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Komplementärmedizin 4. November 2005

Wirkung ätherischer Öle ist messbar

Aromastoffe werden nasal, pulmonal und perkutan resorbiert und beeinflussen zerebrale Potenziale innerhalb von Sekunden. Ebenso sind starke Reaktionen im Bereich von vielen anderen Körperparametern nachweisbar. In richtiger Weise gewonnen, richtig gelagert und richtig angewandt, können sie wertvolle Hilfe leisten, wie zahlreiche Studien dokumentieren.

Am Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Wien führte Prof. Dr. Gerhard Buchbauer in Zusammenarbeit mit Kollegen in Innsbruck verschiedene Experimente mit Tieren durch und konnte dabei nachweisen, dass Aromastoffe das Verhalten von Lebewesen, zum Beispiel deren Motorik, Mobilität und Sozialverhalten, direkt beeinflussen können. Verschiedene Inhaltsstoffe der ätherischen Öle konnten in Blutproben nachgewiesen werden. Neuro-Radiologen im Wiener AKH untersuchten mittels Xenon-Computer-Tomographie den Blutfluss im Gehirn. Einige Aromastoffe entfalteten eine durchblutungsfördernde Wirkung, andere wirkten direkt in den Kortexregionen. Qualitative Analysen der Gehirnrinden von Mäusen, die man vorher verschiedene Aromastoffe einatmen hatte lassen, zeigten, dass diese Stoffe via humoralen Transport tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke passierten.Ätherische Öle sind natürlich vorkommende Mischungen einer Vielzahl von flüchtigen Verbindungen mit der allen gemeinsamen Eigenschaft, einen Duft auszuströmen. Im Rosenöl können rund 270 Verbindungen nachgewiesen werden. Jede einzelne Verbindung besitzt bestimmte physikochemische Eigenschaften. Demgemäß können Aromastoffe in medizinischen und auch kosmetischen Behandlungen eingesetzt werden. Zusätzlich rufen sie über die Stimulierung des Geruchssinnes einen Gefühlseindruck hervor.

Hohe Affinität zum Zentralnervensystem

Durch ihre Lipophilie penetrieren die kleinen Moleküle der Aromastoffe sehr leicht die Haut. Im Blut kann man sie schon wenige Minuten nach topischer Applikation nachweisen. Eingeatmet gelangen die Öle durch Resorption durch die Nasenschleimhaut ebenso rasch in die Blutbahn wie durch intravenöse Injektion und zeigen eine hohe Affinität zum Zentralnervensystem. Die Kumulationsrate ist dabei relativ hoch. Limonen besitzen zum Beispiel eine Halbwertszeit von 58 Stunden. Bei der Anwendung von ätherischen Ölen sollten deshalb alle pharmakologischen und toxikologischen Daten sorgfältig berücksichtigt werden. Die wichtigste Entscheidungshilfe im Hinblick auf die korrekte Anwendung eines ätherischen Öls ist die genaue Analyse seiner natürlichen Duftstoffmischung mittels Kapillar-Gaschromatographie. Die Zusammensetzung eines ätherischen Öls ist abhängig von der geographischen Lage der Pflanze, von saisonalen Bedingungen, Erntezeit und Klima, von Herstellungstechniken und von seiner Reinheit.

Methoden der Gewinnung

Es ist zum Beispiel nicht gleich, ob ein ätherisches Öl durch Hydrodestillation (das Pflanzenmaterial wird mit der zwei- bis dreifachen Menge an Wasser in einer Destillationsblase durch von außen zugeleiteten Wasserdampf erhitzt) oder durch Wasserdampfdestillation (das Pflanzenmaterial wird durch Dampf extrahiert) oder durch Hydrodiffusion (Niederdruckdampf löst durch eine Art osmotische Reak- tion die flüchtigen Verbindungen aus dem intakten Pflanzenmaterial heraus) oder durch „supercritical fluid CO2-extraction“ (SFE, über 30 bar, Temperatur über Raumtemperatur) gewonnen wird. Nach der ISO-Regel 9235 sind nur durch Wasserdampfdestillation oder durch Pressung der Zitrusfrüchteschalen erhaltene Produkte ätherische Öle.

Wichtig ist die Vermeidung von Verunreinigungen

Viele der den ätherischen Ölen zugeschriebenen negativen Wirkungen sind bei genauer Betrachtung darauf zurückzuführen, dass keine echten ätherischen Öle verwendet wurden, sondern Essenzen, Extrakte und anderes. Sehr wichtig ist auch das Vermeiden von Lösungsmittel- und Pestizid-Rückständen. 55 Prozent der gesamten Weltproduktion an ätherischen Ölen kommen aus Drittweltländern, wo Umweltaspekte nicht dieselbe Rolle spielen wie in Europa.Ätherische Öle erweisen sich als wertvolle Helfer für die medizinische Behandlung, indem sie einerseits zum Beispiel die Konzentra-tion von Immunglobulinen im Plasma erhöhen und somit die Abwehrkraft steigern und andererseits durch das „Wohlfühlen“ des Patienten dessen Selbstheilungskräfte stärken. Aromatherapeutika sind daher eine gute Ergänzung zum bestehende Arzneimittelschatz, wenn sie in richtiger Weise gewonnen, richtig gelagert und richtig angewandt werden.

Kontakt: Prof. Dr. Gerhard Buchbauer,
Institut für Pharmazeutische Chemie, Uni-
versität Wien, 1090 Wien, Althanstrasse 14,
E-Mail:
Quelle: Gerhard Buchbauer: Über biolo-
gische Wirkungen von Duftstoffen und ätherischen Ölen; Springer-Verlag, Wien Med Wochenschr (2004) 154/21-22: 539-547

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