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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Insomnia: Milz-Qi-Mangel, Yin-Mangel, Schockzustand

1) Milz-Qi-Mangel führt zu Herz-Blut-Mangel

Viele Menschen leiden aufgrund von Erschöpfung unter dieser ersten Form. Als Milz-Qi-Mangel wird eine Energieschwäche des Verdauungstraktes bezeichnet, die mit Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Verdauungsstörungen einhergeht. Die aufgenommene Nahrung bleibt zu lange in Magen oder Darm, durch die einsetzende Gärung entstehen Abfallprodukte, die wiederum die Resorption der Nährstoffe behindern, die für die Blutproduktion notwendig wären.

Um Fermentierungsprozessen entgegenzuwirken, werden aromatische Kräuter eingesetzt: Lorbeer, Thymian, Rosmarin, Kardamom, Liebstöckl, Engelwurz sind die stärksten, die wir im Westen zur Verfügung haben. Die Ursachen für diese Art von Schlafstörungen sind eine konstitutionelle oder ernährungsbedingte Milz-Schwäche (zu viel Rohkost, Tee oder Kaffee), Prüfungsstress, Grübeln sowie wenig Schlaf. Zu den bereits oben genannten Verdauungsbeschwerden kommen Symptome wie Durchschlafstörung, Grübeln, Kurzzeitgedächtnisstörungen, Herzklopfen und eine blasse Gesichtsfarbe.

Zeichen an der Zunge: Der Zungenkörper ist blass, eventuell bereits etwas rissig, mit weißem Belag, rotem Zungenspitzerl sowie sichtbaren Zahnabdrücken an den Zungenrändern.Die an dieser ersten Form leidenden Menschen sind so erschöpft und müde, dass sie nur schwer einschlafen können, und der Schlaf ist sehr oberflächlich. Diese PatientInnen müssen gestärkt werden.
Folgende Nahrungsmittel eignen sich dafür besonders: Hafer, Rindfleisch, Karotten, Wurzelgemüse, Kohlrabi, Sellerie, Kartoffeln, Kürbisse, Datteln, Fenchelgemüse und -samen, Sternanis. Die Speisen sollten mit aromatischen Kräutern wie Lorbeer, Thymian, Rosmarin, Kardamom, Liebstöckl gewürzt werden.

Getreide vor dem Kochen trockenrösten und nur morgens zwischen 7 und 11 essen, zum Beispiel morgens gekochte Haferflocken mit 2 klein geschnittenen Datteln und Rosinen, dazu Fencheltee. Diese PatientInnen sollten einstweilen Zucker, Rohkost, Kaffee, Schwarztee und raffinierte Nahrungsmittel meiden, da sie das Qi und Blut schwächen.

2) Yin-Mangel führt zu aufsteigendem Herz-Feuer

Der oben beschriebene Herz-Blut-Mangel geht nach längerem Bestehen in einen so genannten Yin (=Substanz)-Mangel über. Weitere Ursachen für einen Yin-Mangel sind chronische Erkrankungen, Wechseljahrbeschwerden, Stress und Zeitdruck. Die Hauptsymptome sind Einschlaf- und Durchschlafstörung, Unruhe, Palpitationen, Schwindel, schlechtes Erinnerungsvermögen, eventuell Tinnitus (meist hochtönig), Lendenschmerzen, heiße Fußsohlen nachts, trockener Husten, blasses Gesicht mit roten Bäckchen, Hitzigkeit und Durst, wobei meist nur wenig getrunken werden kann. Der Zungenkörper ist rot und ohne Belag, die Zungenspitze ist sehr rot.

Folgende Nahrungsmittel werden empfohlen: Getreide wie Dinkel, Vollwertreis und Hafer (als ganzes Korn oder frisch geschrotet), Bocksdornfrüchte (Fructus Lycii), Spinat, Maulbeeren, Datteln, Samen und Nüsse. Die beiden Letzteren sollten nicht abends gegessen werden, da sie aufgrund ihres Fettgehaltes die Verdauung blockieren, was wiederum zu Unruhe und Schlafstörungen führen kann.

Weiters helfen silziumhältige Nahrungsmittel: Hafergrastee, Gerstenbrei, Haferkorncongee, Hirsencongee (ein Congee ist eine bis zu fünf Stunden lang gekochte Getreidesuppe, die süß oder salzig genossen werden kann), Gurken (gekocht!) und Sellerie. Durch diese Nahrungsmittel wird der Kalziumstoffwechsel unterstützt, die Nerven und das Herzgewebe werden gestärkt.
Weiters wirkt warme mit Thymian- oder Rosmarinhonig gesüßte Kuh- oder Ziegenmilch bei dieser Form der Einschlafstörungen vor dem Zubettgehen. Im Falle einer Milchunverträglichkeit und für Erwachsene eignet sich ein Dinkeltee abends zum Einschlafen: Ein Teil Dinkel (ganz oder frisch geschrotet) und 6 Teile Wasser werden zusammen mit zwei Datteln ohne Kern eine halbe bis dreiviertel Stunde gekocht, danach wird der Tee abgeseiht, ausgepresst und getrunken. Die Körner können noch einmal ausgekocht und danach kompostiert werden.

Westliche Kräuter als Tees zum Beruhigen des Geistes: Brennessel, Kamille, Melisse, Baldrian, Dille und Basilikum. In der chinesischen Arzneimittelkunde werden außerdem auch Pilze wie Poria und Ganoderma lucidum sowie Fructus Schisandrae, Semen Ziziphi spinosae und Austerschalen verwendet.

3) Schockzustand

Durch Aufregung, einen Schock oder ein Trauma kommt es zu einer Entleerung des Herz- und Nieren-Qi. Dies passiert oft bei Kindern, die mehrmals nachts aufwachten, wenn die Eltern nicht da waren. Die Hauptsymptome sind durch Angst bedingte Einschlafstörung, Angst vor Dunkelheit (Keller), Angst allein zu sein, Schüchternheit und Palpitationen. Hinzukommen können Albträume, Bettnässen, spontane Schweißausbrüche und Kurzatmigkeit. Süße Gemüse wie Karotten, Fenchel, Kürbis, Kartoffeln und süßes Getreide wie Dinkel, Hafer und Hirse zum Aufbauen des Qi (=Lebenskraft), sowie aromatische Kräuter: Kardamom, Lorbeer, Rosmarin, Thymian, Oregano, Majoran, Bohnenkraut, Liebstöckl, Baldrian und Kamille.

Weiters sollten stagnationslösende Kräuter verwendet werden: Dille, Schnittlauch, Lauch, Safran, Orangenschale, Gelbwurz. Unbedingt gemieden werden sollten verschleimende Nahrungsmittel wie raffinierte Nahrungsmittel, Tiefkühlkost, Mikrowelle, Zucker, Milchprodukte verbunden mit süß, Süßungsmittel, zuviel Rohkost (Bananen!). Bei Erwachsenen auch Fleisch und Eier meiden oder einschränken.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe über Ernährung und Kräuter bei Fülle-Formen von Insomnia.

www.tcm-beratung-wien.at

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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