerie abgetan werden.
Um dem entgegenzuwirken, bemühen sich einige Wissenschaftler darum, naturheilkundliche Verfahren mit ähnlichen Methoden zu analysieren wie jene medizinischen Verfahren, die vor allem auf experimentellen Erkenntnissen sowie großen klinischen Studien beruhen. Die Naturheilkunde ist nicht einfach nur "Schulmedizin mit anderen Methoden", sondern sie hat einen völlig eigenen Denkansatz. So zeichnet es die Naturheilkunde aus, dass sie gesundmachende Kräfte im Organismus, die Salutogenese, anregen will.

Patient muss mitwirken

Sie versucht auch, den Placeboeffekt - oder auch Selbstheilungskräfte genannt - systematisch zu verstärken. Wie Professor Malte Bühring, Lehrstuhlinhaber für Naturheilkunde an der FU in Berlin, auf dem Symposium "Ganzheitsmedizin - Anspruch und Wirklichkeit" in Bad Ems erklärt hat, ist es dazu notwendig, für Patienten nachvollziehbar Krankheit und Therapie zu erklären. Sie müssen auch das Bedürfnis haben, das krankmachende Verhalten zu verändern. Und es ist notwendig, dass Patienten die Möglichkeit bekommen, selbst an der Heilung mitzuwirken.

Andere spezielle Denkweisen der Naturheilkunde können Konstitutionslehren sein, bei denen verschiedene Eigenschaften, Ernährungsgewohnheiten und Neigungen zu Beschwerden in Gruppen empirisch zusammengefasst werden. Auch hinter den Begriffen Fülle, Kälte oder Wärme, die aus der Barfußmedizin Koreas und der traditionellen chinesischen Medizin stammen, sowie hinter energetischen Konzepten des Menschen steckt viel Erfahrung, aber keine Erkenntnis, die in großen randomisierten Studien etwa gewonnen worden ist.

Medizinische Intelligenz

Wie aber will man Erfahrung und fremde Denkweisen mit jenem überwiegend in Studien gewonnenen Wissen vereinen, wenn sich die Methoden der Naturheilkunde teilweise nicht mit den Methoden und der Sprache der Physik darstellen lassen? Einen Weg beschreitet derzeit Professor Edzard Ernst von der Abteilung für Komplementärmedizin der University of Exeter in England. Sein Konzept besteht darin, wie sein Kollege Dr. Max Pittler erklärt, aus vorhandenen Studien und Publikationen Metaanalysen über Heilpflanzen oder komplementäre Methoden zu erstellen. Diese sollen dann Aufschluss über die Wirksamkeit der jeweiligen Anwendung geben.

Diesem Ansatz wurde kritisch entgegengehalten, dass er Krankheiten zu pauschal vereinheitliche, wenn er nur von Leberkrankheiten oder Kopfschmerzen spreche. Der Ansatz lasse auch keinen Rückschluss auf die Qualität der Studien zu und sei von daher abzulehnen.
Durch Wirksamkeitsstudien könnte die Naturheilkunde zu einem auch schulmedizinisch anerkannten Verfahren werden, ohne dass die Intuition zu kurz kommt, so Bühring. Mit dem Arzt und Philosophen Armand Trousseau (1801 - 1897) formuliert er: "Ich werfe der numerischen Methode nicht vor, dass sie zählt, aber dass sie nur zählt und dass die medizinische Intelligenz (Intuition) fehlt."

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