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Wegen der häufigen Nebenwirkungen der multimodalen Therapie, insbesondere der Chemotherapie, gewinnt die komplementäre Therapie mit Mistelextrakten immer mehr an Bedeutung.
 
Komplementärmedizin 6. September 2013

Integrative Onkologie

Zeitgemäße Brustkrebs-Therapie ruht auf mehreren Säulen.

Die Schauspielerin Angelina Jolie hat sich aufgrund ihrer Familienanamnese und der daraus abzuleitenden genetischen Belastung vorsorglich beide Brüste amputieren lassen. Dies zeigt eindrücklich, wie groß die Angst vieler Frauen ist, an Brustkrebs zu erkranken. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verständlich, dass erkrankte Frauen alles tun, um wieder zu genesen und die Lebensqualität wiederzuerlangen, die ihnen von der Strahlen- und Chemotherapie genommen wird. Dass sie damit Recht haben, zeigen die positiven Studien- und Behandlungsergebnisse durch eine ganzheitliche Krebstherapie, die auch in Kliniken nun mehr und mehr Einzug hält.

Krebspatienten sind mündig

Krebspatienten wissen um die Bedrohlichkeit dieser Diagnose, informieren sich genauestens über ihre Erkrankung und beanspruchen zu Recht jede Erfolg versprechende medizinische Hilfe für sich. Erfreulicherweise wenden immer weniger Mediziner ausschließlich lang eta- blierte und streng evidenzbasierte Behandlungsoptionen an. Nicht nur niedergelassene Ärzte, sondern auch Universitätskliniken setzen heute verstärkt auf die sogenannte integrative Onkologie, die Strahlen- und Chemotherapie sowie chirurgische Maßnahmen mit Verfahren aus der Anthroposophischen Medizin, Homöopathie und der Naturheilkunde ergänzt - nicht ersetzt! Einen wichtigen Beitrag kann hier eine Misteltherapie leisten.

Gute Noten für die Mistel in vielen Studien

Etwa 50 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen nutzen komplementäre Behandlungsverfahren. Ganz besonders häufig die Misteltherapie, welche vor knapp 100 Jahren entwickelt wurde und schon damals ihr Potential unter Beweis gestellt hat. Bei den behandelten Frauen besserte sich das Allgemeinbefinden, der Appetit kam zurück, die Schmerzen konnten reduziert werden, und auch der Schlaf wurde positiv beeinflusst.

Heute sind die Vorteile einer Misteltherapie durch 130 Studien - 84 davon wurden mit Iscador® durchgeführt - gut erforscht. Exemplarisch sei eine Studie von Tröger et al. (1) zur Lebensqualität und Neutropenie bei 95 Patientinnen mit Mammakarzinom nach Operation angeführt. Diese wurden in drei Gruppen randomisiert und erhielten über drei Wochen sechs Zyklen mit Cyclophosphamid, Adriamycin und 5-Fluoruracil. Eine Gruppe erhielt zusätzlich Iscador M® spezial, eine weitere ein anderes Mistelpräparat. Die Lebensqualität wurde mit Hilfe des standardisierten EORTC-Fragebogens erfasst. In der Iscador®-Gruppe zeigte sich in punkto Lebens-qualität zum Studienende in allen 12 Scores ein signifikanter, in 9 Scores auch ein klinisch relevanter Unterschied. Diese waren Rollenfunktion, emotionale Funktion, soziale Funktion, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, mangelnder Appetit, Diarrhö und finanzielle Sorgen. Eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten war bei nur 3 Iscador®-Patientinnen aufgetreten (vs. 8 in der Kontroll-Gruppe). Insgesamt wurde die Therapie gut vertragen. In einer Follow up-Studie (2) wurden die Patientinnen, die dann keine Misteltherapie mehr, aber teils Hormon- oder Strahlentherapie verabreicht bekamen, fünf Jahre lang nachbeobachtet. Die Ergebnisse: Diese Studie lieferte keine Anhaltspunkte für negative Wechselwir-kungen zwischen Mistel- und Chemotherapie, sondern zeigte auf, dass Mistelextrakte eine Chemotherapie sogar verträglicher machen können.

Krebs berührt Körper und Seele zugleich

„Eine Misteltherapie ist keine ‚Alternative‘ zu anderen sinnvollen Behandlungen, sie ist zumeist Teil eines individuellen, auf Person und Situation zugeschnittenen Behandlungskonzeptes“, betont Dr. Matthias Rostock, Oberarzt am Universitätsspital Zürich. Frau Dr. Daniela Paepke von der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar in München sieht dies ganz ähnlich: „Abgestimmt auf die individuelle Situation des Patienten erstellen wir einen Therapieplan, der zusätzlich komplementärmedizinische Maßnahmen, Sport, Ernährung, Psychoonkologie und auch die spirituelle Bedeutung der Erkrankung im Blick behält. Im Zentrum steht stets der gesamte Mensch.“ In ihrer Klinik werden in einer speziellen Sprechstunde parallel zu den etablierten Methoden Verfahren aus der Anthroposophischen Medizin, Homöopathie und der Naturheilkunde angewendet. Ungefähr 90 Prozent der Patientinnen mit Mamma-karzinom erhalten dort eine Misteltherapie und die Erfahrungen damit sind fast immer positiv.

Das Interesse an Komplementärmedizin steigt

Die Komplementäre und Alternative Medizin (CAM) war auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), die vom 27. bis 29. Juni in München stattfand, ein großes Thema. Darüber hinaus ist geplant, unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) eine AG zur integrativen Medizin zu gründen.

Literatur:

(1) Tröger W et al.: Quality of Life and Neutropenia in Patients with early stageBreast Cancer: A randomized Pilot Study comparing Additional Treatment with Mistletoe Extract to Chemotherapy alone. Breast Cancer - Basic and Clinical Research 3, 35-45 (2009)

(2) Tröger W et al.: Five-year follow-up of patients with early stage breast cancer after a randomized study comparing additional treatment with Viscum album (L.) extract to chemotherapy alone. Breast Cancer: Basic and Clinical Research 1, 173-180 (2012)

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