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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Die Stärke der Pflanzen

Nach einem viele Jahrzehnte dauernden Rückgang sind Pflanzenheilmittel wieder zunehmend in Verwendung. Einigen wenigen ernsten Nebenwirkungen, wie zum Beispiel allergische Reaktionen oder auch karzinogene Wirkungen mancher Pflanzen, steht ein breites Spektrum prophylaktischer und therapeutischer Nutzung gegenüber. Zahlreiche Wirkstoffe von Heilpflanzen unterstützen die Körperabwehr in ihrem Kampf gegen Krankheitserreger. Besonders günstig wirkt sich deren Einsatz bei Patienten mit Immunschwäche, wie zum Beispiel HIV-Infektion oder Hepatitis C, aus.

Erfahrungsberichte und eine zunehmende Zahl von klinischen Untersuchungen zeigen, dass die unterschiedlichsten Wirkstoffe in Heilpflanzen im Stande sind, unser Immunsystem günstig zu beeinflussen. Diese allgemein das Immunsystem stärkenden, aber auch mitunter direkt antimikrobiellen Effekte können in hervorragender Weise ergänzend zu den traditionellen Heilmethoden der modernen Medizin verwendet werden.

Breites Wirkungsspektrum

Die Cynara-Extrakte in den Blättern der Artischocke (Cynara scolymus) haben leberschützende, galleabflussfördernde und regenerierende Effekte. Auch auf den Fettstoffwechsel hat die Artischocke durch die Steigerung des Galleabflusses und der Galleproduktion einen regulierenden Einfluss. Sie wirkt Lipid-, Triglycerid- und Cholesterinsenkend.
In der Bierhefe finden sich erstaunlich viele nützliche Wirkstoffe. So unterstützt das Vitamin B1 den Herz-, Gehirn- und Nervenstoffwechsel, Vitamin B6 die Leberfunktion und Vitamin B12 die Eisenfunktion. Vitamin B2 wirkt gegen Stress, Pantothensäure als Anti-Stress- und Hautvitamin, Orotsäure im Leber-Stoffwechsel, Glutathion als wichtigstes schwefelhaltiges Antioxidans, Carnitin als Energiegewinner und Lecithin als Baustein der Zellmembran.
Zusätzlich enthält Bierhefe essenzielle Aminosäuren, Mineralstoffe wie Kalium, Phosphor und Magnesium, wichtige Spurenelemente wie Zink, Chrom, Selen, Cobalt, Eisen, Kupfer, Molybdän und Mangan sowie zahlreiche Wirkstoffe für die Abwehrkräfte.
Die Mariendistel (Silybum marianum) wirkt als Zell-Stabilisator entzündungshemmend, antagonisiert die schädigende Wirkung von hepatotoxischen Stoffen und wirkt regenerationsfördernd auf die Hepatozyten. Eine wichtige, wenn auch seltene Anwendung von Silymarin ist die Knollenblätterpilzvergiftung.
Die traditionelle chinesische Medizin verwendet Astragalus (Astragalus membranaceus, Huang Qi) bei Erschöpfungszuständen, Energiemangel, Antriebsschwäche und Stress. Astragalus stärkt das Immunsystem und erhöht die Aktivität der Leukozyten und Lymphozyten sowie die Produktion von Antikörpern und Interferon.
Extrakte aus Sonnenhut (Echinacea angustifolia) können zur Abwehr von Infektionskrankheiten, aber auch unterstützend zur Chemotherapie eingesetzt werden. Echinacea wird in der Volksmedizin seit langem zur Aktivierung der körpereigenen Abwehr gegeben. Auch äußerlich angewendet, wirkt das Sonnenhutkraut bei Verletzungen wundheilungsfördernd, antiphlogistisch und epithelialisierungsfördernd.
Eine rezente deutsche Studie konnte nachweisen, dass eine zumindest dreimonatige Teekur mit Eberraute (Herba Abrotani) die natürlichen Killerzellen aktiviert. In alten Zeiten wurde die Eberraute sogar erfolgreich gegen Tuberkulose eingesetzt. Zusätzlich soll die Eberraute auch antivirale Eigenschaften aufweisen.

Bei viralen Infekten stärkend

Wirkstoffe im Holundersaft (Sambucus nigra) können die Spikes von Viren überziehen, so dass die Viren nicht mehr in Wirtszellen eindringen können. Holundersaft wird wegen seiner Steigerung der Bronchialsekretion bei Erkältungskrankheiten verwendet.
Hochdosiertes Hypericin des Johanniskrautes (Hypericum perforatum), dessen antivirale Wirkung in verschiedenen Studien weltweit vor allem in der Aidsforschung nachgewiesen wurde, wird in der Naturheilkunde auch zur Unterstützung der Hepatitis C-Therapie eingesetzt. Die antivirale Wirkung von Hypericin beruht auf einer Hemmung der Aktivität der reversen Transkriptase durch Beeinflussung der Proteinsynthese. Wenn allerdings die medizinische Indikation zur Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie bei HIV/AIDS gegeben ist, ergibt sich folgende kritische Situation: Die alleinige Verwendung von Johanniskraut hat bei weitem keine ausreichende Wirkung. Eine Kombination von Johanniskraut und antiretroviraler Kombinationstherapie ist meist nicht möglich, weil schwere toxische Reaktionen auftreten können.
Ein Bestandteil der Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) wurde in Studien aufgrund seiner antiviralen Eigenschaft als wirksam bei der Behandlung von Hepatitis C nachgewiesen. Die Süßholzwurzel wurde in der Volksmedizin bei Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden angewendet. Glycyrrhizin ist als Geschmacksstoff in Lakritze enthalten, dieser wirkt laut einer deutschen Studie bakterizid auf Helicobacter pylori sowie Schleimhaut-protektiv.

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