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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Das prämenstruelle Syndrom als Leber-Qi-Stagnation

Die wichtigste Ursache für das prämenstruelle Syndrom (PMS) nach Kriterien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist ein Energiestau in der Leber, genannt Leber-Qi-Stagnation.
Ist diese Stagnation vor allem ernährungsbedingt verursacht (siehe Punkt A), helfen eine Umstellung der Ernährung und die Anwendung zahlreicher Kräuter.

Eine Leber-Qi-Stagnation kann aber auch durch äußere Umstände verursacht sein, wie beispielsweise durch Beziehungsprobleme oder Schwierigkeiten im Beruf. In diesem Fall können Nahrungsmittel und Kräuter nur wenig unterstützen, und ein klärendes Gespräch, Zuwendung oder ein Wechsel der Lebensumstände wären hilfreicher.
Eine weitere Ursache für prämenstruelle Beschwerden kann ein Mangel an Qi und Blut sein (siehe Punkt B), der wiederum zu Stagnation in der Leber führt. Die Unterscheidung in der Praxis wird folgendermaßen getroffen: handelt es sich um eine reine Stagnation, verschwinden die Symptome mit Einsetzen der Regel.

Ist ein Mangel mit beteiligt, bleiben die Symptome beziehungsweise können sie mit Einsetzen der Menstruation sogar verstärkt auftreten. Zudem sind oft andere Beschwerden vorhanden wie Erschöpfung, Schwäche, Kältegefühl.
In beiden Fällen sollte folgendes vermieden werden: Alkohol, Tabak, Kaffee, Zucker, gesättigte Fettsäuren (billige Öle, Margarine), da diese die Stagnation noch verstärken, bzw. eine Bildung von Blut und Qi verhindern, sowie Fleisch aus nichtbiologischer Züchtung (enthält Steroide).

A) Handelt es sich um eine reine Stagnation, sollte bei akutem Auftreten von PMS-Symptomen folgendes beachtet werden:

  • Fleisch vermeiden, insbesondere Huhn. Huhn hat einen zusammenziehenden Effekt, und die Stagnation wird dadurch verstärkt.

  • Kein Alkohol, vor allem verbunden mit süß (Cocktails).

  • Keine Milchprodukte, insbesondere in Verbindung mit süß (Fruchtjoghurts, Kakao).

Stattdessen sollten leicht scharfe Nahrungsmittel wie Radieschen, Rettich, Brunnenkresse, weiters Sellerie, Artischocken, Melanzani und Petersilie genossen werden: zum Beispiel Radieschen fein geschnitten mit Bockshornkleesamensprossen, Brunnenkresse oder Alfalfa-Sprossen und ein Schuss Balsamicoessig oder Zitrone. Weiters erweisen sich frisch gepresster Selleriesaft oder Artischockensaft aus dem Reformhaus als hilfreich.

Weiters helfen bei einer Stagnation Bewegung generell, insbesondere Bauchtanzen, sowie Leinsamen-Säckchen (im Backofen aufwärmen und auf die Leber auflegen) und Schafgarbe-Umschläge (Schafgarbe kurz aufkochen, eine Windel oder ein Geschirrtuch damit tränken und unterhalb des Rippenbogens auflegen).

B) Bei gleichzeitig vorliegendem Mangel soll besonders einige Tage vor und während der Blutung auf Kaffee und Schwarztee verzichtet werden. Stattdessen sollten Himbeer- und Brombeerblatttee und blut- und qi-aufbauende Nahrungsmittel genossen werden:

Alle süßlichen Gemüse wie Karotten, Fenchel, Kartoffel, alle Kohlarten, rote Rüben, Süßkartoffel, süßes Getreide wie Dinkel, Grünkern, Hirse und Süßreis, sowie chlorophyllreiche Nahrungsmittel wie Spinat, Petersilienblätter und Alfalfasprossen (Luzerne). Blut- und qi-aufbauend unter den tierischen Nahrungsmitteln sind auch Rindfleisch, Rinds- und Hühnerleber, allerdings nur aus biologischer Züchtung, also ohne Hormon- und Antibiotikazusätze, die wiederum die Funktion der Leber beeinträchtigen würden.

Weiters sind kaltgepresstes Leinöl, Leinsamen, getrocknete Beeren (Bocksdornfrüchte, Heidelbeeren, dunkle Rosinen) und Nachtkerzenöl sehr geeignet.
Zu viel Rohkost sollte bei einem Mangel vermieden werden, da diese den Verdauungstrakt auskühlt und die Resorption dadurch behindert, sodass weder Qi noch Blut gebildet werden können. Das ist auch die TCM-gemäße Erklärung der Anämie bei VegetarierInnen, die sich hauptsächlich von Rohkost ernähren.

Folgende Mischung aus vier chinesischen Kräutern ist besonders hilfreich bei Schwäche, Blässe, Mangelerscheinungen sowie bei unregelmäßigen Zyklen, Schmerzen während der Regel, Amenorrhö und bei spärlicher Blutung, nicht aber bei Zeichen von Fülle (robust, rötlicher Teint, dicker Zungenbelag).

Mischung aus vier chinesischen Kräutern:
3 Teile Radix Angelicae sinensis (Dang gui)
3 Teile Radix Rehmanniae praeparata (Shu di huang)
2 Teile Radix Paeoniae alba (Bai shao)
1.5 Teile Rhizoma Chuanxiong Ligusticum (Chuan xiong)

www.tcm-beratung-wien.at

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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