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Komplementärmedizin 12. November 2013

Funktionelle Neuraltherapie

Lokalanästhetika gegen Schmerzen und Entzündungen - ein Erfahrungsbericht.

Die Neural- und Störfeldtherapie nach Huneke ist seit mehr als 70 Jahren bekannt. Der Autor berichtet über seine Erfahrungen mit der funktionellen Neuraltherapie, die er selbst entwickelt hat. Dabei setzt er Lokalanästhetika ein, um Schmerzen und Entzündungen zu behandeln.

Die Brüder Huneke gingen davon aus, dass Narben und chronische Entzündungen den Körper so beeinflussen können, dass an anderen Stellen Krankheiten und Beschwerden entstehen. Durch die Ausschaltung dieser Bereiche mithilfe eines LA wollten sie diese Erkrankungen zunächst kurzfristig lindern und durch wiederholte Behandlung zur Ausheilung bringen. Sie postulierten daraufhin ihre Huneke-Regeln:

• Jede Krankheit kann störfeld- bedingt sein.

• Jede Stelle des Körpers kann zum Störfeld werden.

• Durch die Ausschaltung dieser Störfelder mithilfe eines LA ist es möglich, die daraus resultierenden Erkrankungen zu behandeln.

Häufige Störfelder sind Tonsillen und Tonsillennarben, Narben nach Verletzungen und Operationen, chronische Entzündungen und Zähne.

Funktionelle Neuraltherapie

Die funktionelle Neuraltherapie (FNT) entstand 1984. Damals fielen mir Punkte an der Faszie der Körpervorderseite auf, die mit inneren Organen in einem funktionellen Zusammenhang stehen. Durch die Injektion einer kleinen Menge LA an diesen anatomisch exakt definierten Punkten konnte ich die Ausstrahlung der über diese Punkte weitergeleiteten Fernsymptome unterbinden.

Dabei traten widersprüchliche Reaktionen auf. Einigen Patienten ging es gleich nach der Behandlung deutlich besser, bei anderen verschlimmerten sich diese Beschwerden zunächst und klangen dann später ab. Aus dem Versuch, diese Phänomene zu verstehen, entwickelte sich die Funktionelle Neuraltherapie (FNT).

Der Schlüssel zum Verständnis der Phänomene war die Erkenntnis, dass Schmerzen eine Begleiterscheinung einer Entzündungsreaktion sind. Diese hat eine zentrale Bedeutung. Lebewesen ohne die Fähigkeit zur Entzündung (z.B. Knockout Mäuse) sind nicht überlebensfähig, da die Entzündung der zentrale Mechanismus zum Ausheilen von Schädigungen und Erkrankungen ist. Schmerz bei chronischen Erkrankungen ist in dieser Sicht eine Begleiterscheinung eines nicht zu Ende geführten Heilungsprozesses.

Letztendlich lassen sich alle Krankheitsbilder, die auf eine persistierende Entzündung zurückzuführen sind, durch die FNT behandeln.

Die LA-Injektion wird in der Regel im Wochenabstand wiederholt, nach Möglichkeit so lange, bis das Ziel der Beschwerdefreiheit erreicht ist.

LA-Spray

Zum Einsatz eines LA-Sprays zu therapeutischen Zwecken kam ich nach der Lektüre eines Buches von Wilhelm Flies, der um 1900 als HNOArzt in Berlin praktizierte. Er hatte in der Nasenschleimhaut Bereiche entdeckt, über die er durch Kauterisation periphere Beschwerden und Schmerzen behandeln konnte. Ich behandle chronische Entzündung der Nebenhöhlen, weitere HNO Bereiche und Organe durch LA der Nasenhöhlen und des Rachens (LANR). Neben Kopfschmerzen und Migräne setze ich die LANR auch bei Schwindel, Gehörgangsschmerzen, Tinnitus, dem „roten Auge“, Konjunktivitiden, Bronchitiden und akuter asthmatischer Spastik ein.

FNT-Punkte

Die für Schmerzen wichtigsten Bereiche der FNT sind neben den Nebenhöhlen und dem Rachen die Punkte für Leber/Galle (G), die Bauchspeicheldrüse (P) und die gynäkologischen Unterleibsorgane (GynP) bzw. die Prostata (S). Diese Punkte liegen subkutan direkt an der Faszie der Bauchmuskulatur. Die behandelbaren Schmerzen liegen entsprechend den Head’schen Zone

• bei den Punkten G und P in der Schulter-Nacken-Region und im Bereich zwischen den Schulterblättern

• bei den Punkten GynP (bei Frauen) und S (bei Männern) an der Lendenwirbelsäule, den Beinen einschließlich der Gelenke, am Kopf, auf der Haut und den sichtbaren Schleimhäuten.

Injiziert wird eine geringe Menge eines niedrig konzentrierten LA (z.B. 0,5 ml Lidocain 0,5%) exakt an diesen Punkten. Die LA-Injektion dient zunächst als Diagnostikum bezüglich der Genese der Schmerzen und ist bei einem bestehenden Zusammenhang zugleich eine therapeutische Maßnahme.

Durch die Kombination LANR und GynP/S ist es möglich, Migräneanfälle schnell (innerhalb ca. einer Minute) zu unterbrechen. Ist dies nicht der Fall, liegen regelmäßig weitere Störfelder oder Schmerzursachen vor, z.B. Blockierungen der Brustwirbelsäule. Es ist selbstverständlich, dass mit einer einzigen Behandlung eine Migräne nicht ausgeheilt sein kann.

Fazit für die Praxis

Nach dem Verständnis der funktionellen Neuraltherapie beruhen Schmerzen auf Störungen der Heilungsvorgänge. Diese betreffen in der Regel das ganze System und den ganzen Körper. An speziellen Punkten des Körpers wendet der Autor Lokalanästhetika an, um sowohl diese Störungen als auch die daraus resultierenden Erkrankungen zu beseitigen.

Auszug aus dem Beitrag

„Lokalanästhetika einmal anders eingesetzt“: MMW-Fortschr. Med.

Nr. 41 / 2011 (153. Jg.)

Literatur unter mmw.de

Anschrift des Verfassers:

Dr. med. Siegfried Zinecker

Facharzt fur Allgemeinmedizin

Chirotherapie/Manuelle Medizin

Akupunktur, Psychotherapie

Olgastraße 9,

D-90441 Nürnberg

E-Mail:

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