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Komplementärmedizin 11. Juli 2005

Dauerhaft schmerzfrei durch Akupunktur?

Die weltweit größte Studie zur Wirksamkeit der Akupunktur geht in ihre zweite Phase. Die 2001 begonnene Studie wird jetzt durch weitere Studien ergänzt. Die Frage dabei: Ist die schmerzlindernde Wirkung von Akupunktur dauerhaft? An den Universitätskliniken Marburg (Kreuzschmerz), Heidelberg (Knieschmerz), Bochum (Spannungskopfschmerz) und Mainz (Migräne) wird in den kommenden zwei Jahren in kontrollierten randomisierten Studien untersucht, welchen Einfluss die Nadelbehandlung auf den Krankheitsverlauf bei chronischen Schmerzpatienten hat. Insgesamt können an den "german acupuncture trial" ("gerac") 500.000 Patienten teilnehmen, sagte "gerac"-Sprecher Professor Hans-Joachim Trampisch von der Universität Bochum bei einer Pressekonferenz in Berlin. Bekanntlich hat der deutsche Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen im Oktober 2000 beschlossen, Akupunktur aus der vertragsärztlichen Versorgung auszuschließen, weil ein medizinischer Nutzen bisher nicht belegt worden sei. Nur Dauerschmerzgeplagte schienen von der Nadelung zu profitieren, so dass der Ausschuss kassenübergreifenden Modellversuchen zustimmte. Bei Patienten mit Kopf- und LWS-Schmerzen sowie Cox- und Gonarthrose wird die Akupunktur-Wirkung in zwei Projekten geprüft. 

Akupunktur sehr beliebt bei Patienten

Die feinen Nadeln sind sehr beliebt: 96 Prozent aller Patienten würden sich gern damit behandeln lassen, wenn konventionelle Methoden nicht ausreichen, so Dr. Albrecht Molsberger von der Forschungsgruppe Akupunktur aus Düsseldorf. Ob dies den Patienten tatsächlich weiterhelfe, sei aber wissenschaftlich ungeklärt. Zwar weise die klinische Erfahrung außer der schmerzlindernden auch auf eine regenerative Wirkung der Akupunktur hin. Bisherige Studien zur Akupunktur litten jedoch unter teils groben handwerklichen Mängeln und hätten deshalb nur begrenzt Aussagekraft, beklagte Molsberger. Mit dem auf drei Jahre angelegten Projekt "gerac" hingegen bekomme man aufgrund des hohen wissenschaftlichen Standards erstmals aussagekräftige Ergebnisse über die tatsächliche Wirkweise. In der im März 2001 begonnenen Kohortenstudie ("gerac"-Teilstudie 1) wurden bis Oktober 2001 etwa 40.000 Patienten, die im Mittel 59 Jahre alt waren, von 7.309 Ärzten behandelt.

Bei 90 Prozent der Behandelten kam es zu einer Schmerzlinderung; bei 51 Prozent sogar schon nach vier Sitzungen. Aber es gab auch unerwünschte Wirkungen: Etwa fünf Prozent hatten nach der Akupunktur ein Hämatom, in 311 Fällen kam es zu Unwohlsein, 20 Patienten erlitten eine lokale Infektion. Die jetzt gestarteten randomisierten Studien (Teilstudie 2) haben das Ziel, Akupunktur auf ihre anhaltende schmerzlindernde Wirkung zu überprüfen. 

Schmerzlinderung bei 90 Prozent der Patienten

Dazu wird die der Traditionellen Chinesischen Medizin entsprechende Nadelung (Verum-Akupunktur) mit einer unspezifischen, für "gerac" entwickelten Technik ("Sham"-Akupunktur, also Akupunktur an "falschen" Punkten, aber mit echten Nadeln) verglichen. In einem dritten Studienarm werden Patienten mit einer Standardtherapie etwa aus Medikamenten, Physio- und Psychotherapie behandelt. Vor zu hohen Erwartungen warnt Professor Michael Zenz aus dem Leitungsgremium: "Keine Methode reicht allein aus, um Patienten mit chronischen Schmerzen erfolgreich zu behandeln." Es müsse immer eine Palette an Maßnahmen eingesetzt werden, die von biologischen Therapien (Medikamente und auch Akupunktur), über psychologische Verfahren bis zu Ansätzen im familiären und beruflichen Umfeld reicht.

ÄZ/Uwe Groenewold, Ärzte Woche 6/2002

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