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Dr. Michaela Gleußner,Thomas Flatz, MAS, MBA,Neurofeedback-Institut, Pressbaum und Wien.

Abb. 2: Beispiel einer Neurofeedbacksitzung mit jugendlichem Patient

© www.neurofeedback-institut.at (3)

Abb. 1 Behandlungsmöglichkeiten mit Neurofeedback

Abb. 2:Beispiel einer Neurofeedbacksitzung mit jugendlichem Patient

© www.neurofeedback-institut.at (3)

Abb. 1 Behandlungsmöglichkeiten mit Neurofeedback.

 
Komplementärmedizin 6. September 2013

Neurofeedback

International anerkannte Therapie in Österreich noch wenig bekannt.

Seit Jahren führt Neurofeedback in Österreich als Therapieform von Regulationsstörungen der elektrischen Gehirnaktivität einen Dornröschenschlaf. Zu Unrecht. Denn weltweit gewinnt Neurofeedback als alternative Behandlungsform von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen immer mehr an Bedeutung.

Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten mit Neurofeedback

AD(H)S und anderen Lernstörungen, Autismus, Epilepsie, Depression, Angst/Panikattacken, chronische Schmerzen/Migräne, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, Schlafstörungen, TIC-Störungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTSD). Neurofeedback kann bei zahlreichen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden (Abb. 1).

Auch in der Gesundheitsförderung und Prävention gewinnt Neurofeedback immer mehr Bedeutung, z.B. als Training zur Stressbewältigung oder zur Erhaltung der geistigen Flexibilität im Alter. Zu weitere Einsatzgebieten zählt die mentale Leistungssteigerung (Peak Performance Training) im Spitzensport sowie auch die Verbesserung der künstlerischen Performance von Musikern.

Beispiele:

• Neurofeedback wird von der US-Army als etabliertes Verfahren zur Behandlung posttraumatischer Stresserkrankungen von Kriegsveteranen eingesetzt.

• Im Profisport fördert der AC Milan seine Fußballspieler seit 2006 mit Neurofeedback.

• Mitglieder der Stuttgarter Oper setzen Neurofeedback zur Verbesserung ihrer künstlerischen Performance ein.

Was ist Neurofeedback?

Seit Jahrzehnten ist das EEG (Elektroenzephalogramm) Teil der neurologischen Diagnostik. Viele Krankheiten, Störungen oder ungewollte Verhaltensmuster sind auf eine Fehlregulierung der elektrischen Gehirnaktivität zurückzuführen. Neurofeedback nutzt die Messung der Gehirnstromwellen (EEG-Wellen), um mittels Feedbacktraining Regulationsstörungen im Gehirn zu verbessern und zu beheben. Neurofeedback ist eine Spezialform des Biofeedbacks und gilt als ein international wissenschaftlich anerkanntes Verfahren zur Stabilisierung des Zentralnervensystems und zur Optimierung der Hirnaktivität.

Wie funktioniert Neurofeedback?

Mit Neurofeedback lernen Menschen, bestimmte neurologische und psychische Vorgänge im eigenen Körper selbst zu kontrollieren und zu verändern. Dafür werden Elektroden am Kopf angebracht und die elektrische Aktivität des Gehirns mittels Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet. Mit Hilfe einer computergesteuerten Software kann der Therapeut das EEG-Bild analysieren und Regulationen und Feedbacktraining aktivieren. Gleichzeitig erhält der Patient auf einem eigenen Bildschirm ein visuelles und auditives Feedback in Form einer Animation, das sich entsprechend der Veränderungen in der Gehirnaktivität bewegt (Abb. 2).

Aufgabe des Patienten ist es, die Animation entsprechend den therapeutischen Vorgaben mit eigener Konzentration in Bewegung zu halten. Durch dieses Feedbacktraining lernt das Gehirn in relativ kurzer Zeit jene EEG-Wellen zu erhöhen, die z.B. für Entspannung, Konzentration und Spitzenleistung benötigt werden und gleichzeitig jene Gehirnwellen zu reduzieren, welche Ängste, Depressionen und Stressgefühle auslösen.

Vorgehensweise / Therapie

Wichtig vor jeder Behandlung ist zunächst eine eingehende Anamnese, Diagnostik und Befunderhebung. So können z.B. Schlafstörungen oft mit (kortikaler) Übererregung, ADS (ohne Hyperaktivität) oft mit (kortikaler) Untererregung in Verbindung stehen. Migräne, verschiedene Anfallsleiden, aber auch Tics hängen eher mit instabilem Arousal zusammen. Gemeinsam mit dem Patienten wird ein Therapieplan samt Therapiezielen erarbeitet. In der Regel sind 15 bis 20 Sitzungen erforderlich, um ein ausreichend stabiles Therapieergebnis zu erreichen. Eine Langzeitwirkung, die in einzelnen Fällen bis zu mehreren Jahren anhielt, konnte bereits erfolgreich nachgewiesen werden.

Geschichte und Research

Neurofeedback wurde 1967 vom Amerikaner Barry Sterman an der University of California, Los Angeles, beim Versuch an Katzen entdeckt. Die USA sind bis heute führend in der Neurofeedback-Forschung. Im deutschsprachigen Raum ist die Forschungsarbeit rund um den österreichischen Neurobiologen Prof. Dr. Niels Birbaumer, Universität Tübingen (D) wegweisend. Mehrere klinische Studien belegen eine sehr gute Wirkung von Neurofeedback bei AD(H)S. Weiterer Forschungsbedarf ist auch aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten gegeben.

Neurofeedback in Österreich

Neurofeedback ist in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen bereits als Kassenleistung anerkannt. In Österreich ist Neurofeedback kaum verbreitet, daher wenig bekannt und gilt noch als Eigenleistung. Private Krankenzusatzversicherer übernehmen mitunter einen Teil der Kosten.

Die Ausbildung in Neurofeedback-Therapie im deutschsprachigen Raum ist bislang nur in Deutschland oder der Schweiz möglich.

Fazit

Neurofeedback ist eine wissenschaftlich anerkannte Therapiemethode und findet nicht nur bei neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen ein breites Anwendungsspektrum. Auch zur Vorbeugung von Burn-out/chronischer Stressbelastung und als leistungssteigerndes Training kann Neurofeedback seine positive Wirkung entfalten. Es wäre wünschenswert, dass Neurofeedback mit seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten auch in Österreich eine verstärkte Verbreitung und Anwendung erfährt. Fachliteratur:

Praxisbuch Biofeedback und Neurofeedback, ISBN 978-3-642-30178-0, Springer Verlag, 2013

Wissenschaftliche Literatur:

Einen umfassenden Überblick, nach Themen geordnet, ist auf diesen Webseiten zu finden:

• www.eeginfo-neurofeedback.de/neurofeedback/was-ist-neurofeedback/literatur.html

• www.akademie-neurofeedback.de/studien-forschung/

• www.eeginfo.com/research/

Autoren:

Thomas Flatz, MAS, MBA
Neurofeedback-Therapeut

Dr. Michaela Gleußner
Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Wahlärztin

T. Flatz und M. Gleussner, komplementärmedizin 3/2013

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