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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Ein komplexes Thema in der TCM: Harnwegsinfektionen

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) stellen Harnwegsentzündungen ein komplexes Thema dar. Sie sind wie alle Leiden immer Teil eines ganzen Syndroms mit jeweils unterschiedlicher Ätiologie und Organ- bzw. Funktionskreisbeteiligung, die ursächlich mit den Beschwerden zusammenhängen. Ich werde an dieser Stelle einen kurzen Abriss über die Möglichkeiten geben und dann im Besonderen häufigere Krankheitsbilder beschreiben.

Wichtig für die Differenzialdiagnose sind Quantität und Farbe der Ausscheidung sowie eventuell auftretende Schmerzen. Tritt bei der akuten Form ein Brennen beim Wasserlassen auf, wird von so genanntem Feuer gesprochen, wobei die Funktionskreise Herz, Dünndarm, Leber und Nieren beteiligt sein können. In diesem Fall können kühlende, antibiotische Kräuter wie Löwenzahn, Bärentraubenblätter und Heidekraut verwendet werden. Bei gleichzeitig auftretendem Blut im Urin werden weiters Hirtentäschle, Taubnessel und Stiefmütterchen gegeben. Es gibt auch eine Leere-Form mit Blut im Urin, die auf Qi-Mangel beruht und bereits chronisch ist, bei dieser Form muss der Organismus jedoch gestärkt werden, und antibiotische Kräuter würden das Qi nur noch mehr angreifen, die Symptome zwar kurzfristig wegbringen, aber die Ursache verstärken und Rezidive hervorbringen.

Die akuten Formen

Bei den akuten Formen, die mit Brennen beim Wasserlassen einhergehen, sollten folgende Nahrungsmittel und Gewohnheiten vermieden werden, weil sie die Hitze und somit die Entzündung noch mehr verstärken: Kaffee, Schwarztee, Alkohol, Fleisch und Wurstwaren, scharf gewürzte Speisen, denaturierte Nahrungsmittel und solche mit chemischen Zusätzen, Fast food und Rauchen. Stattdessen Gemüsesuppen und Eintöpfe sowie lang gekochte Reissuppen. Gerstenwassertee leitet die Entzündung aus und beseitigt den brennenden Schmerz: Ein Teil Gerste mit acht Teilen Wasser aufkochen, eine Stunde köcheln lassen, die Gerste auspressen, die Abkochung etwas abkühlen lassen und trinken. Die Gerste kann noch einmal verwendet werden.
Treten ziehende Schmerzen im Unterbauch auf, handelt es sich um eine Qi-Stagnation, die am besten durch Schafgarbe und Ringelblumenblüten gelöst wird.

Ist der Harn leicht getrübt, handelt es sich um eine Feuchtigkeitsproblematik, deren Ursprung im Verdauungstrakt zu finden ist und mit aromatischen Kräutern wie Kardamom, Engelwurz und Kümmel beseitigt werden kann. Hierbei kann Hitze oder Kälte im Vordergrund stehen. Bei Blasen-Feuchte-Kälte, deren Ursache meist ein übermäßiger Verzehr von Milchprodukten, Zucker und/oder Rohkost ist und häufig bei Frauen auftritt, sind die Hauptsymptome Oligurie mit hellem Harn und Völlegefühl im Unterbauch. Obstipation, Rückenschmerzen mit Verschlimmerung im Liegen, Anfälligkeit für Sinusitis, chronische Rhinitis, Erkältungsanfälligkeit und Augenbrauenschmerz können zusätzlich auftreten. Der Zungenkörper ist geschwollen und blass mit seitlichen Zahnabdrücken. Der Puls ist tief, dünn und langsam. Milchprodukte, Südfrüchte, Rohkost, besonders Tomaten und Gurken sowie Zucker sollten gemieden werden, denn diese kühlen aus und führen zu noch mehr Feuchtigkeit. Bei dieser Art von Harnwegsentzündung gilt auch, dass nicht so viel getrunken werden soll. Küchenkräuter wie Liebstöckl, Rosmarin, Thymian, Majoran, Bohnenkraut und Lorbeer wirken gegen die Feuchte Kälte, indem sie die Feuchtigkeit austrocknen und den Organismus wärmen.

Steht die Hitze im Vordergrund, wird von Blasen-Feuchte-Hitze gesprochen mit den Leitsymptomen Zystitis, schmerzhaftes Wasserlassen mit Harndrang und trüber, geruchsintensiver Urin. Der Zungenbelag ist klebrig und gelb, der Puls schnell, gleitend und voll. In diesem Fall sollte auf jegliches tierisches Protein, besonders Geflügel, verzichtet werden, weiters fette, scharfe, süße, gebratene, in Öl gebackene Speisen, Alkohol und denaturierte Nahrungsmittel wie Fast Food und Mikrowelle vermieden werden. Stattdessen werden für mindestens drei bis fünf Tage lang Reis mit Gemüse und Obstkompotte empfohlen. 

Die chronischen Formen

Die chronischen und rezidivierenden Formen von Harnwegsentzündungen können die Folge einer unbehandelten akuten Form sein oder beruhen primär auf einer Defizienz von Qi, Yin oder Yang, daher ist ihnen mit Antibiotika auch sehr schwer beizukommen. An dieser Stelle möchte ich eine in der Praxis häufig auftretende Form erwähnen, die mit Polyurie und klarem, hellem Harn einhergeht, zumeist Frauen betrifft und umgangssprachlich als "Blasenschwäche" bezeichnet wird. Es gilt die gleiche Ernährungsempfehlung wie bei Blasen-Feuchte-Kälte (siehe oben). Weiters erweist sich der Petersilientee als sehr hilfreich, da er Nieren und Blase stärkt (siehe Kasten!) 

Bei Fragen mailen Sie bitte an:  oder besuchen Sie mich im Internet: http://members.chello.at/tcm_ernaehrung/

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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