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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Magnettherapie - da ist was dran

Bremen. Schon die Griechen der Antike benutzten bei Verletzungen ihrer Soldaten oder Menstruationsbeschwerden ihrer Frauen Magnete zur Behandlung. Dann gerieten sie in Vergessenheit. Eine Zeitlang galten sie sogar als Heilmethode der Esoterik. Doch jetzt kehren die heilenden Magneten wieder zurück.

Weltweit werden mittlerweile über fünf Milliarden Dollar mit dem Umsatz von Heilmagneten erzielt, das meiste davon in den USA. Und auch in Deutschland wächst ihre Anhängerschaft.

Magnet-Renaissance nahm Ausgang in Japan

Ihren Ausgang nahm die Magnet-Renaissance in Japan, wo man bereits in den 60er-Jahren kleine Magnetpflaster von der Größe eines Markstücks entwickelte. Sie werden mit der Nordpolseite nach unten auf der Haut befestigt. Später kamen weitere Entwicklungen hinzu. So sind etwa auf den so genannten Magnetfolien die Nord- und Südpole wechselweise in Kreisen aneinander gereiht. Auch sie lassen sich problemlos unter der Kleidung verstecken. Die Zeiten also, wo sich die Patienten noch mit ihren Füßen auf große Magnetklötze stellen mussten, sind vorbei. Trotzdem bleibt die Frage, ob die technisch verfeinerten Magneten auch tatsächlich helfen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus den USA (JAMA, 283 (2000), 1322-1325) wirkt zunächst ernüchternd. Hier wurden 20 Patienten entweder echte Magnetpflaster oder aber Scheinmagneten auf den schmerzenden Rücken geklebt. Das Ergebnis: Beiden Gruppen ging es vier Wochen später etwas besser. Die Magneten zeigten sich also therapeutisch den Placebos nicht überlegen. Die Studie wurde allerdings heftig kritisiert, weil die Testpersonen die Magneten gerade einmal 18 Stunden pro Woche trugen. "Die korrekte Anwendung besteht jedoch darin", betont Dr. Michael I. Weintraub vom New York Medical College in Briarcliff im US-Bundesstaat New York, "die Magneten 24 Stunden täglich auf der Haut zu lassen."

Weintraub hat selbst eine Untersuchung mit 24 Patienten gemacht. Diese litten wegen ihres Diabetes mellitus an einer peripheren Polyneuropathie (Am J Pain Manage 9, 1999, 8). Für den einen Fuß erhielten sie eine magnetische Einlegesohle, der andere Fuß wurde lediglich mit einer wirkungslosen Placebosohle ausgestattet.

"Magnetfüße" zeigten deutliche Besserung

Einen Monat später empfanden die Patienten die "Magnetfüße" deutlich gebessert. Die Schmerzen waren dort erheblich stärker zurückgegangen als bei den Nachbarfüßen.

In einer anderen US-amerikanischen Studie wurden die Magnete an 50 Patienten getestet. Sie hatten eine Poliomyelitis gehabt und seitdem chronische Schmerzen an den Gelenken (Arch Phys Med Rehabil 78, 1997, 1200). Die wechselpolaren Magnetfolien führten bei drei Viertel von ihnen zu einem deutlichen Rückgang ihrer Beschwerden. In Deutschland arbeitet der Münchner Mediziner Michael Kris bereits seit einiger Zeit mit Dauermagneten. Nach seinen Erfahrungen "liegt die Erfolgsquote bei der Behandlung von Patienten mit Weichteilverletzungen bei mehr als 70 Prozent."

Blutgefäße erweitert

So gibt es also Hinweise auf eine tatsächlich schmerzlindernde Wirkung der Magneten. Physiologisch wird dieser Effekt damit erklärt, dass Magnete die Blutgefäße erweitern und den Blutfluss verbessern. Das belegen Ergebnisse von Laborstudien. Schädliche unerwünschte Wirkungen wurden bislang nicht beobachtet. Sie sind wohl auch nicht zu erwarten. Denn die Weltgesundheitsorganisation erklärt statische Magnetfelder bis zu einer Stärke von 20.000 Gauss für unbedenklich. Und Heilmagneten werden lediglich in Stärken von 300 bis 5.000 Gauss eingesetzt. Schwierig ist es allerdings, in Deutschland solche Heilmagnete zu bekommen. Es gibt zwar inzwischen viele Anbieter im Internet und Adressen von Direktversendern in Frauenzeitschriften.

Doch Überschriften wie "Die absolute Anti-Schmerzwaffe aus Japan" wirken eher abschreckend als seriös. Außerdem ist oft unklar, welche Magnetart angeboten wird. Bei den preiswerten Produkten handelt es sich meist um einfache Magnetpflaster, bei denen eine Wirkung nicht gesichert ist. Die wechselpolaren Magnetfolien sind erheblich teurer. Doch dafür sind sie in ihrer Wirkung wissenschaftlich recht gut dokumentiert. Seit kurzem erhält man sie unter der Bezeichnung "LiTai" in Apotheken.

ÄZ/Jörg Zittlau, Ärzte Woche 10/2001

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