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Komplementärmedizin 14. Oktober 2013

Harnwegsinfekte

Phytotherapie tut der Blase gut.

Die weibliche Blase ist besonders empfindlich: Mehr als die Hälfte der Frauen leidet mindestens einmal im Leben an einem Harnwegsinfekt. Gute Beratung kann helfen, dass das ein Einzelfall bleibt.

Unspezifische Harnwegsinfektionen mit erhöhtem Miktionsdrang, Brennen beim Wasserlassen und leichten Unterbauchkrämpfen zählen zu den häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten. Frauen sind - zumindest in der ersten Lebenshälfte - acht Mal häufiger betroffen als Männer: 50 bis 70 Prozent aller Frauen haben mindestens einmal im Leben einen Infekt des unteren Harntrakts und bei etwa 30 Prozent kommt es zu rezidivierenden Episoden. Erst ab dem 50. Lebensjahr holen die Männer dann bei der Häufigkeit von Harnwegsinfektionen auf.

Häufiger aber unkomplizierter

Zwar bekommen Frauen leichter einen Harnwegsinfekt, dafür ist bei ihnen eher von einer unkomplizierten Infektion auszugehen, meist einer akuten Zystitis. Ob tatsächlich ein Harnwegsinfekt vorliegt, können Patienten auch durch einen in der Apotheke erhältlichen Selbsttest ermitteln. Bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen mit leichten Beschwerden heilen diese auch in relativ kurzer Zeit ab - unterstützt durch eine unspezifische Therapie mit reichlich Flüssigkeitszufuhr, Wärme (feuchte Wickel plus Wärmflasche) und Spasmolytika wie Butylscopolaminbromid. Viele Patientinnen sind zudem froh, wenn sie bei einer beginnenden Blaseninfektion um die Einnahme eines Antibiotikums herumkommen. Sie ziehen natürliche Behandlungsmöglichkeiten wie Phytotherapeutika vor.

Bestehen allerdings nach drei Tagen einer unspezifischen Behandlung die Beschwerden fort, ist meist ein Antibiotikum nötig. Weitere Anzeichen, bei denen zu einem Arztbesuch geraten werden sollte, sind Schmerzen in der Nierengegend, übel riechender, blutiger Harn, allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber. Auch bei Kindern unter zwölf Jahren, Männern, Schwangeren, Frauen in der Menopause und Diabetikern ist von vornherein von einer komplizierten Zystitis auszugehen. Doch auch diese Patienten sind oft dankbar für Tipps, was sie zusätzlich zu einer vom Arzt verordneten Antibiotikaeinnahme tun können, etwa um ein Rezidiv zu vermeiden.

Mit pflanzlichen Wirkstoffen die Harnwege durchspülen

Hier können ebenfalls Phytotherapeutika zur Durchspülung empfohlen werden. Einige pflanzliche Zubereitungen haben über den aquaretischen Effekt eine antimikrobielle und entkrampfende Wirkung. Gut geeignet für eine Durchspülungstherapie sind vor allem Zubereitungen mit Goldrutenkraut (leicht diuretisch, entkrampfend und antientzündlich) sowie Birkenblättern und Orthosiphonblättern. Leicht bis mäßig antibakteriell wirken etwa Bärentraubenblätter, deren Hauptwirkstoff Arbutin in Hydrochinon metabolisiert wird. Wichtig bei ihrer Anwendung: Der Harn sollte schwach alkalisch sein, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen. Dies kann durch basische Kost (Kartoffeln, Gemüse) oder durch Einnahme von Natriumhydrogencarbonat erreicht werden. Allerdings: Ein alkalischer Harn kann das Wachstum von Bakterien fördern. Daher sollten Zubereitungen mit Bärentraubenblättern maximal eine Woche angewendet werden.

Pflanzenextrakte - antimikrobiell und spasmolytisch

Gerade bei Rezidiven kann auch durch Einnahme von Methionin der Harn gezielt sauer eingestellt werden, um das Wachstum pathogener Keime einzudämmen. Leicht bis mäßig antimikrobiell gegen die häufigsten Erreger von Harnwegsinfekten wirken auch die in Kren und Kapuzinerkresse enthaltenen Wirkstoffe - Vorstufen der Senföle. In Untersuchungen wurde der Nutzen sowohl bei akuten Harnwegsinfekten als auch bei Rezidiven nachgewiesen. Hilfreich kann zudem eine Kombination mit Extrakten aus Tausendguldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern sein. So wirken die ätherischen Öle der Liebstöckelwurzel, die auch zur Durchspülungstherapie genutzt wird, spasmolytisch.

Die ätherischen Öle, Bitter- und Gerbstoffe in Rosmarin haben antibakterielle und entzündungshemmende Effekte, ebenso die Bitterstoffe aus Tausendguldenkraut. In einer ukrainischen Studie konnte mit der Kombination zusätzlich zu einer Kurzzeit-Antibiotikatherapie bei akutem Harnwegsinfekt die Rezidivrate signifikant vermindert werden.

 

Springer-gup/ki
, Apotheker Plus 8/2013

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