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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Wechselbeschwerden als Folge der Nieren-Yin-Leere

Chronische, auszehrende Erkrankungen, massiver Durchfall und/oder Erbrechen, Durchschlafstörungen, hohes Alter, chronischer Blutverlust durch Hämorrhoiden oder prolongierte Menstruationen und langfristige Medikamenteneinnahme führen zu einem Syndrom, das in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als Nieren-Yin-Leere bekannt ist. Da die Niere die Wurzel von Yin (alle Substanzen wie Blut, Knochen, Flüssigkeiten etc.) und Yang (energetische Vorgänge wie Organfunktionen, Gedanken, Emotionen etc.) ist, sind auch alle anderen Organe - besonders aber Leber, Herz und Lunge - von dieser Yin-Schwäche betroffen (siehe auch Teil 14).

Folgende Symptome können bei einer Nieren-Yin-Leere auftreten: Kalte Extremitäten und Hitzewallungen tagsüber, Bandscheibenabnützung, Osteoporose, Rückenschmerz und Hüftarthrose, Oligurie und Neigung zu Blasenentzündung, Haarausfall, frühzeitiges Ergrauen, Parodontose, Tinnitus, Ausbleiben der Menstruation oder Schmierblutungen, trockener Stuhl, Schlafstörungen und Unruhe, erhöhte Körpertemperatur spätnachmittags, Schwindel, heiße Fußsohlen nachts, unfreiwillige Samenergüsse, trockene Augen und Lichtempfindlichkeit, Panik- oder Angstzustände, Verschlimmerung der Symptome abends und nachts. Das Gesicht ist blass mit rötlichen Wangen, die Zunge ist rot, bei extremem Yin-Mangel tiefrot, ohne Belag und rissig. Der Puls ist tief, schnell, dünn und leer.

Nahrungsmittel, die das Nieren-Yin nähren, siehe Kasten unten!
Die Tierprodukte - besonders Eier, Schwein und Käse - sollten nur in kleinen Mengen gegessen werden, sonst entsteht Stagnation und Hitze in der Leber (siehe Teil 3 u. 4), die wiederum Yin von der Niere zur Kühlung abzieht. Schwarzer Sesam und Leinsamen sind besonders gut bei trockenem Stuhl, bei älteren Leuten und bei Auszehrung. Eibischwurzel und Spargelwurzel sind besonders hilfreich, wenn das Lungen-Yin bereits angegriffen ist. Radix Rehmanniae praeparata ist enthalten in der "Sechs-Bestandteile-Pille", ein sehr weit verbreitetes Nieren-Yin-Tonik in China.

Folgende Nahrungsmittel und Lebensgewohnheiten sollten gemieden werden: Kaffee, Alkohol und Rauchen, wärmende Nahrungsmittel wie Wurstwaren, Lammfleisch, gebratene Speisen, scharfe Gewürze, sowie Überessen. Emotionen, die die Leber "provozieren", sollten in andere Energieformen wie Aktivität, Kreativität, Bewegung, Produktivität, Meditation umgewandelt werden. 
Solche Emotionen sind Ungeduld, Ärger, Stress, Launenhaftigkeit, "Grant" und dergleichen (s. auch Teil 3 u. Teil 4).

Bei einer Yin-Leere ist immer auch das Qi verletzt, was bei der Nahrungsaufnahme berücksichtigt werden muss. Daher sollten kalte und denaturierte Speisen und Getränke gemieden werden, um das Qi nicht noch mehr zu schwächen (siehe Teil 12 u. Teil 14). Die stärksten Qi aufbauenden Nahrungsmittel sind Hafer, Dinkel, Karotten, Wild, Rind- und Hühnerfleisch, im Falle einer Yin-Schwäche als lang gekochte Suppe genossen. Bei auszehrenden Erkrankungen ist Gelee Royal sehr hilfreich (100-400mg täglich), sowie lange gekochte Getreidesuppen - insbesondere mit Dinkel, Hafer oder Rundkornreis, denn diese stärken die Immunabwehr. Um das Yin wieder herzustellen, ist ausreichend Schlaf notwendig.Osteoporose vorbeugend wirken Vollwertgetreide, insbesondere Quinoa und Amaranth (enthalten mehr Kalzium als Milch), Zinnkraut verrieben und als Gewürz verwendet, schwarze Bohnen und schwarze Sojabohnen.
   

Kasten 1: Nahrungsmittel, die das Nieren-Yin nähren

Getreide, Samen und Hülsenfrüchte: Dinkel, ungeschälte Weizenkörner, Kamutweizen, Hirse, Gerste, Quinoa, Sesam, schwarze Bohnen, schwarze Sojabohnen, Mungbohnen, Mandeln, Leinsamen 

Öle: Weizenkeimöl, Leinöl, Borretschkrautöl, Nachtkerzenöl
Kräuter: Eibischwurzel, Radix Rehmanniae praeparata (chin: Shu di huang), Radix Asparagi (chin: Tian dong), Aloe vera Gel, Zinnkrautsaft (nicht als Tee)

Gemüse: Gemüsesuppen allgemein, insbesondere Spargel, Kartoffel, Fisolen, Petersilwurzel, wässrige Gemüse wie Zucchini, Kürbis, Melanzani als gut gewürzte Suppe oder als Auflauf im Rohr gebacken Obst (als Kompott oder Marmelade): Bocksdornfrüchte (Fructus Lycii), Brombeeren, Heidelbeeren, Trauben, Birnen, Maulbeeren - alle können auch getrocknet in Kompotten oder süßen Getreidebreien mitgekocht werden.

Fleisch und Tierprodukte: Butter, Hartkäse, Eigelb, Gelee Royal, Schwein (nur von exzellenter Qualität - am besten Wildschwein, und nicht bei chronischen Erkrankungen wie Krebs oder Aids), Ente, Hühnerleber, Austern und Austernschalen (vermahlen), Sardinen

Bei Fragen mailen Sie bitte an: 

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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