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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Arteriosklerose als Schleimsyndrom in der TCM

Hyperlipidämie und arteriosklerotische Veränderungen zählen in der Traditionellen Chinesischen Medizin wie alle anderen Erkrankungen des metabolischen Syndroms - Hypertonie, Adipositas und Diabetes mellitus Typ II - zu den so genannten Schleimerkrankungen und können über den Verdauungstrakt behandelt werden. 
Das Krankheitsbild beginnt zumeist mit einer Störung von Leber und Gallenblase, die daraufhin in ihrer Unterstützungsfunktion der Verdauungsorgane Milz/Pankreas und Magen versagen, was in weiterer Folge zur Bildung von "Feuchtigkeit" (=Stoffwechselabfallprodukte) führt, die in ihrer verfestigten Form ("Schleim") das Koronarsystem angreift. 

Zeichen an der Zunge

Neben Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, chronische Müdigkeit u.ä. kann Feuchtigkeit anhand von Zahnabdrücken an der verbreiterten Zunge des/der PatientIn festgestellt werden. 
Bei Vorhandensein von Schleim ist der Zungenkörper schmal und sehr dick, die Unterzungengefäße oft bereits bläulich und geschwollen (ein Hinweis auf Blut-Stase und Verdickung des Blutes). Weiters bestehen bereits eine manifeste Hyperlipidämie und sklerotische Gefäßverengungen mit Bluthochdruck. 

Wie in der modernen westlichen Medizin werden auch in der TCM Überessen und Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren oder Cholesterin als Hauptursachen der Arteriosklerose betrachtet. Weiters werden in der TCM als mitwirkende Faktoren Zeitdruck und Stress, Rauchen, sowie der Konsum von Kaffee und raffiniertem Zucker angesehen. Geeignete Zubereitungsformen, um "Schleim" zu vermeiden, sind Dünsten, Dämpfen, Schmoren, im Backofen backen und - für Personen mit Hitze-Zeichen (rotes Gesicht, rote Zunge, kraftvoll, robust) - Rohkost. In Fett Gebackenes oder Frittiertes sollte gänzlich vermieden werden.
Vegane Speisen wie Getreide, Gemüse, Meeresalgen, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen enthalten kein Cholesterin und im Allgemeinen sehr wenig gesättigte Fettsäuren. 

Der einfachste Diätplan zur Vorbeugung einer Arteriosklerose besteht darin, vermehrt Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs zu sich zu nehmen und tierische Produkte zu reduzieren. Eine Ausnahme sind Fische, die aufgrund ihres Omega-3 Fettsäurengehalts das Blutgefäßsystem von Cholesterin- und Fettablagerungen reinigen können. Zudem reduzieren die Omega-3 Öle die Blutviskosität und senken Bluthochdruck. Weiters sind sie besonders in Leinsamen enthalten, aber auch in anderen Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs wie in Kürbiskernen, Sojabohnen, Walnüssen und dunkelgrünem Gemüse (Kohl- und Spinatarten, Petersilie, Weizen- und Gerstengras). 
Homogenisierte Milchprodukte (z.B. Haltbarmilch und Schlagobers) sollten gänzlich vermieden werden, hier wird in westlichen Studien ein Zusammenhang mit der Entstehung von Plaques hergestellt. Hochraffinierte, mehrfach ungesättigte Pflanzenöle und Margarine sollten vermieden werden, da Studien ein erhöhtes Herzinfarkt- und Krebsrisiko ergeben haben. In Tierversuchen erwiesen sich diese Öle als krebsfördernder als der Konsum gesättigter Fette.

Gefahren des Knoblauchs

Knoblauch gilt zwar auch in der TCM als exzellentes durchblutungsförderndes Mittel, sollte jedoch so wie andere scharfe Gewürze von Personen mit Hitze-Zeichen (knallrote Zunge, laute Stimme, Entzündungen) vermieden werden, da sie Drehschwindel und Schlaganfall auslösen können. Für VegetarierInnen ist Knoblauch ein geeignetes Mittel zur Vorbeugung von Arteriosklerose und zum Klären des Blutes. Für Fleischesser mit Hitze-Zeichen eignen sich dunkelgrünes Gemüse, Sojaprodukte, Chlorella-Algen und Weizen- oder Gerstengrastees am besten. Diese regulieren gleichzeitig auch eventuell bestehenden Bluthochdruck.
In der modernen westlichen Medizin ist bekannt, dass Lezithin, Vitamin E und C sowie Niacin einer Hyperlipidämie entgegenwirken können. Nach der Chinesischen Diätetik wirken derartige Nährstoffe am effizientesten, wenn sie nicht aus dem ganzen Nahrungsmittel extrahiert werden, sondern das vollwertige Nahrungsmittel genossen wird.
Lezithin ist in den meisten Hülsenfrüchten enthalten, d.h. in Bohnen, Erbsen und Linsen. In der TCM werden vor allem Sojabohnen und Mungbohnen zum Reinigen der Arterien empfohlen. Als Sprossen sind sie besonders bei gleichzeitig bestehenden Hitze-Zeichen geeignet. 
Sprossen sind außerdem eine reiche Quelle an Vitamin C, genauso wie Kohl, Petersilienblätter und Gemüsepaprika.

Vorteile von Vollwertgetreide 

Vollwertgetreide reduziert Blutfette, reinigt die Arterien und verhindert die Sklerosierung der Gefäßwände. Hier seien besonders Roggen, Quinoa, Amaranth und Hafer erwähnt. Quinoa sollte aufgrund von Saponinen an der Oberfläche vor Gebrauch gut gewaschen werden. Unraffiniertes Getreide stellt eine exzellente Quelle von Niacin und Vitamin E dar. Es sollte entweder als Ganzes gekocht oder frisch geschrotet bzw. vermahlen und sogleich verbraucht werden. Das gekaufte Vollwertmehl enthält keine wertvollen Inhaltstoffe mehr. Selbst gemachte Flocken in einer Flockenquetsche können nach dem Trocknen einige Tage aufbewahrt werden.
Da die für einen Behandlungserfolg von bereits manifester Arteriosklerose erforderliche langfristige Ernährungsumstellung vielen Menschen als undurchführbar erscheint, ist die Anwendung der chinesischen Arzneimitteltherapie zumindest eine bestimmte Zeit lang indiziert. Die chinesische Medizin verfügt über eine große Auswahl exzellenter Verdauungskräuter, entschleimender, blutklärender und durchblutungsfördernder Arzneien. 
Eine wichtige chinesische Kräuterkombination ist Fructus Crataegi (Shan zha), Massa fermentata (Shen qu), Fructus Hordei germinatus (Mai ya) und Radix scutellariae (Huang qin), wobei diese je nach PatientIn erweitert wird, denn Arteriosklerose ist wie alle anderen westlich definierten Krankheitsbilder nur ein Teil eines TCM-Syndroms. 

www.tcm-beratung-wien.at

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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