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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Hypertonie: Fülle-Formen

In der TCM wird zwischen Fülle- und Leere-Formen der essenziellen Hypertonie unterschieden. Bei beiden ist das Qi von Leber und Gallenblase stagniert, was oft die Folge von Stress, Anspannung, Unzufriedenheit, großer Verantwortung und ständiger Entscheidungen in Familie und/oder Beruf ist.
Von der Fülleform sind oft junge Menschen - hauptsächlich Männer zwischen 30 und 45 Jahren - betroffen, die konstitutionell stark und physisch sehr aktiv sind. Ihre Ernährung besteht hauptsächlich aus Fleisch, fett und scharf zubereitet und oft zusammen mit Alkohol genossen. Diese Kombination führt zu Leber-Hitze und Schleim-Hitze in der Gallenblase, die Hitze steigt zum Kopf auf, was bereits zu seitlichem Kopfschmerz, Rötungen oder Entzündungen im Kopf- und Augenbereich sowie zu Hypertonie führen kann. 

Wenn der Anteil an Schleim zunimmt, kann dies eine Stagnation von Qi und Blut im Kopf und ZNS auslösen, was sich als Schwindel, Tinnitus und im schlimmsten Fall als Apoplexie äußert. Diese Form von Hypertonie spricht im Gegensatz zur Leere-Form sehr gut auf eine westlich medizinische Intervention an. Enzianwurzel ist das Kaiserkraut zur Verhinderung von Apoplexie bei der Fülleform von Hypertonie. Im schulmedizinisch unbehandelten Fall ist die Zunge sehr rot und dick und weist oft einen dicken, schleimigen, gelben Belag auf. Durch die Einnahme von Beta-Blockern wird die Zunge blass, was zu einer verfälschten TCM-Diagnose führen könnte.

Fülle-Typen sprechen sehr gut auf eine teilweise Umstellung der Ernährung auf Rohkost an sowie auf eine Behandlung mit Qi-Gong. Für Fleischesser sind Saunabesuche im Winter zu empfehlen sowie Frühjahrskuren mit viel Gemüse, Obst, viel Flüssigkeit oder sogar Fasten, um die Schleim-Hitze (=Eiweißtoxine) auszuleiten. Blutdrucksenkende Wirkung haben besonders Stangensellerie, Brauntang, Tomaten, Spinat, Blattsalate (vor allem die bitteren wie Endivien, Chikorèe und Radicchio), Kochsalat, Löwenzahn und Chinakohl. Brauntang wird auch bei koronaren Herzerkrankungen, Adipositas und Tumoren eingesetzt. Er kann als Dekokt, gekocht in Suppen, als Salat, Pille oder Pulver eingenommen werden. Wenn die Fülleform der Hypertonie länger besteht, geht sie in die so genannte Leere-Form über: die Zunge wird blasser, der Belag wird dünner und schwindet eventuell ganz. Beide Typen sollten scharfe Gewürze, fettes Fleisch (Schwein, Gans) und scharf angebratenes oder in Fett gebackenes Fleisch meiden sowie denaturierte Nahrungsmittel wie Weißmehl, Zucker und Fast Food. Mit chinesischer Arzneimitteltherapie und Akupunktur sind beide Formen der Hypertonie erfolgreich zu behandeln, insbesondere, wenn sie bereits im Anfangsstadium eingesetzt werden.

www.tcm-beratung-wien.at

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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