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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Effekte durch Reize an den Fußsohlen

Bremen. Die Fußreflexzonen- Massage (FRM) zählt in Deutschland zu den bekanntesten Verfahren der Naturheilkunde überhaupt. Es existieren Dutzende von Ausbildungsstätten für Fußreflexzonen-Therapeuten, und Inhalte und Dauer (meist 110 Stunden) ihrer Ausbildung orientieren sich an den international üblichen Standards.

Die Therapeuten rekrutieren sich meist aus Krankengymnasten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten, unter Ärzten findet man hingegen nur wenige Interessenten. Einer der Gründe für diese Zurückhaltung: Wie bei vielen anderen Naturheilverfahren vermutet man auch bei der Fußsohlentherapie das Fehlen von wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweisen - doch diese Vermutung entspricht nicht ganz der Realität.

Nur korrekte Fußmassage hat klinischen Effekt

Eine aktuelle Studie zur FRM kommt von der Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck (Forsch Komplementärmed 1999, 6, 129). Hier erhielten 16 gesunde Erwachsene eine Fußmassage an genau der Zone, die gemäß der Reflexzonentheorie den Nieren zugeordnet ist, eine andere Gruppe von 16 Probanden wurde zwar auch am Fuß massiert, jedoch an einer anderen Stelle. Parallel zur Massage und danach wurde mit einem technisch aufwendigen Verfahren (Doppler-Sonograpie) der Blutdurchfluss an den Arterien der rechten Niere gemessen. Das Ergebnis: Bei der korrekt massierten Gruppe war in den Nierenarterien der Blutfluss deutlich verbessert, bei den an falscher Stelle massierten Testpersonen änderte sich hingegen die Nierendurchblutung nicht.

Autonomes Nervensystem reagiert auf die Reize

Das autonome Nervensystem wird durch die Reize an den Fußsohlen ebenfalls angesprochen. Viele Patienten berichten, dass sie sich im Anschluss an die Fußsohlenmassage entspannt und müde fühlen und oft besser schlafen können. Allerdings zeigen sich mitunter auch andere Reaktionen wie verstärktes Schwitzen, Juckreiz sowie ein starker Harn- und Stuhldrang. Diese Phänomene können so unangenehm sein, dass sie sogar zum Verzicht auf die Fußreflexzonen-Massage führen. Es existieren also durchaus wissenschaftliche Daten zur Wirksamkeit der Fußzonentherapie, dennoch bleiben viele Fragen ungeklärt. Skeptisch stimmt Wissenschaftler vor allem das breite Anwendungsfeld, wie es von Fußzonentherapeuten proklamiert wird. Es reicht von Migräne und Rückenschmerzen über Verstopfungen und Prämenstruellem Syndrom bis zu Schnupfen, Morbus Parkinson und Multipler Sklerose.

Kaum eine Erkrankung, die nicht im Indikationenkatalog der Fußzonentherapeuten steht. Ein derartiger Omnipotenzanspruch deckt sich nicht mit den Erfahrungen, die man in der wissenschaftlichen Medizin gewohnt ist.

Prof. Reinhard Saller, Universitätsspital Zürich, Abteilung Naturheilkunde, betont denn auch, dass weitere klinische Untersuchungen nötig seien, um die Fußreflexzonen-Therapie als "medizinische Dienstleistung" werten zu können. Sein Wunsch wird sich aber bis auf weiteres kaum erfüllen. Denn da die FRM fast ohne technische oder chemische Hilfsmittel auskommt und nur ein paar Therapeuten als Verdienstquelle dient, wird man kaum Sponsoren für ihre Erforschung finden.

ÄZ/Jörg Zittlau, Ärzte Woche 6/2001

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