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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Das Konzept von Immunität in der Chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt ein Organismus als gesund, wenn Yin (= Substanzen wie Blut, Flüssigkeiten, Knochen, Muskeln etc.) und Yang (= Energie wie Gedanken, Handlungsmotivation, Lebenslust etc.) im Gleichgewicht sind und ein reibungsloser, ungehinderter Qi-Fluss gewährleistet ist. Qi entsteht aus Yin und Yang und ist gleichzeitig der Mittler zwischen Materie und Energie. Es versorgt alle Organe und Strukturen mit Nährstoffen und schützt vor pathogenen Einflüssen. Für ein funktionierendes Immunsystem im modernen westlichen Sinn muss genügend Qi vorhanden sein. 
Die drei Organebenen

Drei Organebenen sind für die Entwicklung und Funktion unserer Krankheitsabwehr ausschlaggebend: Die erste Ebene stellt die Niere dar, die Wurzel von Yin und Yang. Die zweite Ebene ist der Verdauungstrakt, bestehend aus Magen, Milz (diese wird von TCM-PraktikerInnen im Westen oft mit den Funktionen der Bauchspeicheldrüse verglichen), Zwölffinger-, Dünn- und Dickdarm. Die dritte Ebene, die unsere Immunität beeinflusst, ist die Lunge. Organpaare wie Lungen und Nieren werden in der TCM in der Einzahl genannt, da die Organe nicht 1:1 im modernen westlichen Sinn übersetzt werden können, sondern immer ein ganzer Funktionenkreis mit den zugehörigen Leitbahnen gemeint wird.

Niere als erste Ebene

Die Niere, die erste Ebene, ist vergleichbar mit unseren westlich medizinisch definierten Erbanlagen und wird hauptsächlich bestimmt durch die Konstitution der Eltern, die Lebens- und Essgewohnheiten der Mutter während der Schwangerschaft sowie die Pflege und Fürsorge für das Neugeborene bis zum dritten Lebensjahr, wobei hier die Nahrungszufuhr eine besondere Rolle für die Ausbildung des Verdauungstraktes - der zweiten für die Immunität zuständigen Organebene - spielt.

Für die Vorbereitung einer Schwangerschaft, um ein gesundes Kind zu gebären, gelten in der TCM ähnliche Regeln wie in der modernen westlichen Medizin. Die zukünftigen Eltern sollten ausgewogen essen (siehe zweite Organebene), genügend schlafen und von Suchtmitteln wie Alkohol und Tabak Abstand nehmen. Während der Schwangerschaft sollte die Mutter nicht zu viel Rohkost und kalte oder denaturierte Nahrungsmittel zu sich nehmen, da dadurch die Niere des Fötus bereits im Mutterleib ausgekühlt wird und als Folge nach der Geburt nicht genügend Qi produziert werden kann. Auch sollten werdende Mütter scharf gewürzte Speisen meiden, da dadurch Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Ekzeme beim Baby ausgelöst werden können. 

Die Ernährung des Kleinkinds

Die Ernährung bis zum dritten Lebensjahr sollte anfänglich aus Muttermilch, dann aus Kartoffeln und Wurzelgemüse, besonders Karotten, Äpfel und Birnen, und später zusätzlich aus Haferporridge bestehen. Alle Nahrungsmittel in gekochter Form zuführen, da Rohkost den Verdauungstrakt des Babies/Kleinkindes auskühlt und so die Resorption wichtiger Nährstoffe verhindert wird. Bananen, Zitrusfrüchte und Südfruchtsäfte sollten gänzlich gemieden werden. Stattdessen Fencheltee bei Kleinkindern mit schwacher Verdauung, blassen Lippen und blasser Zunge, und Fenchel gemischt mit Melisse oder Kamille bei Kindern mit roten Lippen, roter Zunge und Unruhezeichen verwenden. 

Nieren-Kühlendes meiden

Strikt gemieden werden sollten denaturierte Nahrungsmittel (Mikrowelle, raffinierte Produkte wie Trockensuppen etc.), da sie dem Körper mehr Nährstoffe entziehen als zusetzen und so die Nieren entleeren, sowie Tiefkühlkost und Sojamilchprodukte, weil sie Nieren und Verdauungstrakt auskühlen. Süßigkeiten sollten nur in Form von getrockneten Früchten, Kompotten, Polentabrei mit Obst und Rosinen und dergleichen gegeben werden, nicht aber in Form von Schokolade, Zuckerln, Fruchtzwergen oder Fruchtjoghurts. Milchprodukte werden meistens toleriert, allerdings verschleimen sie in Verbindung mit Zucker und/oder Südfrüchten.

Zweite Ebene Verdauungstrakt

Die zweite Organebene, die für die Ausbildung der Immunität zuständig ist - der Verdauungstrakt - muss fähig sein, aus den Nahrungsessenzen genügend Qi zu extrahieren, um uns am Leben zu erhalten. Hierfür eignen sich besonders gut alle Wurzel- und Knollengemüse wie Kartoffeln, Karotten, Petersilwurzeln, Sellerie, Süßkartoffeln, Zwiebeln, Lauch, alle Kürbisarten, Rindfleisch, Karpfen, Hirse und Hafer. Westliche Kräuter wie Bohnenkraut, Liebstöckl, Oregano, Majoran, Lorbeerblatt, frischer Ingwer, Kümmel, Fenchel und Anis verhindern Fermentierungsprozesse in Magen und Darm und somit die Bildung von Abfallprodukten (in der TCM als "Feuchtigkeit" und "Schleim" bezeichnet). Weiters kann der Verdauungstrakt gestärkt werden durch Bewegung, regelmäßiges und warmes Essen sowie durch ein nahrhaftes Frühstück zwischen sieben und elf Uhr vormittags (= Organuhrzeit von Magen und Milz). Die am meisten untersuchten chinesische Kräuter, die unser Abwehrsystem stärken, sind Ginseng und Ganoderma lucidum (chinesisch Ling zhi oder japanisch Reishi), der "Langlebigkeitspilz", der vor allem in der Bekämpfung des HI-Virus erforscht wurde.

www.tcm-beratung-wien.at

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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