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Dr. med. Ivan StefanovicFacharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in WienFoto Jeschofnig
© Sanofi-Aventis

Bereits äußerlich ist bei dieser jungen Frau eine Struma zu erkennen.

© Bork / shutterstock

Die sonografische Untersuchung bringt Informationen über die Art der Struma und ist daher unentbehrlich für die Therapieentscheidung.

 
Komplementärmedizin 6. September 2013

Schilddrüse aus dem Gleichgewicht

Die Folgen von Jod-, Selen- und Eisendefiziten.

Die Schilddrüsengesundheit und eine adäquate Bildung von Schilddrüsenhormonen sind in einem hohen Maße von einer ausreichenden alimentären Bereitstellung der thyroid-relevanten Spurenelemente Jod, Eisen und Selen abhängig. Doch gerade bei diesen Mikronährstoffen ist eine defizitäre Versorgung - vor allem bei Frauen - weit verbreitet. Gleichzeitig ist der weibliche Anteil von Patienten mit Schilddrüsenproblematik überproportional hoch.

Weibliche Schwachstelle: Die Schilddrüse

Auf der Liste der am häufigsten verordneten Medikamente steht das Schilddrüsenhormon Levothyroxin an zweiter Stelle. Dies spiegelt die hohe Prävalenz von Hypothyreosen wider. Warum Frauen hier besonders gefährdet sind, ist zwar noch immer Gegenstand von wissenschaftlichen Diskussionen. – Tatsache jedoch ist, dass sich bei Frauen Defizite bei Eisen, Jod und auch bei Selen häufig nachweisen lassen und dass eine Schwangerschaft die Schilddrüse stark fordert.

Ohne Jod nichts los

Jod ist integraler Bestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). In dieser Funktion ist Jod essentiell und von der exogenen Zufuhr abhängig. Mit der Nahrung aufgenommenes Jodid wird im Dünndarm resorbiert und gelangt mithilfe eines Na-Jodid-Symporters aktiv in die Schilddrüsenzellen. Dort wird es am apikalen Rand durch eine eisenhaltige Peroxidase zu Jod oxidiert und an die Tyrosinreste des Glycoproteins Thyreoglobin gekoppelt. Unter Einfluss des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) werden die Hormone freigesetzt. In der Peripherie erfolgt dann die Überführung von T4 in das biologisch wirksamere T3. Dieser Vorgang wird durch die selenabhängigen Deiodasen katalysiert. Die Folgen eines Jodmangels sind hinreichend bekannt. Hypothyreosen mit und ohne Strumabildung, knotige Veränderungen im Schilddrüsengewebe sowie Symptome wie Gewichtszunahme, Obstipation, Konzentrationsschwäche, Kälteempfindlichkeit oder trockene Haut. Bei Frauen sind zudem häufig Zyklus- und Fertilitätsstörungen zu beobachten.

Eisenmangel schadet der Schilddrüse

Klinischer und subklinischer Eisenmangel betrifft vor allem Frauen. Die Schilddrüse ist aufgrund der eisenhaltigen Thyreoperoxidase (TPO) auf eine ausreichende Bereitstellung von Eisen angewiesen. Bei einem Ferritinwert ‹ 20 ng/ml ist die Funktion von TPO beeinträchtigt, es wird weniger T4 und T3 gebildet. Die dadurch bedingte Erhöhung von TSH ist unabhängig vom Jodangebot und kann ebenfalls Ursache einer Struma sein. Eine Jodsubstitution ohne entsprechende Eisenzufuhr wird in diesen Fällen ohne therapeutischen Erfolg bleiben.

Wirksamer Schilddrüsenschutz durch Selen

Für die Schilddrüse ist Selen in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: Zum einen wird die Umwandlung des Schildrüsenhormons T4 in das biologisch aktivere T3 durch selenhaltige Enzyme katalysiert (Jod-thyronin-5-Deiodasen), zum anderen wird die selenhaltige Glutathion- peroxidase (GPx) zur Neutralisierung von Wasserstoffperoxyd- Radikalen benötigt.

Bei der Synthese von Schilddrüsenhormonen werden in hohem Maße reaktive Sauerstoffspezies gebildet, die das Gewebe oxidativ schädigen können. Zu ihrem Schutz zählt die Schilddrüse zu den Organen mit dem höchsten Gehalt an antioxidativ wirksamen Selenoenzymen. Selenmangel führt zu einer verminderten GPx-Aktivität, die Konzentration der Sauerstoffradikale erhöht sich und es entstehen vermehrt Nekrosen mit Entzündungsreaktionen. So ist bei Selenmangel die Inzidenz von Autoimmunthyreoiditiden (AIT) erhöht. Es wird angenommen, dass bei entsprechender Prädisposition die nekrotischen Schilddrüsenzellen eine chronische Autoimmunreaktion auslösen können. Bereits bestehende Autoimmunthyreoditiden - wie die Hashimoto-Thyreoiditis - sprechen gut auf Selengaben (200 µg/d p.o.) an.

Fazit für die Praxis

Schilddrüsenerkrankungen sind eine Volkskrankheit mit beträchtlichem Ausmaß. Die Daten zeigen einen dringenden Handlungsbedarf beim Erkennen von Jod-, Eisen- und Selenmangelzuständen. Eine frühzeitige, gezielte präventive Mikronährstoffsupplementierung zum Ausgleich eines labordiagnostisch festgestellten Defizits schützt die Schilddrüse und könnte vermutlich vielen Patienten die lebenslange Verwendung von Schilddrüsenhormonen ersparen.

Literatur beim Verfasser.

Korrespondenz:

Dr. med. Ivan Stefanovic

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Wagramerstraße 173

A-1220 Wien

www.skin-gyn-cosmetic.com

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