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Komplementärmedizin 12. November 2012

Wer verwendet Phytotherapie?

Wirksamkeit und Nebenwirkungsarmut sind die Entscheidungskriterien.

Seit 1970 beobachtet das Institut für Demoskopie Allensbach in mehrjährigen Abständen die Entwicklung der Einstellung der deutschen Bevölkerung zu Naturheilmitteln.

Der letzte Bericht, zu dem im Juni 2010 insgesamt 1.882 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahre befragt wurden, erschien im Juli 2010. Der Begriff Naturheilmittel schließt die Phytotherapie ein, daher können die Ergebnisse auch im Sinne der Phytotherapie genutzt werden. Aufgrund kultureller Vergleichbarkeit sind die Daten vermutlich auch auf Österreich weitgehend übertragbar.

Wer verwendet Naturheilmittel?

1970 verwendeten erst 52 Prozent der Bevölkerung in den alten Bundesländern Naturheilmittel, im Jahr 2010 waren es 72 Prozent, bezogen auf alle Bundesländer. Überdurchschnittlich häufig werden 2010 Naturheilmittel von Frauen (79 Prozent; Männer 62 Prozent), in den südlichen Bundesländern (75 Prozent), sowie von Personen aus Haushalten mit einem hohen Einkommen (73 Prozent) benutzt. In der jungen Bevölkerung verwenden zwar nur 60 Prozent Naturheilmittel, das dürfte jedoch ihren guten Gesundheitszustand reflektieren.

Nahezu die Hälfte der Bevölkerung ist in Jahr 2010 von der Wirksamkeit von Naturheilmitteln überzeugt (45 Prozent), 37 Prozent sind in dieser Frage unentschieden oder beurteilen die Wirksamkeit von Fall zu Fall unterschiedlich. Nur 8 Prozent der Befragten halten Naturheilmittel ganz allgemein für un- wirksam.

Hauptindikation: Erkältungen

Am häufigsten berichten die Verwender, dass Naturheilmittel bei Erkältungen geholfen haben (78 Prozent). Jeweils rund jeder dritte Nutzer hatte Erfolge bei der Behandlung von Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit, Verdauungsbeschwerden sowie Kopfschmerzen, 20 Prozent bei Hautkrankheiten und Nervosität. Dabei haben die Behandlungserfolge mit Naturheilmitteln vor allem bei Erkältungskrankheiten, aber auch bei Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität oder bei Erschöpfungszuständen in den letzten dreißig Jahren zugenommen. Nur 5 Prozent der Verwender vertrauen im Krankheitsfall allerdings ausschließlich auf Naturheilmittel, 66 Prozent nehmen daneben auch andere Medikamente ein, weitere 28 Prozent entscheiden dies fallweise.

Die Verbreitung von Naturheilmitteln wird weiterhin durch die Furcht vor schädlichen Nebenwirkungen bei chemisch definierten Arzneimitteln begünstigt. Auf einer 11-stufigen Skala von 0 (’ganz gering‘) bis 10 (’sehr groß‘) schätzt die Bevölkerung 2010 die Gefahr von Nebenwirkungen bei chemischen Arzneimitteln im Durchschnitt bei 6,7 ein, bei Naturheilmitteln dagegen nur bei 2,8. Diese Zahlen haben sich seit 1970 nur unwesentlich verändert.

Interessanterweise kommt es beim Einsatz von Naturheilmitteln den meisten Befragten nicht darauf an, aus welchem Land die bei der Herstellung verwendeten Pflanzen stammen (73 Prozent), nur 25 Prozent legen Wert auf eine europäische Herkunft. Dies ist wegen der durchaus unterschiedlichen Qualitäten außereuropäischer Heilpflanzen und auch ihrer oft ungenügenden Charakterisierung hinsichtlich Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von großer Bedeutung.

Eine entsprechende Aufklärung der Bevölkerung erscheint dringend geboten.

Prof. Dr. med. Karin Kraft, Gesellschaft für Phytotherapie e.V.

Zentrum für Innere Medizin, Lehrstuhl Naturheilkunde; Rostock

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