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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Schwächung des Herz-Blutes verursacht Schlafstörungen

Alle Syndrome in der Traditionellen Chinesischen Medizin, die zu Schlafstörungen führen, egal ob die Ursache von einer Fülle oder einer Leere herrührt, haben eines gemeinsam: die Schwächung des Herz-Blutes. Laut chinesischer Medizin residiert der Geist im Herzen (=Yang-Anteil), der durch den Yin-Anteil (=Blut, Säfte) verwurzelt und geerdet wird. Wird der substantielle Anteil angegriffen, kommt es zu Unruhe und Schlafstörungen.

In der Folge werden die so genannten Fülle-Formen beschrieben:

1) Magen-Feuer führt zu Herz-Blut-Mangel

Unter dieser Form leiden viele Menschen. Die Ursache ist oft eine falsche Ernährungsweise, beispielsweise scharfes Essen, Lammfleisch, Schnaps oder Rotwein vor dem Schlafengehen. Eine weitere Ursache sind Infektionen: durch hohes Fieber und Verstopfung wird der Organismus ausgetrocknet und Schlafstörungen können die Folge sein. Bei dieser ersten Fülle-Form handelt es sich um Hitze in Magen und Dickdarm, die die Säfte und das Blut angreift und durch Austrocknung das Herz beunruhigt.
Neben Schlafstörungen sind weitere Symptome Gastritis, Zahnfleischentzündung, Heißhunger, sehr rote Lippen und blasses Gesicht, Palpitationen und Nachtschweiß. Der Patient verträgt keine Decke, trinkt viel in der Nacht, geht mit Mineralwasserflasche ins Bett, wacht mit trockenem Mund auf und ist später anfällig für Tinnitus, Gallenblasenprobleme, Ischialgie, Arteriosklerose usw. Die Zunge ist rot und eventuell rissig.
Therapie: Kein Wein vor dem Schlafengehen, kein Fleisch, mehr Rohkost, oder sogar abführende Verfahren mit Rhabarberwurzeltee. Westliche Kräuter vor dem Schlafengehen: einige Tropfen Schwedenbitterkräuter, kühler, starker Pfefferminztee, Klettenwurzeltee. Nach längerem Bestehen dieser leichten Form entwickelt sich folgendes Syndrom:

2) Schleim-Hitze zwischen Gallenblase und Magen

Durch langfristige falsche Ernährungsweise (beispielsweise fette Speisen wie Lasagne oder ein Liter Rotwein vor dem zu Bettgehen, Essen im Bett und dann schlafen) kommt es zu einer Ansammlung von Abfallprodukten (= Schleim) und durch deren Stagnation zu Hitze. Zu den oben genannten Symptomen kommen Völlegefühl, saures Aufstoßen, schwerer Kopf, Mundgeruch und bitterer Mundgeschmack hinzu. Der Zungenkörper ist dick und gelblich belegt. Schulmedizinisch gesehen fallen darunter Erkrankungen und Beschwerden wie erhöhte Blutfette, Arteriosklerose, Übergewicht, Hypertonie, Schleimproblematik, Diabetes mellitus und Steinbildung.
Therapie: Früh ins Bett gehen (um ca. 22 Uhr) und vorher nichts essen, der Geist wird wieder klar und man kann morgens früher aufstehen.Nach 18 Uhr nichts Fettes und kein Fleisch mehr essen, scharfe Gewürze immer meiden. Anwendung aromatischer Kräuter wie Kardamom, Lorbeerblatt, Thymian, wenn die Feuchtigkeit bzw. der Schleim überwiegt (geschwollene Zunge). Durch diese Kräuter wird das Abfallprodukt Schleim wieder in Säfte umgewandelt. Bittere Kräuter wie Klettenwurzel, Erdrauch, Stiefmütterchen, Löwenzahn, wenn die Hitze überwiegt (sehr rote Zunge), um diese über die Diurese auszuleiten. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden Kräuterarten sollte gefunden werden, damit keine Nebenwirkungen auftreten. Schwedenbitter, beispielsweise, besteht aus beiden Komponenten

3) Leber-Qi-Stagnation wandelt sich in Gallenblasen-Feuer

Eine gestaute Leber gibt erstens kein Qi an andere Organe ab (besonders das Herz ist davon betroffen), und zweitens entsteht Hitze in der Gallenblase, die wiederum das Blut angreift. Die Ursachen sind ständige Frustrationen im emotionalen oder beruflichen Bereich sowie eine latente Aggressivität, die nicht konstruktiv geäußert werden kann. Die Symptome sind Einschlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwellung und Schmerz im seitlichen Brustkorb, zeitweiser Schwindel, Albträume, Aggressivität, rote Augen und bitterer Mundgeschmack. Die Zunge weist einen gelblichen Belag auf, und die Zungenränder sind rötlich.
Therapie: Kreativität (malen, singen, tanzen, zeichnen, schreiben), Bewegung, Partner- oder Jobwechsel. Weiters die Anwendung folgender Gewürze und Nahrungsmittel: Brunnenkresse, Gelbwurz (Kurkuma), Basilikum, Lorbeerblatt, Kardamom, Majoran, Kreuzkümmel, Dille, Ingwer, Kren, Rosmarin, Minze, Melisse, Angelikawurzel, Orangenschale, Süßreis (Mochi), Erdbeeren, Pfirsiche, Kirschen, Rettich, Radieschen, alle Kohl- und Kürbisarten. Blütentees wirken reinigend und stagnationslösend: Jasminblüten, Rosenblüten, Orangenblüten, Passionsblüten, Ringelblumen. In schweren Fällen, die mit Hypertonie einhergehen und der Patient gehirnschlaggefährdet ist: Enzianwurzel und Tausendguldenkraut.Chavy Maria Michalitsch Zu meiden sind insbesondere fette, scharfe und süße Nahrungsmittel, da sie eine Leber-Qi-Stagnation fördern: zu viel tierisches Eiweiß (Schmalz, Fleisch, Schlagobers, Käse, Eier), billige Öle mit gehärteten Fetten, herkömmliche Margarine. Weiters scharfe Gewürze und Alkohol meiden, da sie zu Entzündungen, Bluthochdruck, Migräne, Tinnitus und Drehschwindel führen können.

Konzentration und Beruhigung des Geistes

Im so genannten Informationszeitalter tendieren wir zu geistiger Überaktivität. Die Yang-Aspekte des Herzens steigen aufwärts zum Kopf und verursachen Fieber, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und geistige (Ver) Störungen. Eine Behandlung erfolgt über das Stärken des Herz-Yin, um den Geist im Herzen zu verwurzeln. Ein starker Yin-Anteil des Herzens führt dazu, dass der Mensch nicht mehr in der Vergangenheit oder Zukunft lebt (Grübeln über Vergangenes, Sorgen über die Zukunft), sondern den Augenblick genießen kann. Generell kann das Herz-Blut beziehungsweise Yin durch die Vermeidung folgender Angewohnheiten gestärkt werden: zu viele Zutaten in einer Mahlzeit, sehr scharfe oder üppige Speisen, Zucker, Alkohol, Kaffee, spätes Abendessen, zu große Abendmahlzeiten.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe über Ernährung und Kräuter zur Stärkung des Immunsystems.

www.tcm-beratung-wien.at

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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