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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Magnetfeldtherapie: Mehr als Plazebo

Die Magnetfeldtherapie ist vor allem dadurch ins Gerede gekommen, dass einige Firmen massiv werben und Magnetfeldtherapiematten auch an Laien verkaufen. Grundsätzlich unterscheiden sich die angebotenen Produkte nach deren Einsatzgebiet: geringe Stärken für den Wellness-Bereich und Geräte mit medizinisch wirksamen Stärken. "Es besteht die Gefahr, dass beispielsweise Herzschrittmacher durch die Magnetfeldtherapie gestört werden", betonte Prof. DDr. Alois Stacher, Präsident der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. "Daher soll unserer Meinung nach kein Laie, sondern nur der Mediziner eine Magnetfeldtherapie verschreiben dürfen."

Die Akademie für Gesundheitsmedizin hat im April zu einem Symposium über Magnetfeldtherapie geladen. Wieso dieses Engagement?

Stacher: Wir haben uns als "Akademie für Ganzheitsmedizin" eingeschaltet, um alle involvierten Firmen und Mediziner einmal an einen Tisch zu bringen und Grenzen abzustecken. Und auch um weitere Forschungen zu initiieren, mit den Fragestellungen: Welche Wirkung ist gesichert, was dagegen nur reine Propaganda? Welche Frequenz und welche Flussdichte wirkt bei welchen Zuständen?

Wir haben da geradewegs in ein Wespennest hineingestochen. Ich habe selbst nicht gewusst, dass es auf dem Gebiet fast 60 Firmen mit 60 verschiedenen Produkten gibt, die überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind. Hier gehört unter anderem das Medizinprodukte-Gesetz angewendet, damit klar dokumentiert wird, welche Frequenz und welche Flussdichte die jeweiligen Geräte haben. Ich bin leider davon überzeugt, dass dies eine schwierige Arbeit wird, wir werden es aber versuchen.

Die Auseinandersetzung um die Magnetfeldtherapie schlägt hohe Wellen, nicht nur unter Medizinern, sondern auch in der ganzen Öffentlichkeit.

Stacher: Eine solche Welle hat es schon einmal gegeben, und zwar ganz zu Beginn der Kortisontherapie. Eine Nachbarin hat der nächsten weiter gesagt, "die Tablette wirkt so gut", und plötzlich haben viele Rheumatiker Kortison genommen. Niemand hat ihnen gesagt, dass die Kortisontablette auch Nebenwirkungen hat und dass die gar nicht so ungefährlich ist. Plötzlich war nur noch vom "Wundermittel" die Rede, das bei allen wirkt. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß.

Eine ähnliche Gefahr sehe ich bei den energetischen Methoden, ob das nun Bioresonanz ist oder Biofeedback oder Magnetfeldtherapie. Sie können schnell in Verruf geraten, wenn sie von allen möglichen Leuten und Firmen angepriesen werden. Und das wäre schade. Die Magnetfeldtherapie ist sicher eine wirksame Behandlungsform - bei richtiger Indikation und mit richtigen Geräten angewendet.

In welchen Bereichen ist die Wirkung der Magnetfeldtherapie gesichert?

Stacher: Ihre Wirkung ist im Augenblick gesichert bei Knochenbruch- und Schmerzbehandlungen. Wahrscheinlich ist die Magnetfeldtherapie auch wirksam bei Arthrosen. Ich glaube auch, dass man sie zur regulativen Unterstützung bei vielen anderen Erkrankungen anwenden kann, aber um das mit Bestimmtheit sagen zu können, bedarf es noch weiterer wissenschaftlicher Forschungen. Und es laufen ja auch in der Tat im Augenblick viele Studien.

Weiß man heute auch schon etwas über mögliche Nebenwirkungen?

Stacher: Ähnlich wie in der Homöopathie kommt es bei der Magnetfeldtherapie zunächst oft zu einer Erstreaktion, das heißt, die Symptome verschlimmern sich am Anfang. Das dauert eine relativ kurze Zeit und ist im Grunde auch eine erwünschte Abwehrreaktion. Danach setzt erst die volle Wirkung ein.Eine eindeutige Gefahr besteht bei Patienten mit einem Herzschrittmacher. Es ist möglich, dass die Magnetfeldtherapie auch bei anderen Erkrankungen zu Nebenwirkungen führt, gewiss keinen gefährlichen, eher zu symptomatischen, durch die Aktivierung einer unspezifischen Reaktion im Organismus.

Auf welchem Wirkprinzip beruht die Magnetfeldtherapie?

Stacher: Sie beruht praktisch auf dem Prinzip des Magneten, der seit Jahrtausenden verwendet wird. Die Magnetfeldtherapie arbeitet mit elektrisch erzeugten, gepulsten Magnetfeldern, mit denen sie die Oberfläche der verschiedenen Zellen zu beeinflussen versucht. Was vielen gar nicht bewusst ist: Auch der Mensch verfügt über magnetische Kräfte, die eine wesentliche Rolle im Regulationsmechanismus des Organismus spielen. Ich bin davon überzeugt, dass die energetische Medizin eine der wesentlichen Forschungsgebiete der nächsten Zukunft sein wird.

Kritiker wenden ein, die Magnetfeldtherapie beruhe allein auf dem Plazeboeffekt.

Stacher: Beim Plazeboeffekt muss man differenzieren. Als Arzt ist mir das Plazebo nicht unerwünscht, denn auch der gute Arzt selbst wirkt als Plazebo. Und es gibt praktisch kein Medikament, dessen Wirkweise nicht wenigstens zu einem Teil auf den Plazeboeffekt zurückzuführen wäre, vor allem bei schmerzstillenden Medikamenten ist das eindeutig nachgewiesen. Plazebo ist im Rahmen der Therapie nützlich, weil selbstverständlich jeder Mensch mit all seinen psychischen Kräften auch etwas zu seiner Gesundung beiträgt. In der Wissenschaft ist Plazebo nun in einer anderen Hinsicht nützlich: als Vergleich zur Wirksamkeitsbestimmung einer Substanz. Die Wirkweise der Magnetfeldtherapie allein mit dem Plazeboeffekt erklären zu wollen, greift ganz sicher zu kurz.

Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 25/2002

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