zur Navigation zum Inhalt
 
Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Schleim und Blutstase können Migräne verstärken

Neben den Migräne-Mustern, die im vorherigen Teil 18 besprochen wurden, gibt es zwei weitere Syndrome, die etwas ältere PatientInnen betreffen.
Steht aufsteigendes Leber-Feuer im Vordergrund, treten folgende Symptome auf: Kopfschmerzen, extrem schwere, eventuell bilateral lokalisierte Schmerzen im Augen- und/oder Temporalbereich, Schwindel, die Schmerzen werden nachts stärker oder beginnen während des Schlafes, Flimmerskotome, Photophobie, Unruhe, Ärgerlichkeit und Neigung zu Zornausbrüchen bei Männern bzw. Verbitterung oder Verzweiflung bei Frauen, unruhiger Schlaf, Tinnitus, trockener Mund, eventuell bitterer Mundgeschmack, die Zunge ist tiefrot mit einem dünnen, gelben Belag. Hier sollten alle scharfen Gewürze und Alkohol strikt gemieden werden. Als Notfallskräuter dienen Löwenzahn, Tausendguldenkraut oder Enzianwurzel, diese dürfen solitär nur während des Anfalls gegeben werden, da sie sonst wegen ihrer bitter-kalten Eigenschaften das Qi schädigen würden.
Treten die Migräneanfälle erst ab der Menopause auf, spricht man von einer Leber-Blut- und Nieren-Yin-Leere mit aufsteigendem Leber-Yang. In diesem Fall sollte der Schwerpunkt der Behandlung mehr auf das Nähren der Patientin, nicht so sehr auf das Absenken des Feuers mit bitteren Kräutern gesetzt werden. Yin-nährende Nahrungsmittel wurden ausführlich im Teil 16 über Wechselbeschwerden besprochen. Die wichtigsten sind Weizenkeimöl, Leinöl, Nachtkerzenöl, alle Samen und Getreidekörner, besonders Dinkel, Kamutweizen, Hirse, Leinsamen, schwarzer Sesam, weiters Kartoffeln, Gelee Royal, Birnen, Spargel, Zucchini, Melanzani. Die Speisen sollten als Suppen, Aufläufe, Geschmortes und Kompotte zubereitet werden.

Schleim und Blutstase

In jedem Lebensalter können die Migräneanfälle durch das Auftreten von Schleim oder Blutstase verstärkt werden.
Im Falle eines Schleim-Musters kommt es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Schweregefühl im Kopf, Schraubstockdruckgefühl des Kopfes, Übelkeit, eventuellem Erbrechen von Schleim, Druckgefühl im Brustbereich, Ermüdung und Taubheitsgefühl der Extremitäten und Appetitmangel. Die Zunge ist dick, mit Zahneindrücken an den Seiten und einem dicken, schleimigen Belag. Bei älteren PatientInnen und im Falle chronischer Erkrankungen kann der Belag fehlen. Ist der Zungenkörper blass oder lilafarben, handelt es sich um ein Kältemuster und daher sollten warme, trocknende Kräuter eingesetzt werden: Rosmarin, Thymian, Lorbeer, Kardamom, Orangenschale, Liebstöckl, Bohnenkraut. Auch Verdauungskräuter wie Fenchel, Anis, Kümmel und Koriandersamen können zum Stärken des Magen-Darm-Traktes verwendet werden, um den Schleim umwandeln oder ausscheiden zu können. Rohe Speisen und kalte Getränke sollten strikt gemieden werden.
Ist der Zungenkörper sehr rot oder tiefrot, der Belag gelb oder gänzlich fehlend, handelt es sich um ein Hitzemuster, und es können entschleimende, bitter-kalte Kräuter wie Löwenzahn und Enzianwurzel verwendet werden. In beiden Fällen kann Baldrian empfohlen werden.
Ein weiterer Faktor, der einen Migräneanfall erschweren kann, ist die Blutstase. Sie kann als Folge von Schleim auftreten (siehe auch Teil 6), aber auch aufgrund einer Qi-Schwäche oder als Folge eines Schädeltraumas. Symptome sind lang anhaltender, stechender, bohrender, fixierter Schmerz, die Zunge ist purpurfarben oder dunkel, an den Seiten treten eventuell Flecken auf, die Unterzungengefäße sind gestaut.

Behandlung von Blutstase

Die Behandlung von Blutstase erfolgt über die Verbesserung der Qi-Zirkulation (körperliche Bewegung!), Optimierung der Resorptionsfähigkeit sowie über die Vermeidung oder Reduktion verschleimender Nahrungsmittel (Fleisch, Milchprodukte, Eier, Eiskrem, denaturierte Nahrungsmittel, Mikrowelle, Tiefkühlkost). Nahrungsmittel und Gewürze, die stagnierendes Blut zerstreuen und die Gefäße durchgängig machen, sollten verwendet werden: Gelbwurz, Schnittlauch, Essig, Basilikum, Pfirsichkerne, Schalotten, Lauch, frischer Ingwer, Rosmarin, Cayenne, Knoblauch, Muskat, Dille, Kohlrabi, Rettich, Radieschen, Kren, Melanzani, weißer Pfeffer, Adzukibohnen, Süßreis, Pfefferminze.
Wärmende Nahrungsmittel, besonders Knoblauch und Ingwer, sollten im Fall von Hitze-Zeichen (Hitzeaversion, rotes Gesicht, rote Augen) zusammen mit Bluthochdruck nur vorsichtig oder überhaupt nicht eingesetzt werden.
Sehr gut eignen sich chinesische Kräuter zum Entschleimen und Durchgängigmachen der Gefäße, vor allem auch zur Vorbeugung von Arteriosklerose, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Apoplexie.
Laut Flaws und Sionneau können Migräneanfälle im Prodromalstadium durch alles, was das Qi abwärts bewegt, verhindert werden: in kaltem Wasser treten, Hände in kaltem Wasser baden, essen und sogar Sex. Auch tägliche Tiefenentspannung und regelmäßige Bewegung wirken präventiv.

Quellen: P. Pitchford: Healing with Whole Foods, B. Flaws, Ph. Sionneau: The Treatment of Modern Western Medical Diseases with Chinese Medicine

www.tcm-beratung-wien.at 

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben